Kelly Craft als US-Botschafterin Trumps zweite Wahl wird Nummer eins bei der Uno

Bisher fiel Kelly Craft mit Millionenspenden an die Republikaner und zweifelhaften Aussagen zum Klimawandel auf. Nun wird sie die USA bei den Vereinten Nationen vertreten. Topkandidatin war eine andere gewesen.

Kelly Craft: Demokraten äußerten klare Vorbehalte - zur Uno darf sie trotzdem
Stefani Reynolds/ AFP

Kelly Craft: Demokraten äußerten klare Vorbehalte - zur Uno darf sie trotzdem


Sieben Monate war der Posten des US-Vertreters bei der Uno vakant gewesen, nun steht die Nachfolgerin für Nikki Haley fest: Der US-Senat bestätigte am Mittwoch die von Präsident Donald Trump nominierte Kandidatin Kelly Craft als neue Chefdiplomatin bei der Uno mit 56 zu 34 Stimmen.

Die 57-Jährige war bislang US-Botschafterin in Kanada. Bei ihrer Anhörung im Senat hatten ihr die oppositionellen Demokraten mangelnde Erfahrung für den Posten unterstellt.

Vorgängerin Haley hatte das Amt Ende vergangenen Jahres aus persönlichen Gründen abgegeben. Craft war vor ihrer Zeit als US-Botschafterin in Kanada Unternehmerin im US-Bundesstaat Kentucky. Sie ist mit Joe Craft verheiratet, einem milliardenschweren Geschäftsmann aus der Kohleindustrie.

Im Wahlkampf 2016 unterstützte das Ehepaar Kandidaten der Konservativen nach einem Bericht der "Washington Post" mit rund 1,5 Millionen US-Dollar (1,35 Millionen Euro). Laut der "New York Times" spendeten die Crafts insgesamt zwei Millionen US-Dollar für Trumps Wahlkampf und seine Amtseinführungszeremonie.

Heikle Aussagen in der Klimadebatte

Für Aufsehen sorgte Craft, als sie 2017 im Sender CBS erklärte, sie glaube "beiden Seiten" in der Debatte über den Klimawandel. Bei ihrer Senatsanhörung im Juni betonte Craft, Klimawandel stelle "ein echtes Risiko für den Planeten dar". Maßnahmen dagegen müssten alle Länder ergreifen. Den USA dürfe dabei aber keine übergroße Last aufgebürdet werden, die Jobs oder die Wirtschaft gefährden könnte.

Die Demokraten bemängelten unter anderem, dass Craft in ihrer bis dahin 20-monatigen Amtszeit als Botschafterin 300 Tage außerhalb Kanadas gewesen sei.

Der ranghöchste demokratische Senator im Auswärtigen Ausschuss, Bob Menendez, kritisierte außerdem die seiner Ansicht nach mangelnde diplomatische Erfahrung Crafts.

In Crafts Zeit als Botschafterin in Kanada fielen die Neuverhandlung des nordamerikanischen Freihandelsabkommens Nafta sowie der G7-Gipfel in La Malbaie, bei dem es zum Eklat kam, weil Trump seine Unterstützung für die Gipfelerklärung im Nachhinein zurückzog.

Frage nach Motiven für Nauerts Rückzug

Craft war Trumps zweite Kandidatin für das Spitzenamt. Die erste Anwärterin, Heather Nauert, hatte ihre Bewerbung im Februar überraschend zurückgezogen. Sie erklärte damals, die Zeit nach der Verkündung ihres geplanten Aufstiegs zur Uno-Botschafterin sei für ihre Familie zu aufreibend gewesen.

Mehrere US-Medien berichteten allerdings, Grund für Nauerts Rückzug sei gewesen, dass sie vor Jahren eine Frau als Kindermädchen beschäftigt hatte, die keine US-Arbeitserlaubnis gehabt habe. Aus Angst vor Komplikationen im Nominierungsprozess wegen dieses Falls habe Nauert entschieden, sich selbst aus dem Rennen zu nehmen. Die Vorwürfe sind nicht bestätigt.

jok/dpa

insgesamt 19 Beiträge
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h.markwort 01.08.2019
1. Unverständniss [!]
Weshalb Mrs. Kelly Craft anscheinend nicht passend für den Posten ausgewählt wurde, ist mir ein Rätsel. Spendenaffäre, nicht konforme Aussagen, unflexible ökonomische Politik gegenüber ökologischer Herausforderungen, tritt als Lobbyistin auf, stellvertretend für mächtige 'Background-Matters'... Nun, das ist nicht unüblich, ebenso nicht für den amerikanischen Kongress. Und dort Bewährtes sollte für die Uno wohl adäquat sein (Vergleich Berlin >> Brüssel). Für Europa allerdings völlig untauglich, die gute Mrs. Craft.
gt1961 01.08.2019
2. unglaublich
es ist unglaublich, die Welt könnte einer Klimakatastrophe entgegen gehen, aber vorrangig müssen die Interessen der Wirtschaft gesichert werden. Leider denken nicht nur die Eliten in den USA so, die Gier nach Profiten scheint die Logik und Moral völlig zu verdrängen.
p-touch 01.08.2019
3. Ok, die Uno war denn USA
schon immer ehr lässtig aber eine Teilzeit-Botschafterinn ist doch ein bisschen arg frech.
raton_laveur 01.08.2019
4. Im Grunde ist es egal,
welches willfährige Sprachrohr Trump'scher Propaganda die Welt ertragen muß. Schlimmer als Nikki Haley geht es ohnehin nicht. Sie hat selbst auf die Kritik an den haltlosesten Positionen ihres Chefs mit schamlosen Einschüchterungsversuchen und Drohungen reagiert. Damit hat sie den Maßstab dessen gesetzt, was Trump von ihrem Nachfolger erwartet, der sich kaum anders verhalten wird.
Atheist_Crusader 01.08.2019
5.
Mangelnde Erfahrung ist doch kein Problem in dem Job, für viele (vor allem konservative) Amerikaner ist die UNO sowieso so eine Art Weltverschwörung mit dem Ziel die USA in Ketten zu legen. Nachdem die Vereinigten Staaten von Trumpistan sich schon aus mehreren Sub-Organisationen der UN zurückgezogen haben, würde es mich nicht wundern wenn sie im Falle einer zweiten Amtszeit irgendwann ganz aussteigen würden. Bestrebungen und Pläne dazu gibt es schon seit Jahrzehnten, aber unter diesem Präsidenten scheint es möglicher denn je. Und generell sind die Personalstraegien ja bekannt die da gerade herrschen: Kompetenz ist nicht wichtig, solange man blind loyal ist und regelmäßig erwähnt wie toll und brilliant und stark und wasnichtalles der Boss ist.
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