Schabab-Massaker an Studenten Der Terror kehrt nach Kenia zurück

Es ist der bislang verheerendste Anschlag der Schabab-Miliz in Kenia: Beim Überfall auf eine Universität töteten die Dschihadisten 147 Studenten. Die USA fürchten weitere Massaker der Islamisten in Afrika.
Schabab-Massaker an Studenten: Der Terror kehrt nach Kenia zurück

Schabab-Massaker an Studenten: Der Terror kehrt nach Kenia zurück

Foto: Daniel Irungu/ dpa

Den Sicherheitskräften bot sich ein Bild des Schreckens: Haus für Haus, Raum für Raum durchkämmten sie das Gelände der Universität von Garissa. Und je weiter sie sich vorarbeiteten, umso mehr Leichen zählten sie.

147 Tote zählte Kenias Armee am Ende des Donnerstags. Bis zuletzt versuchten die vier Terroristen, so viele Leute wie möglich umzubringen. Als sie von den Soldaten umkreist waren, zündeten sie ihre Sprengstoffwesten, mehrere Sicherheitskräfte wurden von herumfliegenden Splittern verletzt.

Die Angreifer waren am Donnerstagmorgen auf den Campus der Universität von Garissa vorgedrungen, einer Stadt knapp 200 Kilometer von der Grenze zu Somalia entfernt. Dort hat die Schabab-Miliz ihr Hauptquartier, eine islamistische Terrorgruppe, die sich zu dem Anschlag bekannt hat.

Die Attentäter von Garissa machten am Gründonnerstag gezielt Jagd auf christliche Studenten. Laut Augenzeugen zwangen sie ihre Opfer mit vorgehaltener Waffe, Koranverse zu rezitieren. Wer das nicht konnte, wurde erschossen.

Dieses Muster ähnelt dem Vorgehen der Schabab-Miliz bei ihrem letzten spektakulären Terroranschlag in Kenia. Im September 2013 überfiel ein Kommando das Westgate-Einkaufszentrum in Nairobi. Auch damals wählten sie gezielt Christen als Opfer aus. Bei dem viertägigen Geiseldrama wurden 71 Menschen getötet, darunter vier Milizionäre.

Mit dem Überfall auf die Universität meldet sich al-Schabab im zynischen Wettstreit der islamistischen Terrororganisationen zurück. Während der "Islamische Staat" (IS), al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel, Boko Haram und die pakistanischen Taliban mit Enthauptungen, den Anschlägen von Paris, Entführungen und dem Massaker an einer in Peschawar für Aufsehen sorgten, trat al-Schabab zuletzt kaum international in Erscheinung. Doch die permanente Erzeugung von Aufmerksamkeit und Schrecken ist für die Terrorgruppen wichtig beim Werben um Spenden und Kämpfer.

Nach Angaben der Regierung in Nairobi ist das Massaker von Garissa der 17. Anschlag von al-Schabab in Kenia seit 2012. Dabei sind insgesamt knapp 500 Menschen getötet worden. Die Dschihadisten rechtfertigen ihre Terrorkampagne mit der Präsenz kenianischer Truppen in Somalia. Die Friedensmission der Afrikanischen Union (AU) stützt die Übergangsregierung in Mogadischu.

Kenia und seine Verbündeten können bei ihrem Einsatz durchaus Erfolge verbuchen. Zwar ist Somalia weit davon entfernt, eine stabile Regierung zu haben, die Autorität über das ganze Land ausübt. Es ist den Truppen aber gelungen, al-Schabab aus Mogadischu und anderen Landesteilen zurückzudrängen.

Kenias Regierung brandmarkt Somalis

In Kenia selbst leben Hunderttausende somalische Flüchtlinge unter schwierigsten Bedingungen. In der Umgebung von Dadaab, einem Wüstenort auf halbem Wege zwischen Garissa und der Grenze, leben mehr als eine halbe Million Somalier in Flüchtlingscamps.

Nicht nur sie, auch einheimische Kenianer aus dem Grenzgebiet fühlen sich von der Zentralregierung in Nairobi vernachlässigt. Auch in Garissa leben viele ethnische Somalis, sie werden wegen der Anschläge der Schabab-Miliz pauschal als potentielle Terroristen gebrandmarkt. Das treibe den Dschihadisten erst recht Nachwuchskämpfer in die Arme, sagt Peter Alingo vom Kenianischen Institut für Sicherheitsstudien. "Wir brauchen einen nationalen Dialog um der kenianischen Jugend ein Selbstwert- und Zugehörigkeitsgefühl zu geben."

Die USA rechnen mit weiteren Anschlägen von al-Schabab in Afrika. Bereits Ende März warnte Washingtons Botschaft in Uganda westliche Ausländer vor Attentaten. Es gebe Hinweise, dass Selbstmordattentäter versuchten, in das Land zu gelangen. 2010 hatte waren bei einem Selbstmordanschlag in der Hauptstadt Kampala 76 Menschen getötet worden, die auf einer Videoleinwand das WM-Finale anschauten.

Uganda gehört neben Kenia zu den größten Truppenstellern für die Friedensmission in Somalia. Die Regierung in Kampala hat die meisten öffentlichen Veranstaltungen aus Sicherheitsgründen bis auf Weiteres untersagt.


Zusammengefasst: Mit dem Massaker an einer Universität in Kenia meldet sich die somalische Miliz al-Schabab zurück im zynischen Wettstreit der islamistischen Terrororganisationen. Mit weiteren Anschlägen in Afrika ist zu rechnen.

Mit Material von AP
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