Kazaw-Besuch Schröder verspricht Militärhilfe für Israel

Die Bundesregierung will Israel mit Waffen und Ausrüstung beliefern. Diese Zusage hat Präsident Mosche Kazaw bei seinem Besuch in Berlin von Bundeskanzler Schröder erhalten. Was, wann und wie viel bestimmt der Bundessicherheitsrat in geheimer Sitzung.


Schröder mit Staatsgast Kazaw
DPA

Schröder mit Staatsgast Kazaw

Berlin - Frostiger Ausnahmezustand herrschte beim Empfang mit militärischen Ehren für Israels Präsidenten Kazaw am Montag im Garten vom Schloss Bellevue in Berlin. Bei Temperaturen von minus sieben Grad mussten Bundespräsident Johannes Rau und sein Gast auf die Hymnen Deutschlands und Israels allerdings verzichten. Die Ventile der Blasinstrumente waren eingefroren. Ansonsten jedoch war der Empfang Kazaws in Berlin keineswegs frostig.

Rau sicherte Israel die Solidarität Deutschlands zu, der unterstrich die freundschaftlichen Beziehungen beider Länder. Die Bundesregierung stellte Israel indes weitere militärische Hilfe in Aussicht gestellt. Gerhard Schröder machte am Montag nach einem Gespräch mit Kazaw in Berlin deutlich, dass neben den bereits zugesagten Flugabwehrraketen vom Typ Patriot weitere Rüstungslieferungen erörtert würden. Zu Einzelheiten wollte er sich nicht äußern.

Schröder hatte Israel vor zwei Wochen zwei Patriot-Batterien zum Schutz der Bevölkerung gegen Luftangriffe zugesagt. Daneben hatte die israelische Heeresleitung Fuchs-Transportpanzer angefordert. Eine offizielle Regierungsanfrage dazu liegt allerdings noch nicht vor. Schröder sagte, bei dem Gespräch mit Kazaw sei es neben den Patriots auch "um Hilfe in anderen Bereichen" gegangen.

"Selbstverständlich sind das Entscheidungen, die nicht in die Öffentlichkeit gehören", sagte er. Darüber müsse der Bundessicherheitsrat entscheiden. Sein Eindruck sei, dass Israel die Hilfsangebote Deutschlands zu würdigen wisse.

Kazaw bedankte sich bei Schröder für die deutsche Hilfe. Deutschland habe "Verständnis für unsere Bedürfnisse" gezeigt. Die Einzelheiten der Unterstützung Israels müssten aber über die "diplomatischen Kanäle" geklärt werden. Katzav hatte im SPIEGEL die israelische Bitte um Transportpanzer bekräftigt. Gleichzeitig hatte er nicht ausgeschlossen, dass die Fahrzeuge auch in palästinensischen Gebieten eingesetzt werden könnten. Genau damit waren in der rot-grünen Koalition Vorbehalte gegen die Panzerlieferung begründet worden.

Kazaw unterstrich die engen und guten Beziehungen zu Deutschland. Er betonte die Notwendigkeit der Selbstverteidigung des israelischen Volkes gegen den Terrorismus. Der israelische Staatspräsident unterstrich, dass die internationale Völkergemeinschaft gemeinsam gegen den Terrorismus vorgehen müsse.

Am Nachmittag besuchte Kazaw das ehemalige Konzentrationslager Sachsenhausen. Am Sonntag hatte der Staatspräsident seinen dreitägigen Deutschlandbesuch in Wuppertal begonnen, wo er unter anderem an der Einweihung einer Synagoge teilnahm. Rau nannte dies ein großes Ereignis und versicherte, alles dafür zu tun, dass sich Juden in Deutschland sicher fühlten. Das Miteinander verschiedener Religionen zeige die Fähigkeit zur Toleranz.



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.