Kirgisien Ein mutmaßlicher Anstifter der Unruhen festgenommen

Viele Hunderte Menschen starben bei Unruhen in Kirgisien im Juni - ein Bruder des gestürzten Präsidenten Bakijew wird verdächtigt, den blutigen Konflikt angeheizt zu haben. Bei einem Sondereinsatz der Polizei wurde er nun festgenommen.


Bischkek - Flüchtende Bürger, brennende Häuser und die Angst vor marodierenden Banden: Blutige Unruhen erschütterten Kirgisien Mitte Juni. Nun soll einer der Anstifter festgenommen worden sein - es ist der Bruder des gestürzten Präsidenten Kurmanbek Bakijew, Achmat Bakijew.

Dem 50-Jährigen wird vorgeworfen, die ethnischen Unruhen zwischen Kirgisen und der usbekischen Minderheit angeheizt zu haben. Damals wurden nach Angaben der Behörden rund 300 Menschen getötet. Präsidentin Rosa Otunbajewa schätzte die Zahl der Opfer sogar auf bis zu 2000. Schon im April wurden mehr als 85 Menschen bei Auseinandersetzungen getötet, nachdem Präsident Bakijew gestürzt wurde.

Sicherheitskräfte nahmen seinen Bruder nun im Süden des Landes fest. Demnach wurden Waffen bei Bakijew sichergestellt, der bei seiner Festnahme keinen Widerstand leistete. Er sollte in die Hauptstadt Bischkek gebracht werden. Achmat Bakijew galt als Schattengouverneur der Region Dschalalabad. Er steht zudem im Verdacht, eine illegale Miliz aufgebaut zu haben.

Ein weiterer Bruder Kurmanbek Bakijews, der früher Chef des Sicherheitsdienstes war, wird noch gesucht. Ihm wird vorgeworfen, am 7. April den Befehl gegeben zu haben, auf Demonstranten zu schießen, die die Absetzung des Präsidenten forderten.

Zur Wiederherstellung des Friedens schickt die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) jetzt unbewaffnete Polizisten. Die 52 Polizisten sollen die lokalen Sicherheitsbehörden speziell im Süden des Landes unterstützen. Die Operation soll zunächst vier Monate dauern und kann anschließend verlängert werden.

Präsidentin Otunbajewa hatte vergangene Woche Außenminister Guido Westerwelle und Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner bei einem Besuch in Kirgisien Kooperation zugesichert. Ihr Land würde eine Mission zur Konsultation und zur Ausbildung empfangen. Westerwelle und Kouchner forderten zudem eine internationale Untersuchung der blutigen Ausschreitungen.

kgp/AFP/apn/dpa/Reuters



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Diomedes 25.07.2010
1. Wie immer hat Aristoteles in politischen Dingen Recht…
Zu den Dingen, die Unruhen und Wirren im Staat hervorrufen können, zählte der Weise unter den Weisen die Verschiedenheit der Bevölkerung: "Zu Aufständen führt auch die Anwesenheit verschiedener Stämme, jedenfalls so lange, bis eine organische Einheit hergestellt ist. Wie nämlich ein Staat nicht aus einer beliebigen Volksmasse entsteht, so auch nicht in einer beliebigen Zeitdauer. Darum hat es fast immer Konflikte gegeben, wo Mitbewohner oder Kolonisten aufgenommen worden sind." – man merkt es, welche Dummheit Rußland beging, als es den Kommunismus zur Staatslehre erhob und damit die unterworfenen Völker seiner Reiches beglücken wollte; hinzukommt noch die willkürliche Grenzziehung durch den georgischen Gewaltherrscher, welcher nicht nur auf dem Kaukasus die Saat für viele zukünftige Kriege ausgestreut hat; indem man Völker, die seit Jahrhunderten Feinde oder Rivalen waren, in einen Staat, damals die Sowjetrepublik genannte russische Satrapie, gezwungen hat, beschwor man jene Bürgerkriege geradezu herauf. Hier von auswärtigen Kräften, Intrigen oder religiösen Eiferern zu schwadronieren ist falsch: Würden sich die Völkerschaften nicht als fremd und feindselig begreifen, so könnte man sie nicht gegen einander aufhetzen!
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