Kein Kommentar Karadzic-Jägerin Carla del Ponte muss schweigen

Sie war die Frau, die Karadzic keine Ruhe ließ: Als Chefanklägerin des Jugoslawien-Tribunals in Den Haag war Carla del Ponte jahrelang die Gegenspielerin des bosnischen Serbenführers. Nun ist Karadzic in Haft, doch die Schweizerin darf nicht triumphieren: Ihre Regierung will es so.

Berlin - Es war mehr als ein Job, es war eine Mission. Milosevic, Karadzic, Mladic – von 1999 bis 2007 hatte Carla del Ponte sich als Uno-Anklägerin der Verfolgung mutmaßlicher serbischer Kriegsverbrecher verschrieben. Jeder Zeitungsleser kannte die blonde Frau mit der dunklen Brille, die kein Blatt vor den Mund nahm und keinem Streit mit den Regierungen des Westens aus dem Weg ging.

"Die Jagd. Ich und die Kriegsverbrecher", heißt ihr Erinnerungsbuch an diese Zeit. Es wurde im Frühjahr veröffentlicht und sorgte umgehend für Empörung, weil die Schweizerin detailliert über die schwierigen Verhandlungen mit der serbischen Regierung sowie den Widerstand der USA und mehrerer EU-Länder berichtete. Die serbische Regierung protestierte sogar in aller Form bei der Uno.

Nun ist ihrem Nachfolger Serge Brammertz gelungen, was del Ponte all die Jahre verwehrt blieb: Karadzic sitzt hinter Gittern. Del Ponte aber darf sich nicht öffentlich freuen, sie ist inzwischen Botschafterin der Schweiz in Argentinien. Zu ihrem "großen Bedauern" könne sie kein Interview geben, antwortete sie auf eine Anfrage von SPIEGEL ONLINE.

"Gemäß Anweisung von Frau Bundesrätin Micheline Calmy-Rey, Vorsteherin des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten, erlaubt mir meine heutige Funktion als Botschafterin der Schweiz in Argentinien nicht, Aussagen und/oder Kommentare betreffend meiner früheren Tätigkeit als 'Chief Prosecutor of the International Criminal Tribunal for former Yugoslavia' zu machen", schrieb die Botschafterin weiter.

Del Ponte fügte noch hinzu, es tue ihr "aufrichtig leid", dem Anliegen nicht nachkommen zu können. Das glaubt man der 61-Jährigen sofort. Denn es war der große Makel ihrer Bilanz, dass Karadzic und Mladic bei ihrem Ausscheiden Ende 2007 immer noch frei herumliefen. In Interviews bekannte sie freimütig, darüber enttäuscht zu sein. In ihrem Buch griff sie auch westliche Politiker und Diplomaten an, die die Suche nach Kriegsverbrechern behindert hätten, weil sie um den Frieden in der Region fürchteten.

Als größten Erfolg konnte del Ponte verbuchen, den ehemaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic vor Gericht gebracht zu haben. Er starb allerdings 2006 an einem Herzinfarkt in seiner Zelle, bevor das Urteil gesprochen werden konnte.

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