Verhandlungen über Gefangenenaustausch Ukraine lässt russischen Journalisten frei

Ein Gericht in Kiew hat die Freilassung des russischen Journalisten Wyschinski angeordnet. Ihm wird Hochverrat vorgeworfen. Einen Austausch mit einem in Russland inhaftierten Filmemacher lehnt er ab.

Freigelassen: Journalist Kirill Wyschinski
Serhii Nuzhnenko/ REUTERS

Freigelassen: Journalist Kirill Wyschinski


Ein ukrainisches Gericht hat den russischen Journalisten Kirill Wyschinski aus der Untersuchungshaft entlassen. Er wird des Hochverrats verdächtigt. Der 52-Jährige verpflichtete sich zur weiteren Teilnahme am laufenden Prozess, wie lokale Medien berichteten. Ihm drohten bis zu 15 Jahre Haft. Zwischen Russland und der Ukraine laufen derweil Verhandlungen zu einem Austausch von Gefangenen.

In Russland wurde die Freilassung begrüßt. "Wir hoffen, dass dies nicht nur eine Episode, sondern systematische Veränderungen im Herangehen der ukrainischen Seite sind", sagte der Chef des Auswärtigen Ausschusses im russischen Föderationsrat, Konstantin Kossatschow, der staatlichen Nachrichtenagentur Tass.

Wyschinski ist Leiter des Ukraine-Büros einer staatlichen russischen Nachrichtenagentur. Der 52-Jährige war im Mai 2018 vom ukrainischen Geheimdienst festgenommen worden. Der russisch-ukrainische Doppelstaatsbürger soll in seinen Artikeln die russische Annexion der Schwarzmeer-Halbinsel Krim 2014 gerechtfertigt haben.

Wyschinski lehnt Austausch ab

Im Juli hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj einen Austausch des Journalisten gegen den in Russland inhaftierten Filmemacher Oleg Senzow in Betracht gezogen. Ukrainischen Medienberichten zufolge lehnt Wyschinski einen Austausch ab, da er seine Unschuld beweisen möchte.

Das Verhältnis zwischen Kiew und Moskau ist seit der Krimkrise 2014 und dem bewaffneten Konflikt in der Ostukraine extrem angespannt. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte die Verhaftung Wyschinskis wiederholt verurteilt. 2015 hatte er dem Journalisten per Dekret die russische Staatsangehörigkeit zugebilligt.

In Berlin sagte Außenamtssprecherin Maria Adebahr, die Bundesregierung habe den Prozess gegen Wyschinski von Beginn an genau beobachtet. Sie begrüßte, dass die Freilassung des Journalisten ein Schritt in Richtung einer Beschleunigung des Verfahrens sein könne.

als/AFP/dpa



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