Kenia vor der Wahl Hochrangiges Mitglied der kenianischen Wahlkommission tot aufgefunden

Wenige Tage vor der Präsidentschaftswahl in Kenia ist ein hochrangiger Beamter der Wahlkommission erschlagen aufgefunden worden. Großbritannien und die USA bieten nun Hilfe bei den Ermittlungen an.

Gewalttätiger Protest der Opposition in Kenia im Juni 2016
DPA

Gewalttätiger Protest der Opposition in Kenia im Juni 2016


Kenia muss fürchten, dass Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in der kommenden Woche von Gewalt überschattet werden.

Hintergrund ist die Nachricht, dass Chris Musando, als IT-Direktor der Wahlkommission IEBC unter anderem für die Server zur Stimmauszählung verantwortlich, offenbar erschlagen wurde.

Angehörige und sein Arbeitgeber hatten den Offiziellen am Wochenende als vermisst gemeldet. Bereits am Samstag war Musandos Leiche mit Verletzungen an Kopf und Oberkörper in einem Waldstück gefunden worden. Am Montag wurde er zweifelsfrei identifiziert.

Chris Musando, IT-Experte der Wahlkommission, hier Anfang Juli, wurde offenbar ermordet
REUTERS

Chris Musando, IT-Experte der Wahlkommission, hier Anfang Juli, wurde offenbar ermordet

Nun haben die USA und Großbritannien angeboten, der kenianischen Polizei bei der Aufklärung des Verbrechens zu helfen. Die Botschafter beider Länder verurteilten die Ermordung Musandos und boten den kenianischen Behörden die Unterstützung von FBI und britischen Ermittlern an.

Der Leiter der Wahlkommission, Wafula Chebukati, sagte der kenianischen Tageszeitung "Daily Nation", die Todesursache müsse die Rechtsmedizin noch feststellen. Wegen des Zustands von Musandos Leichnam gehe er aber davon aus, dass das Mitglied der Wahlkommission gefoltert wurde und dass es sich um Mord handle.

Am 8. August wählen die Kenianer einen neuen Präsidenten und ihr Parlament. Um das Amt des Staatschefs wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Amtsinhaber Uhururu Kenyatta (Jubilee) und Raila Odinga (Nasa) erwartet. Die politischen Rivalen waren schon 2012 gegeneinander angetreten, damals siegte Kenyatta, Sohn des Staatsgründers Jomo Kenyatta, klar. Umfragen sahen zuletzt auch für diesen Urnengang leichte Vorteile für den Amtsinhaber.

Kenia blickt auf eine leidvolle Geschichte von Wahlunruhen zurück. Zuletzt Anfang 2008 war der Streit zwischen Regierungs- und Oppositionslager in blutige Straßenschlachten ausgeartet. Amtsinhaber Mwai Kibaki hatte damals kurz nach Schließung der Wahllokale den Sieg für sich reklamiert und sich ungeachtet der Proteste der Opposition vorschnell für eine weitere Amtszeit vereidigen lassen. Bei den folgenden Unruhen starben im ganzen Land mehr als 1100 Menschen, 600.000 Kenianer wurden vertrieben.

cht

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