Anschlag auf Universität in Kenia Studentin überlebte Massaker in Schrank

Sie schossen um sich, töteten 148 Menschen. Cynthia C. entkam den Schabab-Terroristen in Kenia - weil sie sich zwei Tage in einem Schrank versteckte. Hungrig, durstig und starr vor Angst.


Die letzten Schüsse der Terroristen waren lange verhallt, doch Cynthia C. verließ ihr Versteck nicht. Erst zwei Tage nach dem blutigen Massaker an der Universität von Garissa wurde die Studentin in einem Schrank entdeckt. Die 19-Jährige habe sich seit dem Überfall der somalischen Schabab-Miliz am Donnerstagmorgen versteckt gehalten, sagte eine Sprecherin des kenianischen Roten Kreuzes. Sie sei dehydriert und werde im Krankenhaus untersucht.

Die Studentin sei völlig verängstigt gewesen, berichtete ein Polizeisprecher. Erst als ein ihr bekannter Dozent ihr versichert habe, dass es sich bei den Polizisten in dem Universitätsgebäude nicht um Angreifer handele, sei sie hervorgetreten.

In dem Schrank habe sie sich mit Kleidungsstücken bedeckt, sagte C. der Nachrichtenagentur AP. Ihr Durst und ihr Hunger seien so groß gewesen, dass sie Lotion getrunken habe, berichtet der Sender NBC News. "Ich habe zu Gott gebetet."

C. ist nicht die Einzige, die sich verzweifelt vor den um sich schießenden Terroristen zu retten versuchte - und ihnen so entkam. Hellen T., 21, rieb ihren Körper mit dem Blut der um sie herum Erschossenen ein und blieb still liegen, um sich tot zu stellen. Dadurch "ließen sie mich einfach aus", sagte die Studentin dem Sender CNN.

Kämpfer der islamistischen Terrormiliz hatten am Donnerstag vor Morgengrauen das Universitätsgelände in Garissa gestürmt und mit Handgranaten und Maschinenpistolen Dutzende christliche Studenten getötet, bevor sie weitere als Geiseln nahmen. Nach Stunden stürmten kenianische Soldaten schließlich das Wohnheim, in dem die Angreifer verschanzt waren, und beendeten das Blutbad. Insgesamt wurden bei dem Angriff 148 Menschen getötet. Die Angreifer sprengten sich selbst in die Luft.

Al-Schabab droht mit weiteren Anschlägen

Inzwischen sind fünf Verdächtige festgenommen worden, von denen drei den Angriff koordiniert haben sollen. Sie wurden Berichten des kenianischen Innenministeriums zufolge auf der Flucht nach Somalia gefasst.

Al-Schabab droht indessen mit weiteren Anschlägen. Kenias Städte würden "rot vor Blut" sein, hieß es in einer an die Bevölkerung Kenias gerichteten Erklärung der somalischen Miliz. Daran könnten keine Sicherheitsmaßnahmen etwas ändern. Die Schabab-Milizen führen immer wieder Attentate in Kenia aus und begründen dies damit, dass Kenias Militär im Bürgerkriegsland Somalia aktiv ist.

US-Präsident Barack Obama verurteilte den Angriff scharf. Die "terroristische Gewalttat" an der Universität von Garissa, "wo unschuldige Männer und Frauen schamlos und brutal niedergemetzelt wurden", könne mit Worten nicht angemessen verurteilt werden, sagte Obama am Freitag in einem Telefonat mit dem kenianischen Präsidenten Uhuru Kenyatta.

jus/AFP/Reuters



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