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Chinareise des nordkoreanischen Diktators Peking bestätigt Besuch von Kim Jong Un

Lange war spekuliert worden, wer in dem altmodischen Zug aus Nordkorea saß, der in Peking gesichtet wurde. Nun ist klar: Es war tatsächlich Kim Jong Un. Die Reise hatte er zusammen mit seiner Frau angetreten.

Der Besuch des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Un in Peking ist am Mittwoch offiziell bestätigt worden. Kim sei auf Einladung des chinesischen Staatschefs Xi Jinping zusammen mit seiner Frau Ri Sol Ju in die chinesische Hauptstadt gekommen und habe sich von Sonntag bis Mittwoch dort aufgehalten, berichtet die chinesische Staatsagentur Xinhua.

Kim und Xi hätten sich zunächst zu Gesprächen in der Großen Halle des Volkes getroffen. Später hätten Xi und seine Frau Peng Liyuan einen Empfang für die Gäste aus Nordkorea gegeben.

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Auch Regierungschef Li Keqiang und Mitglieder des Zentralkomitees sollen Gespräche mit dem nordkoreanischen Machthaber geführt haben. Xi habe die Bedeutung der Freundschaft der beiden Nachbarstaaten betont und hervorgehoben, dass Kims Besuch zu einer besonderen Zeit erfolge, so die chinesische Nachrichtenagentur.

Der chinesische Staatschef habe zudem die "positiven Veränderungen" auf der koreanischen Halbinsel gewürdigt, wobei China weiterhin am Ziel der Entnuklearisierung sowie an der Lösung von Problemen durch Dialog festhalte.

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Kim Jong Un: Vier inoffizielle Tage in Peking

Foto: Ju Peng/ dpa

Kim habe mögliche Wege zur Lösung des Atomkonflikts angedeutet. "Die Frage der Entnuklearisierung der koreanischen Halbinsel kann gelöst werden, wenn Südkorea und die USA auf unsere Bemühungen mit Wohlwollen reagieren, eine Atmosphäre des Friedens und der Stabilität schaffen, während gleichzeitig progressive und synchrone Schritte in Richtung des Friedens ergriffen werden", wird der nordkoreanische Diktator zitiert.

Kim sagte laut Xinhua, die Partnerschaft Nordkoreas und Chinas sei "eine strategische Entscheidung", die beide Seiten "auf Grundlage der Geschichte und Realität getroffen haben". "Das sollte sich nicht ändern und wird es auch nicht wegen irgendeines einzelnen Ereignisses zu einer bestimmten Zeit", so Kim.

Strategisch gilt die Reise als genialer Schachzug des Diktators. Kim könne sich durch eine Aussöhnung mit China zusätzlichen diplomatischen Spielraum verschaffen, hatte Lee Kwan Sei, der an der Kyungnam-Universität in Südkorea lehrt, erst kürzlich dem SPIEGEL gesagt.

Auf Druck der Trump-Regierung hatte sich China an immer schärferen wirtschaftlichen Sanktionen beteiligt, mit denen die Vereinten Nationen Nordkorea für sein Atom- und Raketenprogramm belegten. Diese Front der Weltgemeinschaft gegen die jüngste Atommacht könnte nun bröckeln.

Mit der Reise beweise Kim auf Neue, "wie er im Streit um sein Atomprogramm die diplomatische Regie führt", schrieb SPIEGEL-Redakteur Wieland Wagner. Kim könne nun dem geplanten Treffen mit US-Präsident Trump noch selbstbewusster entgegensehen: Nicht nur als Führer der jüngsten Atommacht, sondern auch als einer, der die Rückendeckung von Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping genießt.

Das Weiße Haus sei über den Besuch des nordkoreanischen Staatschefs in Peking am Dienstag von der chinesische Regierung informiert worden, erklärte Trumps Sprecherin in Washington. Dabei habe Präsident Xi Jinping auch eine persönliche Nachricht an Trump übermittelt. Die jüngsten Entwicklungen seien ein weiterer Beweis dafür, dass Trumps Kampagne des maximalen Drucks eine "angemessene Atmosphäre" für einen Dialog mit Nordkorea schaffe.

Für Kim Jong Un war es seit seinem Amtsantritt als Führer Nordkoreas im Jahr 2011 das erste Mal, dass er sein Land verließ und ins Ausland reiste. Schon seit Montag war über seine Anwesenheit in Peking spekuliert worden, nachdem ein Sonderzug aus Nordkorea in Peking gesichtet worden war und in der Stadt unter anderem am staatlichen Gästehaus Diaoyutai auffallend viele Polizisten Wache standen.

vet/dpa/Reuters
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