Kerry zum Irak-Krieg "Ich hätte alles anders gemacht"

Bei einem Wahlkampfauftritt in Iowa gab sich US-Vizepräsident Cheney rüde und mahnte: Sollte Kerry gewählt werden, drohe ein neuer Terroranschlag. Kerry revanchierte sich umgehend und schlug der Bush-Regierung den verlustreichen Irak-Krieg um die Ohren.

Washington - Das waren derbe Worte des demokratischen Präsidentschaftskandidaten: "200 Milliarden Dollar für einen Alleingang im Irak - das ist die falsche Wahl, die falsche Richtung, die falsche Führung für Amerika", sagte John Kerry bei einem Wahlkampfaufritt in Cincinnati.

"Ich hätte im Irak fast alles anders gemacht als George W. Bush", sagte Kerry. "Ich wäre nie in den Krieg gezogen, ohne einen Plan zu haben, wie der Frieden zu gewinnen ist." Bush habe sein Versprechen gebrochen, eine starke Allianz gegen den Irak zu bilden. Als Ergebnis müsse Amerika fast 90 Prozent der Kriegskosten tragen.

Gleichzeitig warf Kerry Bush vor, keine Alternative zum Öl zu suchen. Indirekt beschuldigte er den Präsidenten, den Irak-Krieg auch wegen des Öls geführt zu haben. "Wir werden in Zukunftstechnologien investieren, damit künftig kein junger Amerikaner mehr eine Geisel unserer Abhängigkeit vom Öl aus dem Nahen Osten wird."

Offenbar nimmt der Wahlkampf zwei Monaten vor der Abstimmung an Schärfe zu. Denn auch von republikanischer Seite wurde der Ton aufgedreht.

In den amerikanischen Zeitungen machte Dick Cheney heute mit seiner umstrittenen Bemerkung Schlagzeilen - aber keine, die ihm lieb gewesen wären.

Bei einem Wahlkampfauftritt in Des Moines (Iowa) hatte Cheney gesagt: "Es ist überlebenswichtig, dass wir in acht Wochen, am 2. November, die richtige Wahl treffen. Wenn wir es nicht tun, besteht die Gefahr, dass wir erneut angegriffen werden." Vor 350 Zuhörern führte er im Rathaus von Des Moines aus, dass bei der Wahl John Kerrys ein Rückfall in die Anti-Terror-Politik aus der Zeit vor dem 11. September 2001 drohe. Damals sei auf Anschläge immer erst nachträglich reagiert worden, während Präsident Bush die Terroristen dort angreife, wo sie ihre Taten vorbereiten.

Die amerikanischen Demokraten zeigten sich empört über die Attacke. John Edwards, der Cheney im Amt beerben will, sprach von einer Verängstigungstaktik. "Das war völlig übertrieben und unamerikanisch", sagte Edwards.

Cheneys Sprecherin Anne Womack bemühte sich um Schadensbegrenzung: Der Vizepräsident sei falsch verstanden worden. Sie sprach von einer Überreaktion. Der Vizepräsident habe keinen Zusammenhang zwischen einer Wahl Kerrys und einem Anschlag herstellen wollen. "Wer auch immer im November gewählt wird, muss sich mit der Aussicht auf einen neuen Anschlag auseinander setzen", sagte Womack. Die Frage sei aber, ob die Politiker zu dem Zeitpunkt alles getan hätten, um das Land so gut wie nur irgendmöglich zu schützen.

BND befürchtet Anschläge vor der Wahl

Der Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), August Hanning, befürchtet, dass es noch vor der US-Wahl im November Anschläge geben könnte. Es habe zwar keine konkreten Hinweise gegeben, "aber wir wissen ja nach den Festnahmen von al-Qaida-Mitgliedern in Pakistan und London in diesem Jahr, dass al-Qaida bis in die jüngste Zeit hinein Ziele in den USA ausgespäht hat."

Der BND befürchte den Versuch der Beeinflussung der Wahlen durch einen Anschlag. Das Terror-Netzwerk arbeite in völlig neuen, aber intakten Strukturen. "Diese Organisation ist besonders anpassungs- und regenerationsfähig."

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