Kirgisien Usbekische Gemeinde meldet 700 Tote

Die Zahlen sind dramatisch: Nach Angaben der usbekischen Gemeinde in Kirgisien sind 700 Menschen bei den Unruhen in dem zentralasiatischen Land getötet worden. Die internationale Gemeinschaft reagiert alarmiert auf die Situation - Russland erwägt militärisches Eingreifen.
Kirgisien: Usbekische Gemeinde meldet 700 Tote

Kirgisien: Usbekische Gemeinde meldet 700 Tote

Foto: Igor Kovalenko/ dpa

Kirgisien

Moskau - Bei den blutigen Zusammenstößen im Süden der zentralasiatischen Republik sind angeblich 700 Menschen getötet worden. Das meldete die russische Nachrichtenagentur Interfax am Montag nach Angaben eines hochrangigen Vertreters der usbekischen Minderheit in Kirgisien. Diese Zahlen bezögen sich allein auf Dschalal-Abad und nicht auf das Zentrum der Unruhen in Osch. Eine Bestätigung für die Zahlen gibt es nicht.

Andere Zahlen über Flüchtlinge, die die usbekische Gemeinde bekanntgab, hatte das Rote Kreuz zuvor als deutlich zu hoch eingestuft. Die Hilfsorganisation hatte aber berichtet, dass viele Leichen ohne vorherige Identifizierung begraben worden seien.

Nach offiziellen kirgisischen Angaben starben bislang rund 120 Menschen bei den Zusammenstößen. Mehr als 1500 Menschen wurden demnach verletzt.

Das kirgisische Militär teilte mit, dass mehrere Heckenschützen in Tarnuniformen sowie Provokateure festgenommen worden seien. Sie sollen durch gezielte Morde unter Kirgisen und Usbeken die beiden seit langem in Spannung lebenden Bevölkerungsgruppen gegeneinander aufgebracht haben. Die kirgisische Interimsregierung vermutet den Familienclan des gestürzten Präsidenten Bakijew hinter den Krawallen. Bakijew hatte die Vorwürfe aus seinem weißrussischen Exil zurückgewiesen. Wegen des blutigen Volksaufstandes im April sind er und einige seiner Angehörigen wegen Massenmordes international zur Fahndung ausgeschrieben.

EU-Außenbeauftragte Ashton: "Lage sehr gefährlich"

Im Süden Kirgisiens laufen derweil Vorbereitungen auf die Ankunft russischer Friedenssoldaten. Der Flughafen im Zentrum der Unruhen in der Stadt Osch habe Order, alles für die Landung der Russen in die Wege zu leiten, berichtete ein Korrespondent der Agentur Akipress.

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International wächst die Besorgnis über die Lage in Kirgisien: Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton bezeichnete die Situation als "sehr gefährlich". "Im Moment ist es am wichtigsten, wieder Ruhe in die Region zu bringen", sagte Ashton in Luxemburg. "Wir müssen die Ordnung wiederherstellen." In Kirgisien wollten sich Beobachter der Vereinten Nationen und Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit (OSZE) ein Bild von der "humanitären Katastrophe" machen.

Um der Lage in dem völlig verarmten Hochgebirgsland an der Grenze zu China wieder Herr zu werden, hatte Übergangspräsidentin Rosa Otunbajewa Kremlchef Dmitrij Medwedew wiederholt schriftlich und telefonisch um militärischen Beistand gebeten. Mit eigenen Kräften sei das nicht mehr zu schaffen, sagte Otunbajewa. Nachdem Medwedew zunächst ein Eingreifen in den "inneren Konflikt" abgelehnt hatte, sollte die Militärorganisation früherer Sowjetrepubliken (OVKS) bei einer Krisensitzung doch eine rasche Lösung finden.

Es müsse alles für eine rasche Beendigung des Mordens getan werden, sagte Medwedew einer Mitteilung seiner Internetseite zufolge. Russland hatte seinen Stützpunkt in Kant im Norden am Sonntag mit Fallschirmjägern und Munition verstärkt - allerdings zunächst mit der Begründung, die eigenen Leute schützen zu wollen.

anr/dpa/apn
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