Kenia Anschlag auf Luxushotel in Nairobi

Bewaffnete haben ein Hotel in Kenias Hauptstadt Nairobi angegriffen. Die somalische Terrorgruppe al-Schabab reklamierte den Anschlag für sich. Mindestens sechs Menschen kamen offenbar ums Leben.


Live-Bilder im Fernsehen zeigten brennende Autos, Schüsse waren zu hören, Verletzte wurden vom Tatort weggetragen: In der kenianischen Hauptstadt Nairobi wurde am Dienstagnachmittag ein Anschlag auf das Luxushotel DusitD2 verübt. Danach hatten sich der Polizei zufolge einige Angreifer in dem Gebäude verschanzt. Die Lage war erst am späten Abend unter Kontrolle, teilte Innenminister Fred Matiang'i mit.

Medien berichteten von bewaffneten Unbekannten, die sich in dem Komplex befanden. Spezialeinheiten der Polizei seien vor Ort und würden gegen die Angreifer vorgehen, twitterte die Polizei. Mindestens sechs Menschen kamen bei dem Anschlag offenbar ums Leben. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP sah auf der Terrasse eines Restaurants in dem Hotel- und Bürokomplex fünf Leichen. In der Nähe habe eine weitere Leiche gelegen, vermutlich die eines Selbstmordattentäters. Ein hochrangiger Polizeivertreter, der als einer der ersten vor Ort war, sprach von 14 Toten.

Somalische Terrororganisation reklamiert Anschlag für sich

Die somalische Terrororganisation al-Schabab habe sich zu dem Anschlag bekannt, berichtete die auf dschihadistische Propaganda spezialisierte Site Intelligence Group. An dem Angriff ist der Polizei zufolge ein Selbstmordattentäter beteiligt gewesen. Zunächst habe es eine Explosion gegeben, drei Autos vor dem Hotel seien beschädigt worden, sagte Polizeichef Joseph Boinnet am Dienstagabend. Daraufhin habe sich ein Angreifer im Foyer des Hotels in die Luft gesprengt.

Außenminister Maas verurteilt Anschlag

Das Hotel liegt in einem relativ zentralen und wohlhabenden Stadtteil von Nairobi. Auf dem Gelände sind auch Geschäfte, Büros und Arztpraxen. Auch der deutsche Softwarehersteller SAP hat dort ein Büro. Alle SAP-Mitarbeiter hätten das Gebäude verlassen können und seien in Sicherheit, teilte eine Sprecherin mit.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) sagte, er sei "bestürzt über den menschenverachtenden Terroranschlag in Nairobi". Man verurteile diesen "aufs Schärfste". Deutschland stehe Kenia als Partner in dieser schweren Stunde zur Seite. "Wir werden unsere Bemühungen um Stabilität und Sicherheit in der Region unerlässlich fortführen."

Nicht das erste Terrorattentat in dieser Gegend

Das Hotel befindet sich unweit des Westgate-Einkaufszentrums, wo 2013 bei einem Anschlag mindestens 67 Menschen starben. Boinnet sagte zwischenzeitlich, die Sicherheitskräfte hätten Kenntnis von "bewaffneten Kriminellen", die sich verschanzt hätten. "Unsere Beamten versuchen sie herauszuspülen." Ein Hubschrauber war im Einsatz.

Erst am Abend gab Innenminister Matiang'i Entwarnung: "Wir haben alle Gebäude gesichert, die von diesen Ereignissen betroffen waren", sagte er. Matiang'i machte keine Angaben zur Zahl der Verletzten und möglichen Todesopfern. Sicherheitskräfte sicherten nun Beweise.

Militäreinsatz in Somalia als mögliche Ursache

In Kenia kommt es immer wieder zu Terrorakten, vor allem seitdem die kenianischen Streitkräfte im Nachbarland Somalia die Regierung im Kampf gegen al-Schabab unterstützen.

Die sunnitischen Fundamentalisten haben Verbindungen mit dem Terrornetzwerk al-Qaida und kämpfen in Somalia am Horn von Afrika um die Vorherrschaft. Sie kontrollieren weite Teile von Süd- und Zentral-Somalia.

als/kmy/dpa



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