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Ukraine: Straßenschlachten in Kiew

Foto: VASILY FEDOSENKO/ REUTERS

Eskalation in der Ukraine Die Blutnacht von Kiew

Viele Tote und Verletzte, Feuer auf dem Maidan - es ist der blutigste Tag seit Beginn der Proteste in Kiew. Und die Kämpfe zwischen den Truppen von Präsident Janukowitsch und der Opposition sind noch nicht beendet. Der Nachrichtenüberblick.

Kiew - Die Ukraine ist am Dienstag vom schwersten Gewaltausbruch seit dem Beginn der Proteste gegen die Regierung von Präsident Wiktor Janukowitsch erschüttert worden. Die Polizei stürmte den Maidan in Kiew und liefert sich weiter Straßenschlachten mit den Demonstranten - es gibt viele Toten und Verletzte. Hier der Überblick über die Ereignisse der Nacht:

  • Die Stürmung des Maidan:

Die Polizei stürmte am Dienstag gegen 20 Uhr (Ortszeit) die Lager der Opposition und setzte Wasserwerfer und Blendgranaten ein - kurz nach Ablauf eines Ultimatums der Regierung. Demonstranten griffen die Polizisten mit Brandsätzen an und zündeten Autoreifen an. Auch das Protestcamp stand in Flammen. In Fernsehübertragungen waren Explosionen zu hören.

In der Nacht auf Mittwoch geriet auch das Hauptquartier der Regierungsgegner in Brand. Aus Fenstern des von der Protestbewegung als Stützpunkt genutzten mehrstöckigen Gewerkschaftshauses am Maidan loderten Flammen. Menschen wurden auf Tragen aus dem Gebäude gebracht, andere seilten sich aus den Fenstern ab.

Die Polizei kontrollierte am frühen Morgen Teile des Unabhängigkeitsplatzes und war in das Hauptquartier der Demonstranten gedrungen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Auslöser der Gewalt war offenbar ein Angriff auf eine Polizeisperre am Vormittag gewesen. Als Täter wurden entweder radikale Oppositionelle oder aber Provokateure auf Seiten der Staatsmacht genannt.

  • Die Opferzahlen:

Es sind angeblich mindestens 25 Menschen ums Leben gekommen. Diese Zahlen nannte das ukrainische Gesundheitsministerium am Mittwochmorgen. Das Innenministerium teilte mit, mittlerweile gebe es sieben getötete Polizisten.

Verletzt wurden nach offiziellen Angaben mindestens 500 Menschen, davon etwa 300 Polizisten. Die renommierte ukrainische Ärztin Olga Bogomolez sprach in der Nacht von mehr als tausend verletzten Demonstranten. Die Kliniken seien überfüllt, sagte sie dem oppositionsnahen Fernsehsender 5. Kanal.

  • Das gescheiterte Krisentreffen:

Als Reaktion auf die Eskalation der Gewalt eilte Oppositionspolitiker Vitali Klitschko nach Mitternacht in den Präsidentenpalast von Janukowitsch - doch ein Krisengespräch brachte kein Ergebnis. Janukowitsch wolle die Erstürmung des Protestcamps auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew fortsetzen, sagte Klitschko. Einen Abbruch des Polizeieinsatzes habe er abgelehnt und die Räumung des Platzes gefordert, berichtete Klitschko in der Nacht zum Mittwoch nach dem Treffen dem Fernsehsender Hromazke.

Klitschko erklärte, er habe das Gespräch beendet, nachdem Janukowitsch eine bedingungslose Räumung des zentralen Unabhängigkeitsplatzes durch die Demonstranten gefordert habe.

Präsident Janukowitsch forderte hingegen in einer Rede an die Nation die Opposition auf, sich von radikalen Regierungsgegnern zu distanzieren. Es sei noch nicht zu spät, den Konflikt und die Gewalt zu beenden. Allerdings hätten die Oppositionsführer die "Grenzen überschritten", indem sie im Machtkampf auf den Druck der Straße setzten und "die Leute zu den Waffen rufen". "Die Oppositionsführer haben das Prinzip der Demokratie verletzt, wonach man die Macht durch Wahlen erhält und nicht durch die Straße", sagte Janukowitsch.

  • Die Lage im Land:

Auch in anderen ukrainischen Städten gab es Proteste und Berichte über Angriffe auf Regierungsgebäude. In Ternopol, rund 360 Kilometer westlich von Kiew, wurde das Polizeihauptquartier in Brand gesetzt. In Stanislau und Lwiw (Lemberg) besetzten Demonstranten nach Angaben der Polizei mehrere Verwaltungsgebäude der Regionalregierung.

  • Die Reaktion des Westens:

Die USA haben einen sofortigen Abzug der Sicherheitskräfte vom Unabhängigkeitsplatz in der ukrainischen Hauptstadt gefordert. In einem Telefonat mit Janukowitsch habe US-Vizepräsident Joe Biden seine ernste Besorgnis über die "Krise auf den Straßen von Kiew" geäußert, erklärte ein Sprecher des Weißen Hauses am Dienstag. Biden habe Janukowitsch aufgefordert, die Polizei abzuziehen und "maximale Zurückhaltung" zu üben.

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier drohte angesichts der Gewalt in Kiew mit Sanktionen gegen die Ukraine. "Wer Entscheidungen zu verantworten hat, die zu einem Blutvergießen im Zentrum Kiews oder anderswo in der Ukraine führen, wird damit rechnen müssen, dass Europa die bisherige Zurückhaltung bei persönlichen Sanktionen überdenken muss", erklärte Steinmeier in Berlin.

tok/dpa/AFP/Reuters
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