Khashoggi-Mord Erdogan wirft Saudi-Arabien lückenhafte Aufklärung vor

Der türkische Präsident mahnt bei der Aufklärung des Mordes an dem Journalisten Jamal Khashoggi zur Eile. Einige Aspekte würden noch immer vor der Öffentlichkeit versteckt.

Recep Tayyip Erdogan
Charly TRIBALLEAU/AFP

Recep Tayyip Erdogan


Recep Tayyip Erdogan hält die Ermittlungen zum Mord am saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi für unzureichend. Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman müsse die Hintergründe endlich lückenlos aufklären, forderte er auf dem G20-Gipfel von Osaka. Einige Aspekte würden noch immer vor der Öffentlichkeit versteckt. Er wiederholte zudem seine Forderung, den Mördern in der Türkei den Prozess zu machen.

US-Präsident Donald Trump bezeichnete den Khashoggi-Mord ebenfalls als "furchtbar", verteidigte die saudi-arabische Regierung aber prinzipiell. Es laufe eine Strafverfolgung gegen 13 Verdächtige in Saudi-Arabien, sagte er. "Eine Menge Dinge passieren in Saudi-Arabien."

Kazuhiro Nogi/Pool via REUTERS

Trump war zuvor dafür kritisiert worden, dass er das Thema Khashoggi bei einer öffentlichen Begegnung mit dem Kronprinzen am Rande des G20-Gipfels im japanischen Osaka nicht aufgebracht hatte.

Es sei nicht so, dass er sich das nicht getraut habe, rechtfertigte sich Trump. "Es macht mir nichts aus, Menschen anzugehen." Er komme aber eben auch mit vielen Menschen sehr gut aus, auch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und Erdogan. "Das sind alles feine Leute."

Bandar Algaloud/REUTERS

Der Mord an dem saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi im saudi-arabischen Generalkonsulat in der türkischen Metropole Istanbul hatte weltweit für Aufsehen gesorgt. Ein Uno-Sonderbericht hatte kürzlich eine mögliche direkte Verbindung zu Kronprinz Salman hergestellt.

Khashoggi war im Oktober 2018 im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul von einem aus Riad eigens angereisten Spezialkommando ermordet worden, als er Papiere für seine Hochzeit abholen wollte. Das hat die saudi-arabische Führung nach internationalem Druck eingeräumt und elf Männer vor Gericht gestellt.

Die Uno-Menschenrechtsspezialistin Agnès Callamard mutmaßt, dass die Entsendung des saudi-arabischen Mordkommandos nicht ohne das Wissen des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman erfolgt sein könnte. Dieser habe allgemein die Verfolgung von Dissidenten zugelassen, sagte sie. Außerdem hätte die Zerstörung der Beweismittel nach dem Mord im Konsulat in Istanbul nicht stattfinden können, ohne dass der Kronprinz Bescheid gewusst habe.

Saudi-Arabien wies den Uno-Bericht als unglaubwürdig zurück. Allein die saudi-arbische Justiz sei für den Fall zuständig, teilte der Staatsminister für Auswärtiges Mitte Juni mit. Diese arbeite völlig unabhängig.

ssu/AP/Reuters



insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
kraftmeier2000 29.06.2019
1. Wenn MbS
die Lückenlose Aufklärung durchführen würde, währe Er so wie es bisher aussieht Drahtzieher dieses Mordes, also wird es wohl nichts mit Aufklärung. Weder jetzt oder auch in nächster Zeit.
lockederboss31 29.06.2019
2. einer dieser fälle...
der beweist, das mit zweierlei maß gemessen wird. niemand will einen dauerhaften streit mit mbs. die kashoggi-angelegenheit wird hin und wieder thema sein. aber am ende im sand verlaufen wie die geschichte mit snowden und der nsa
spon_2294391 29.06.2019
3. Wenn einer für
Offenheit und Aufklärung steht, dann Erdogan.
sekundo 29.06.2019
4. Der bedeutende
Menschenrechts-Pionier und Demokrat Erdogan wirft Saudi-Arabien mangelhafte Aufklärung vor. Ne schrille Art von Humor!!!
bigroyaleddi 29.06.2019
5. Wer glaubt einem Mörder schon?
Denn auch der Auftraggeber oder Mitwisser eines Mordes kann ruhig als Mörder bezieichnet werden. PT sollte sich schämen, so freundlich grinsend mit diesem Verbrecher in die Kamera zu linsen. Das zeigt doch wier einmal nur, wes Geistes Kind er ist. Hätte nie gedacht, dass ich auch mal dem Sultan recht geben müsste.
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