Korea-Krise USA und China fordern nukleare Abrüstung

Eine koreanische Halbinsel ohne Atomwaffen - auf dieses Ziel will sich US-Außenminister Kerry mit China geeinigt haben. Sein chinesischer Amtskollege fordert auch Abrüstung, bleibt aber zurückhaltender. Ob Peking nun auf die Führung in Nordkorea einwirkt, ist noch offen.
Korea-Krise: USA und China fordern nukleare Abrüstung

Korea-Krise: USA und China fordern nukleare Abrüstung

Foto: YOHSUKE MIZUNO/ AFP

Peking - Der Antrittsbesuch von US-Außenminister John Kerry in China war mit Spannung erwartet worden. Die wichtigste Frage: Kann sich der US-Gesandte mit der Führung in Peking auf einen Kurs in der Nordkorea-Krise einigen? Nach ersten Gesprächen gibt es nun offenbar einen vorsichtigen Konsens.

"China und die USA müssen gemeinsame Schritte unternehmen, um das Ziel einer denuklearisierten koreanischen Halbinsel zu erreichen", sagte Kerry in Peking. "Von diesem Moment an sind wir zum Handeln entschlossen, um dieses Ziel umzusetzen." Kerrys Amtskollege Wang Yi äußerte sich zurückhaltender. Laut der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua erklärte er: "China bleibt bei seiner Forderung nach Denuklearisierung, Frieden auf der Halbinsel und Lösung der Themen durch Dialog."

Ob es sich bei solchen Aussagen um warme Worte oder eine tatsächliche Absichtserklärung handelt, ist noch offen. Im Gegensatz zum von China angekündigten Dialog fordern die USA von China - dem einzigen echten Verbündeten der Führung in Nordkorea - endlich ein deutliches Signal in Richtung des nordkoreanischen Diktators Kim Jong Un.

Vor seinem Besuch hatte Kerry darauf gedrungen, China möge stärker auf sein aggressives Nachbarland Nordkorea einwirken - die Mahnungen Richtung Pjöngjang bräuchten "mehr Biss", so Kerry wörtlich. "Kein Land der Welt hat eine so enge Beziehung oder einen so großen Einfluss auf Nordkorea wie China."

Kerrys Visite in Peking ist zugleich sein Antrittsbesuch nach seiner Ernennung zum US-Außenminister. Auch Außenminister Wang Yi hatte erst im März sein Amt angetreten, er gilt als ausgewiesener Nordkorea-Experte.

Chinesische Staatsmedien kritisierten die USA scharf für ihre Rolle im Konflikt auf der koreanischen Halbinsel. "Während die USA Nordkorea eine rücksichtslose Provokation und das Ignorieren internationaler Wünsche vorwerfen, facht Washington selbst die Flammen an", schrieb Xinhua in einem Kommentar.

Die US-Führung sende mehr Flugzeuge, Bomber und Raketenabwehrschiffe nach Ostasien. Außerdem unternehme Washington gemeinsame Militärmanöver mit seinen Verbündeten in der Region "in einer dramatischen Darstellung seiner präventiven Macht".

"Die rote Linie ist überschritten"

Die Lage in der Region gilt nach dem dritten Atomtest durch Nordkorea im Februar als extrem angespannt. Angesichts der Ausweitung von Uno-Sanktionen und südkoreanisch-amerikanischer Militärübungen hatte Pjöngjang den Waffenstillstandsvertrag von 1953 gekündigt, den USA mit einem präventiven Atomschlag gedroht und im Verhältnis zu Südkorea den "Kriegszustand" ausgerufen.

China ist frustriert über den traditionellen Verbündeten. Besonders die drei Atomwaffentests 2006, 2009 und im Februar dieses Jahres haben die Beziehungen belastet. Auch deswegen stimmte Peking den jüngsten Sanktionen des Uno-Sicherheitsrats gegen Pjöngjang zu.

Genau das könnte China und die USA nach Einschätzung von Experten aber näher zusammenbringen. "Ich denke, dass Nordkorea mit seinen Provokationen die rote Linie überschritten hat. Das wird China und die USA zu einer stärkeren Kooperation bringen", sagte der Professor für Internationale Beziehungen an der Renmin Universität in Peking, Cheng Xiaohe, der Nachrichtenagentur dpa. "Es kann nicht mehr schlimmer werden als jetzt, also muss China handeln."

Weder Kerry noch seine chinesischen Gesprächspartner äußerten sich explizit zu den aktuellen Befürchtungen, wonach Nordkorea in Kürze einen neue Raketentest durchführen könnte. Das nordkoreanische Fernsehen wiederum berichtete nicht über Kerrys Besuch in Peking, sondern konzentrierte sich ganz auf den am Montag bevorstehenden Geburtstag von Staatsgründer Kim Il Sung.

Die nordkoreanische Staatszeitung "Rodong Sinmun" schrieb jedoch mit Blick auf die Militärmanöver von Amerikanern und Südkoreanern: "Der Ausbruch eines Atomkriegs ist mittlerweile eine vollendete Tatsache, dank der amerikanischen und südkoreanischen Marionettenkräfte."

jok/cib/dab/dpa7Reuters/AP
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