Kelly-Affäre Tonband bringt BBC in die Bredouille

Vor dem Untersuchungsausschuss in London wurde das Tonband mit dem letzten Gespräch der BBC-Reporterin Susan Watts und dem Waffenexperten David Kelly abgespielt. Darauf relativiert dieser seine Vorwürfe gegen die Regierung. Nun gerät der Rundfunksender unter Druck: Er soll Watts gedrängt haben, ihren Kollegen zu entlasten.

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Seine Version wird von der Kollegin nicht bestätigt: BBC-Reporter Andrew Gilligan
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Seine Version wird von der Kollegin nicht bestätigt: BBC-Reporter Andrew Gilligan

Berlin - Es ist ein kleines Aufnahmegerät, das am Mittwoch die Aufmerksamkeit des Untersuchungsausschusses in London auf sich zog: Auf ihm war das letzte Gespräch zwischen der BBC-Reporterin Susan Watts und dem Waffenexperten David Kelly aufgezeichnet worden, das für eine neue Wendung in der nicht enden wollenden Geschichte um die angeblich aufgebauschte Geheimdienstberichte der britischen Regierung sorgt.

Zwar habe sie mit dem ehemaligen Uno-Waffeninspekteur und Beamten des britischen Verteidigungsministeriums gesprochen, hatte Watts noch am Dienstag zu Protokoll gegeben. Diese Gespräche hätten im Mai stattgefunden. Kelly habe auch ihr gegenüber sein Unbehagen über die Geheimdienstaussage zum Ausdruck gebracht, der inzwischen entmachtete irakische Staatschef Saddam Hussein könne innerhalb von 45 Minuten chemische und biologische Waffen einsetzen. Auch der Name des Blair-Beraters Alastair Campbell sei gefallen.

Allerdings habe sie den Vorwurf, dieser sei dafür verantwortlich, den Geheimdienstbericht über den Irak "aufgepeppt" zu haben, nicht ernst genommen und als nebensächliches Geschwätz abgetan. Sie habe nicht den Eindruck gehabt, dass Kelly ihr diese Informationen als Enthüllung zukommen lasse. In einem weiteren Gespräch habe er eine direkte Verantwortung Campbells aber explizit zurückgewiesen.

Genau dies hatte ihr Kollege Andrew Gilligan aber anders dargestellt: Ende Mai erhob er in einer BBC-Sendung den Vorwurf, die britische Regierung und besonders Campbell hätten den Geheimdienstbericht eine Woche vor der Veröffentlichung aufgepeppt. Daraufhin habe sie den Waffenexperten Kelly ein weiteres Mal angerufen, um sich zu vergewissern, ob es ein Fehler gewesen sei, diesem Hinweis nicht nachzugehen, sagte Watts.

Waffenexperte David Kelly kurz vor seinem Tod: Relativierte seine Vorwürfe gegenüber einer weiteren Journalistin
DPA

Waffenexperte David Kelly kurz vor seinem Tod: Relativierte seine Vorwürfe gegenüber einer weiteren Journalistin

Eben dieses Telefonat befindet sich auf der Tonbandkassette, die am Mittwoch vor dem Untersuchungsausschuss abgespielt worden ist. Darauf sagt der inzwischen verstorbene Kelly, er könne nicht sagen, ob Campbell persönlich für die Verschärfung des Berichts zuständig gewesen sei. "Ich kann nur sagen, dass es um die Pressestelle der Downing Street Number 10 geht", so Kelly. "Aber ich glaube, dass Alastair Campbell und die Pressestelle das Gleiche sind, denn er ist verantwortlich für sie."

Gleichzeitig distanzierte sich Watts von ihren Kollegen bei der BBC. Sie sei dazu gedrängt worden, ihre Berichte in Übereinstimmung mit anders lautenden Aussagen ihres Kollegen Gilligan zu bringen. In dem Streit zwischen der Regierung und dem Reporter hatte sich die BBC hinter ihren Mitarbeiter gestellt.

Die offensichtlich widersprüchlichen Aussagen der beiden Journalisten könnten dem britischen Regierungschef Tony Blair eine Verschnaufpause verschaffen. Dessen Popularität ist seit dem Streit um die Kriegsgründe und den Selbstmord des Wissenschaftlers auf den tiefsten Stand seit seinem Amtsantritt gefallen. Nach einer in dieser Woche veröffentlichten Umfrage machen 41 Prozent der Briten die Regierung für den Tod von Kelly verantwortlich. Gleichzeitig denken 68 Prozent die Regierung sei in der Irak-Frage unehrlich gewesen.



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