Kelly-Affäre Verteidigungsminister Hoon zunehmend isoliert

Großbritannien sucht einen Sündenbock für den Tod des Waffenexperten David Kelly. Nun gerät Verteidigungsminister Geoff Hoon in Erklärungsnot. Er soll seinem Pressesprecher selbst die Erlaubnis dafür gegeben haben, Kellys Namen an die Öffentlichkeit zu bringen - und damit zu dessen Selbstmord-Entschluss beigetragen haben.




Soll seinem Pressesprecher einen heiklen Auftrag gegeben haben: Geoff Hoon
AP

Soll seinem Pressesprecher einen heiklen Auftrag gegeben haben: Geoff Hoon

London - "Hoons direkte Beteiligung am Umgang mit Kelly bedeutet, dass er gezwungen sein könnte zurückzutreten, falls die unabhängige Untersuchung von Lord Hutton die Behandlung Kellys durch Regierungsbeamte kritisieren sollte", kommentiert die "Financial Times". Kelly sei als sensibler Mensch bekannt gewesen, der möglicherweise nicht dem Druck standhalten konnte, nachdem er als Informationsquelle für einen kritischen BBC-Bericht über die Irak-Politik der Regierung bekannt wurde.

Nach einem Bericht des "Daily Mirror" ist Hoon innerhalb der Regierung isoliert. Der Stab von Premierminister Tony Blair in der Downing Street versuche, ihm die Schuld zuzuschieben. Ein Sprecher Blairs wurde mit den Worten zitiert, der Umgang mit Kelly sei von der "Spitze des Verteidigungsministeriums" abgesegnet worden. Hoon stehe "unter wachsendem Druck zu gehen", schrieb die Boulevardzeitung.

Die Murdoch-Blätter "Times" und "Sun", die Blair im Irak-Krieg unterstützt haben, setzten unterdessen ihre Attacken auf die BBC fort. Sie meldeten, im Rundfunkrat würden erste Risse über die bisher verfolgte Strategie sichtbar. Die BBC dementierte dies jedoch. Der Sender hat die Berichterstattung seines Reporters Andrew Gilligan bisher vehement verteidigt.



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