Kidnapping im Irak Bosbach will Firma an Kosten für Rettung beteiligen

Unions-Fraktionsvize Bosbach will die sächsische Firma Cryotec an den Rettungskosten für die im Irak verschleppten Mitarbeiter beteiligen. Der Berliner "Tagesspiegel" will erfahren haben, dass ehemalige Saddam-Anhänger hinter der Entführung stecken.


Berlin/Köln - Von den im Irak verschleppten deutschen Ingenieuren René B. und Thomas N. fehlt auch am dritten Tag ihres Verschwindens bislang jedes Lebenszeichen. Nach wie vor gibt es keinen Kontakt zu den Entführern.

Doch laut Angaben eines Mitarbeiters des US-Geheimdienstes CIA im Irak sei davon auszugehen, dass die zwei Ingenieure vom harten Kern des irakischen Widerstands gekidnappt wurden, berichtet heute der "Tagesspiegel". Lösegeld spiele für solche Geiselnehmer keine große Rolle, habe der CIA-Mitarbeiter erklärt. Er vermutet Anhänger des ehemaligen Präsidenten Saddam Hussein hinter der Entführung. In den Augen der Terroristen seien Techniker wie die Deutschen Kollaborateure der irakischen Regierung und der US-Besatzer. Der US-Geheimdienstmann, der ungenannt habe bleiben wollen, habe erklärt, die Geiselnehmer wollten vermutlich demonstrieren, wie unsicher der Irak für westliche Ausländer sei. Das US-Militär in der Region beteilige sich intensiv an der Suche nach den Entführten. Schon kurz nach Bekanntwerden der Entführung seien Drohnen eingesetzt worden, die mit Wärmebildkameras verdächtige Bewegungen auf dem Boden registrieren sollten.

Der "Tagesspiegel" berichtete weiter, der CIA-Mann habe kritisiert, elementare Sicherheitsregeln seien verletzt worden. "Niemals dürfen sich Ausländer, die im Irak arbeiten, ohne Bodyguards bewegen", zitierte die Zeitung den Mann. Die beiden Deutschen seien aber nur mit einem Deutschiraker und ihrem irakischen Fahrer in Baidschi unterwegs gewesen, als sie entführt worden seien. Außerdem sei die Unterbringung in einer Kaserne der irakischen Sicherheitskräfte aus Sicht des CIA-Mitarbeiters ein schwerer Fehler gewesen. Bekanntlich habe der irakische Widerstand Teile von Polizei und Militär unterwandert, habe der Mann erklärt.

Der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach sprach sich im "Kölner Stadt-Anzeiger" dafür aus, die sächsische Firma Cryotec zur Kostentilgung heran zu ziehen, falls es zu einer Freilassung ihrer beiden Mitarbeiter kommt. "Es geht um einen symbolischen Beitrag, nicht um Schadenersatz", erklärte Bosbach. "Es ist nur recht und billig, dass die Kosten nicht zu 100 Prozent vom Steuerzahler getragen werden." Die Arbeitnehmer seien ja auf Veranlassung des Arbeitgebers in den Irak gereist. Unions-Geheimdienst-Experte Bernd Schmidbauer (CDU) hatte sich zuvor ähnlich geäußert.

Zudem sagte Bosbach in Bezug auf eine zuvor von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) geäußerte Kritik: "Die Berichterstattung war zurückhaltend und verantwortungsbewusst." Weiter: "Dass in Medien über Gegenleistungen spekuliert wird, das hat es immer gegeben und das wird es immer geben. Spekulationen gäbe es auch, wenn sich die Presse daran nicht beteiligen würde", betonte Bosbach.

Zweifel an der Irak-Mission der beiden deutschen Ingenieure äußerte der Präsident der deutsch-irakischen Mittelstandsvereinigung. "Es drängt sich der Verdacht auf, dass die beiden Ingenieure nicht ausreichend geschützt wurden", sagte Gelan Khulusi SPIEGEL ONLINE. Die Gefahr im Irak sei aber viel zu hoch. Aus diesem Grund meidet Khulusi, selbst in Bagdad geboren, seit eineinhalb Jahren die irakische Hauptstadt, aber auch Mossul und Tikrit.

Die FDP forderte im Irak engagierte deutsche Firmen auf, mehr für den Schutz ihrer Mitarbeiter zu tun. Es sei zwar wichtig, dass in dem Land Aufbauarbeit von deutscher Seite geleistet werde, sagte der FDP-Außenpolitiker Rainer Stinner dem Blatt. "Doch die Firmen müssen schon Schutzkonzepte für ihre Mitarbeiter entwerfen." Dazu gehörten notfalls auch "Bodyguards und gepanzerte Fahrzeuge".

Vertreter deutscher Unternehmen wollten dem Blatt gegenüber keine Angaben über die Sicherheitsmaßnahmen für Mitarbeiter im Irak machen. "Wir würden damit potentiellen Attentätern womöglich wichtige Informationen über unsere Vorkehrungen liefern", begründete Siemens-Sprecherin Sabine Kahrweg das Schweigen des Konzerns.



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