Nahostkonflikt Ex-Hamas-Chef deutet Zugeständnisse an

"Wir sind zu Konzessionen bereit", sagt der ehemalige Anführer der radikalen Palästinenserorganisation Hamas dem SPIEGEL. Von US-Präsident Trump zeigt er sich enttäuscht.

Ex-Hamas-Chef Khaled Meshal (Archivbild von August 2014)
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Ex-Hamas-Chef Khaled Meshal (Archivbild von August 2014)


Khaled Meshal, der kürzlich abgetretene Chef der radikalen Palästinenserorganisation Hamas, bekräftigt den Willen zu einer neuen, pragmatischen Politik. Die Hamas sei bereit, einen palästinensischen Staat innerhalb der Grenzen vor 1967 zu akzeptieren, sagt Meshal dem SPIEGEL. (Lesen Sie hier das vollständige Interview im neuen SPIEGEL.)

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Heft 22/2017
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"Wenn wir auf der israelischen Seite ernsthaften Willen zum Frieden spüren, dann sind wir zu Konzessionen bereit", so Meshal. Er verteidigt jedoch den gewaltsamen Widerstand. "Das ist für uns keine Gewalt", betont Meshal, "wir verteidigen uns mit den bescheidenen militärischen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen. Wir hätten auch lieber hoch entwickelte Präzisionswaffen, um israelische Militäranlagen genau zu treffen."

Enttäuscht zeigt sich Meshal über US-Präsident Donald Trump und dessen Rede am vergangenen Sonntag in Riad. Trump hatte die Hamas in eine Reihe gestellt mit al-Qaida und dem "Islamischen Staat". Meshal weist das zurück: "Wir lehnen diesen Standpunkt von Präsident Trump ab. Das zu sagen war ein Fehler, mehr noch: ein großes Vergehen." Der Widerstand der Hamas sei auf das Gebiet von Palästina beschränkt, er richte sich nur gegen die israelischen Besatzer. "Wir sind keine blutrünstigen Mörder, die überall auf der Welt unschuldige Menschen töten."

Meshal sagt, er wolle nicht eines Tages die Nachfolge von Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas antreten. "Die Präsidentschaft in der palästinensischen Autonomiebehörde ist keine freie, souveräne Position", so Meshal. Es sei ein Amt, das von den Bedingungen der Besatzung bestimmt werde. "Deshalb ist diese Position für die Hamas und mich uninteressant."

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insgesamt 4 Beiträge
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hugahuga 26.05.2017
1.
Da braucht Khaled Meshal sich sicher keine Gedanken zu machen. Jeder weiß, dass der palästinensische Widerstand ausschließlich den israelischen Repressionen gilt. Während der IS in Syrien, Libyen , auch in Indonesien und sonstwo Unschuldige schlachtet, geht es den palästinensern um ein Lebeen in einem eigenen Staat - frei und ohne Repression. Dass Trump das nicht versteht - was soll's. Er lobte gar vor versammelter Nato Mannschaft den saudischen Potentaten - von daher sollte Herr Meshal sich keine Gedanken machen. Trump fehlt der Durchblick.
Affenjones 26.05.2017
2. Bemerkenswert
Sollte das tatsächlich die offizielle Meinung der Terrororganisation Hamas sein finde ich das durchaus bemerkenswert. Bisher war das Ziel die Israelis ins Meer zu treiben. Und das wird versteckt in einem mini Artikel mal so nebenbei erwähnt?
korrekturen 27.05.2017
3.
Zitat von AffenjonesSollte das tatsächlich die offizielle Meinung der Terrororganisation Hamas sein finde ich das durchaus bemerkenswert. Bisher war das Ziel die Israelis ins Meer zu treiben. Und das wird versteckt in einem mini Artikel mal so nebenbei erwähnt?
Seit Jahren haben sie Kompromissbereitschaft gezeigt, anders als Israel. Israel hat nie Interesse an Frieden gehabt, sie haben niemals einen Friedensplan vorgelegt und nicht einmal gesagt, was sie überhaupt wollen. Die Forderungen der Palästinenser gehen nicht über das, was international anerkannt ist und sie sind bereit zu Zugeständnissen. Die Israelis wollen dagegen Land, das den Palästinenser gehört und sind nicht bereit zu Zugeständnissen. Sie setzen auf ihre militärische Überlegenheit.
Affenjones 21.06.2017
4.
Zitat von korrekturenSeit Jahren haben sie Kompromissbereitschaft gezeigt, anders als Israel. Israel hat nie Interesse an Frieden gehabt, sie haben niemals einen Friedensplan vorgelegt und nicht einmal gesagt, was sie überhaupt wollen. Die Forderungen der Palästinenser gehen nicht über das, was international anerkannt ist und sie sind bereit zu Zugeständnissen. Die Israelis wollen dagegen Land, das den Palästinenser gehört und sind nicht bereit zu Zugeständnissen. Sie setzen auf ihre militärische Überlegenheit.
Das ist aber allein Ihre exklusive Sicht der Dinge. Erstens gibt es nicht "die Palästinenser". Man sollte zumindest mal zwischen Hamas und Fatah unterscheiden. Im Gegensatz zur Fatah war die Hamas noch nie in irgendeiner Weise zu Zugeständnissen bereit. Sie mögen die Hamas als Befreiungsorganisation sehen, das sind sie aber nicht. Die Hamas ist eine Terrororganisation. Zweitens ist und war Israel zu Kompromissen bereit. Israel hat einseitig den Gaza-Streifen geräumt und den Palästinensern überlassen. Zum Dank hat die Hamas angefangen Israel mit Raketen von dort zu beschießen. Es stimmt, die aktuelle Regierung ist wenig Kompromissbereit. Diese wurde aber nur gewählt weil die Israelis aufgrund von anhaltendem Terror nicht mehr an einen Frieden mit der gespaltenen palästinensischen Führung glauben. Sie kennen sicher den Spruch: Nimm den Palästinensern die Waffen und es wird Frieden geben. Nimm den Israelis die Waffen und es wird kein Israel mehr geben.
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