Parlamentsbeschluss Bolivien erlaubt Kinderarbeit ab zehn Jahren

In Bolivien dürfen künftig Kinder bereits ab einem Alter von zehn Jahren arbeiten. Einen entsprechenden Beschluss hat das Parlament gefasst. Die Kinder sollen dabei helfen, das Land aus seiner extremen Armut zu führen.
Arbeitendes Kind in der Bergwerksstadt Potosi: In Bolivien arbeiten fast 25 Prozent der Minderjährigen

Arbeitendes Kind in der Bergwerksstadt Potosi: In Bolivien arbeiten fast 25 Prozent der Minderjährigen

Foto: David Mercado/ REUTERS

La Paz - Sie betreiben Obststände oder putzen Schuhe, mauern Häuser oder arbeiten in Minen. In Bolivien gehört Kinderarbeit zum Alltag. 850.000 sind es nach Schätzungen des Arbeitsministeriums im ganzen Land. Demnach arbeitet im ärmsten südamerikanischen Land fast jedes vierte Kind, statt zur Schule zu gehen.

Jetzt hat das bolivianische Parlament Kinderarbeit ab einem Alter von zehn Jahren offiziell genehmigt. Die Abgeordneten billigten ein neues Gesetz, demzufolge Unternehmen lediglich die körperliche und geistige Gesundheit ihrer jungen Arbeitskräfte garantieren müssen und sie nicht ausbeuten dürfen. Verdingen sich Minderjährige ohne Dienstherrn, dürfen sie dies gemäß dem Parlamentsbeschluss künftig schon ab zehn Jahren tun. Das offizielle Mindestalter für Beschäftigungsverhältnisse liegt weiterhin bei 14 Jahren, mit Ausnahmeregelungen für die Beschäftigung von Zwölfjährigen.

Unter der bisherigen Regelung waren keine Ausnahmen für unter 14-Jährige erlaubt. Kritiker hielten das für realitätsfern, da viele Kinder in Bolivien aus finanzieller Not heraus schon früh arbeiten müssten. Die Neuregelung solle nun dabei helfen, das Land bis zum Jahr 2025 von extremer Armut zu befreien, sagte der Abgeordnete Javier Zavaleta. Bestenfalls werde Kinderarbeit schon ab 2020 nicht mehr nötig sein.

Das neue Gesetz muss nur noch von Präsident Evo Morales in Kraft gesetzt werden, der sich in der Vergangenheit als Fürsprecher von Kinderarbeit unter 14 Jahren positioniert hatte. Der Staatschef war in seiner Kindheit selbst als Hilfskraft in einer Bäckerei beschäftigt und half bei der Herstellung von Bauziegeln. Mit fünf Jahren begleitete er seinen Vater zur Zuckerernte nach Argentinien, als Teenager spielte Morales Trompete auf der Straße und verdiente sich so etwas dazu.

Laut der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) arbeiten weltweit 168 Millionen Minderjährige.

ler/AFP