Nach Attentat auf Kim Jong Uns Halbbruder Verurteilte Vietnamesin aus Haft entlassen

Erst vor vier Wochen sprach ein Gericht die Vietnamesin Doan Thi Huong im Prozess um das Nervengift-Attentat auf Kim Jong Nam schuldig. Nun konnte sie das Gefängnis verlassen.

Doan Thi Huong (r.) nach einem Gerichtstermin Anfang April in Malaysia - noch am Freitag wird sie in Vietnam erwartet
FAZRY ISMAIL/EPA-EFE/REX

Doan Thi Huong (r.) nach einem Gerichtstermin Anfang April in Malaysia - noch am Freitag wird sie in Vietnam erwartet


Einen Monat nach ihrer Verurteilung wegen des tödlichen Attentats auf den Halbbruder von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un ist die Vietnamesin Doan Thi Huong am Freitag aus dem Gefängnis entlassen worden. Sie werde noch im Laufe des Tages in ihre Heimat fliegen, sagte ihr Anwalt Hisyam Teh der Deutschen Presse-Agentur in Kuala Lumpur.

Die 30-jährige Vietnamesin wurde Anfang April von einem Gericht in Malaysias Hauptstadt wegen vorsätzlicher Körperverletzung für schuldig befunden und zu einer Haftstrafe von drei Jahren und vier Monaten verurteilt. Zuvor hatte die malaysische Staatsanwaltschaft die Mordvorwürfe gegen die 30-Jährige abgeschwächt und damit den Weg für eine kurze Gefängnisstrafe freigemacht.

Der Anwalt der Vietnamesin hatte schon nach der Urteilsverkündung gesagt, angesichts der in Malaysia üblichen Verkürzungen von Gefängnisstrafen werde seine Mandantin bereits Anfang Mai freikommen.

Beide Frauen beteuerten stets ihre Unschuld

Die Vietnamesin hatte Kim Jong Nam, den Halbbruder von Nordkoreas Diktator, im Februar 2017 gemeinsam mit einer inzwischen freigelassenen Indonesierin auf dem Flughafen von Kuala Lumpur mit dem Nervengift VX beschmiert. Kim Jong Nam starb kurz darauf. Beide Frauen beteuerten stets, sie seien mit einer List von nordkoreanischen Spionen zu der Aktion gebracht worden. Sie hätten geglaubt, es handele sich um einen Scherz für eine Fernsehsendung.

Der Mord ist bis heute rätselhaft. Vier verdächtige Nordkoreaner waren kurz nach der Tat aus Malaysia geflohen. Südkorea macht Nordkorea für den Mord am Halbbruder von Machthaber Kim verantwortlich, was Pjöngjang zurückweist.

Kim Jong Nam war der älteste Sohn des langjährigen Machthabers Kim Jong Il (1941-2011) aus einer früheren Ehe. Eine Zeit lang galt er als erster Anwärter auf die Nachfolge, fiel dann aber in Ungnade und verbrachte die letzten Jahre außerhalb Nordkoreas.

aar/dpa/Reuters



insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
winki 03.05.2019
1. Freue mich über die Freilassung
Von der Unschuld der beiden Frauen, wissentlich das Opfer gesundheitlich zu schädigen oder töten zu wollen, bin ich überzeugt. Wer nimmt schon freiwillig eine Substanz in die Hand die tödlich sein kann und beschmiert andere Menschen damit. Schließlich läuft er Gefahr selbst getötet zu werden. Das Verteidigungsargument an einen Fernsehgag geglaubt zu haben ist für mich durchaus nachvollziehbar. Auch bei uns gibt es Sendungen in denen ahnungslosen Leuten ein Schabernack gespielt wird. Alles Gute der Vietnamesin.
sty86 03.05.2019
2. "Fernsehgag"
Ich denke, die Frauen kannten den Namen der getöteten Person nicht, sonst hätte ja wirklich alle Alarmglocken klingeln müssen. Abgesehen von der Tatsache, dass es auch mit einer anderen Substanz ziemlich unlustig gewesen wäre. Aber sowas läuft eben heutzutage in der Glotze und die Menschen lassen sich auf diesem Niveau unterhalten.
juba39 03.05.2019
3. Eine Farce
Was sagt uns das? Wenn nach einem tötlichem Anschlag die vermutlich Schuldigen nach 4 Wochen Haft schon wieder entlassen werden, sagt uns das doch nur. Hier ist eine juristische Farce gelaufen, um die wahren Schuldigen zu schützen. Das hier ist nämlich der in solchen Fällen übliche Weg. Idealerweise tauch davon dann nicht einmal eine Meldung in den Medien auf. Merke: Je schneller ein Verbrechen aus der öffentlichen Aufmerksamkeit verschwindet, um so fauler ist die Geschichte.
Korken 03.05.2019
4. Gerade deswegen
Zitat von winkiVon der Unschuld der beiden Frauen, wissentlich das Opfer gesundheitlich zu schädigen oder töten zu wollen, bin ich überzeugt. Wer nimmt schon freiwillig eine Substanz in die Hand die tödlich sein kann und beschmiert andere Menschen damit. Schließlich läuft er Gefahr selbst getötet zu werden. Das Verteidigungsargument an einen Fernsehgag geglaubt zu haben ist für mich durchaus nachvollziehbar. Auch bei uns gibt es Sendungen in denen ahnungslosen Leuten ein Schabernack gespielt wird. Alles Gute der Vietnamesin.
Genau das ist doch das komische. Beide haben mit der höchstgefährlichen Substanz Berührung gehabt - länger als das Opfer. Als Ausdünstung oder Hautkontakt. Beiden passierte nichts. Komisch, oder?
TheK79 03.05.2019
5.
Zitat von juba39Was sagt uns das? Wenn nach einem tötlichem Anschlag die vermutlich Schuldigen nach 4 Wochen Haft schon wieder entlassen werden, sagt uns das doch nur. Hier ist eine juristische Farce gelaufen, um die wahren Schuldigen zu schützen. Das hier ist nämlich der in solchen Fällen übliche Weg. Idealerweise tauch davon dann nicht einmal eine Meldung in den Medien auf. Merke: Je schneller ein Verbrechen aus der öffentlichen Aufmerksamkeit verschwindet, um so fauler ist die Geschichte.
Ich würde es eher andersherum sehen: Die malaysischen Richter hatten keine Lust, sich von Nordkorea vor den Karren spannen zu lassen und haben darum diese pro-Forma-Urteile verhängt.
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