Kirgisien Spezialkräfte stürmen Haus von Ex-Präsident - Menge schlägt zurück

1000 Gefolgsleute gegen 1000 Sicherheitskräfte: Bei den Versuchen zur Festnahme von Kirgisiens Ex-Präsident Almasbek Atambajew ist es zu Ausschreitungen gekommen. Ein Mensch wurde getötet.

Aufnahme vor dem Haus des Ex-Politikers: Schüsse und Granatenexplosionen waren zu hören
Vladimir Voronin/ DPA

Aufnahme vor dem Haus des Ex-Politikers: Schüsse und Granatenexplosionen waren zu hören


Dutzende Menschen haben bei Ausschreitungen in der zentralasiatischen Ex-Sowjetrepublik Kirgisien an der Grenze zu China Verletzungen davongetragen. Ein Angehöriger der Sicherheitskräfte sei getötet worden, meldeten kirgisische Medien in der Nacht zum Donnerstag in der Hauptstadt Bischkek. 36 Menschen seien verletzt worden, darunter 15 Sicherheitsleute.

In dem Dorf Koj-Tasch in der Nähe von Bischkek kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Bürgern. Die Sondereinheiten wollten der Agentur Akipress zufolge das Haus von Ex-Präsident Almasbek Atambajew stürmen. Er sieht sich unter anderem Korruptionsvorwürfen ausgesetzt, die er bestreitet.

Uniformierter stirbt bei Auseinandersetzungen

Etwa 1000 Gefolgsleute von Atambajew hätten sich Hunderten Uniformierten in den Weg gestellt. Dabei sei ein Uniformierter tödlich verletzt worden. Auf Videos waren Schüsse zu hören. Die Sicherheitskräfte wollen Atambajew zu einem Verhör zu den Anschuldigungen zwingen.

Örtliche Medien veröffentlichten Fotos, die maskierte und bewaffnete Männer in Uniformen vor Atambajews Haus sowie Verletzte zeigten. Auf Videos waren offenbar Schüsse und Granatenexplosionen zu hören. Es gab weder Telefon- noch Internetverbindungen, Berichten zufolge wurde in dem Dorf auch der Strom abgeschaltet.

Der Ex-Präsident von der sozialdemokratischen Partei Kirgisiens verweigerte zunächst ein Verhör, sicherte aber die Bereitschaft zu, schriftlich zu antworten. Er ließ mitteilen, dass er in Sicherheit sei und weiter auch mit Waffengewalt Widerstand gegen seine Festnahme leisten werde.

Zweiter Verhaftungsversuch glückt

Bei einem erneuten Versuch der Erstürmung des Hauses wurde Atambajew schließlich verhaftet. Etwa tausend Sicherheitskräfte waren im Einsatz. Wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete, nutzten die Beamten ein Militärfahrzeug, um durch die Tore des Anwesens zu kommen. Die mehr als tausend vor dem Haus versammelten Anhänger Atambajews wurden mit Tränengas und Rauchgranaten auseinandergetrieben.

Die Polizei erklärte, bei dem Einsatz sei niemand getötet worden. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden allerdings fünf Menschen verletzt - vier Sicherheitsbeamte und ein Zivilist.

Das Hochgebirgsland an der Grenze zu China galt lange als Insel der Demokratie inmitten autoritärer Staaten in Zentralasien. Kirgisien hatte bereits mehrere Revolutionen nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion erlebt. Russische Politiker äußerten sich besorgt über die Entwicklung. Auch Präsident Wladimir Putin, der als Vertrauter von Atambajew gilt, lasse sich über die Lage fortwährend informieren, teilte der Kreml mit. Russland sieht Kirgisien als seinen Einflussbereich an.

jok/ptz/dpa



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