Nahostkonflikt Ex-Hamas-Chef deutet Zugeständnisse an

"Wir sind zu Konzessionen bereit", sagt der ehemalige Anführer der radikalen Palästinenserorganisation Hamas dem SPIEGEL. Von US-Präsident Trump zeigt er sich enttäuscht.
Ex-Hamas-Chef Khaled Meshal (Archivbild von August 2014)

Ex-Hamas-Chef Khaled Meshal (Archivbild von August 2014)

Foto: Osama Faisal/ AP

Khaled Meshal, der kürzlich abgetretene Chef der radikalen Palästinenserorganisation Hamas, bekräftigt den Willen zu einer neuen, pragmatischen Politik. Die Hamas sei bereit, einen palästinensischen Staat innerhalb der Grenzen vor 1967 zu akzeptieren, sagt Meshal dem SPIEGEL. (Lesen Sie hier das vollständige Interview im neuen SPIEGEL.)

"Wenn wir auf der israelischen Seite ernsthaften Willen zum Frieden spüren, dann sind wir zu Konzessionen bereit", so Meshal. Er verteidigt jedoch den gewaltsamen Widerstand. "Das ist für uns keine Gewalt", betont Meshal, "wir verteidigen uns mit den bescheidenen militärischen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen. Wir hätten auch lieber hoch entwickelte Präzisionswaffen, um israelische Militäranlagen genau zu treffen."

Enttäuscht zeigt sich Meshal über US-Präsident Donald Trump und dessen Rede am vergangenen Sonntag in Riad. Trump hatte die Hamas in eine Reihe gestellt mit al-Qaida und dem "Islamischen Staat". Meshal weist das zurück: "Wir lehnen diesen Standpunkt von Präsident Trump ab. Das zu sagen war ein Fehler, mehr noch: ein großes Vergehen." Der Widerstand der Hamas sei auf das Gebiet von Palästina beschränkt, er richte sich nur gegen die israelischen Besatzer. "Wir sind keine blutrünstigen Mörder, die überall auf der Welt unschuldige Menschen töten."

Meshal sagt, er wolle nicht eines Tages die Nachfolge von Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas antreten. "Die Präsidentschaft in der palästinensischen Autonomiebehörde ist keine freie, souveräne Position", so Meshal. Es sei ein Amt, das von den Bedingungen der Besatzung bestimmt werde. "Deshalb ist diese Position für die Hamas und mich uninteressant."