Klauenseuche EU verhängt Importverbot für britische Tierprodukte

Auf den britischen Inseln ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Die Europäische Kommission verbot Großbritannien mit sofortiger Wirkung den Export von Frischfleisch, Milch und lebenden Tieren in Mitgliedstaaten der EU.


DPA

London - Auch die USA, Kanada und Südkorea verhängten Importverbote für lebende Tiere und für Tierprodukte aus Großbritannien. Die Maul- und Klauenseuche war in Großbritannien erstmals seit 20 Jahren wieder in einer Schweineherde ausgebrochen. Die Seuche ist äußerst ansteckend und kann auch Rinder, Ziegen und Schafe befallen. Für den Menschen stellt sie nach Angaben britischer Gesundheitsbehörden keine Gefahr dar.

Keine Gefahr für Menschen

Die EU-Kommission teilte mit, das Verbot gelte bis zum 1. März. Nach dem Verbot dürften lebende Tiere - darunter Rinder, Schafe und Schweine - nicht mehr exportiert werden. Vorübergehend dürften auch Frischfleisch, Fleischprodukte, Milch, Milchprodukte, Felle und Häute nicht mehr in die übrigen EU-Länder ausgeführt werden, es sei denn, sie seien vor dem 1. Februar produziert oder gegen eine Verbreitung der Seuche behandelt worden. Am 27. Februar solle das Exportverbot bei einem Treffen von EU-Veterinärexperten überprüft werden. Großbritannien habe bereits Schritte unternommen, die Seuche zu kontrollieren und auszurotten. Allerdings seien weitere Schutzmaßnahmen nötig.

Eine Sprecherin des US-Landwirtschaftsministeriums kündigte an, sämtliche Schweineprodukte, die noch vor Inkrafttreten des Importstopps aus Großbritannien eingetroffen seien, würden in Quarantäne gelagert. Ein Vertreter der kanadischen Behörde für Lebensmittelsicherheit sagte, das Land habe die Ausgabe von Einfuhrgenehmigungen ausgesetzt. Davon betroffen sei der Import von Paarhufern und von Tierprodukten, darunter auch Samen und Embryonen.

Symptome der Maul- und Klauenseuche waren nach Angaben des britischen Landwirtschaftsministeriums vom Mittwoch bei 28 Schweinen in einem Schlachthof nahe Brentwood in der Grafschaft Essex aufgetreten. Um den Schlachthof wurde eine acht Kilometer breite Quarantäne-Zone eingerichtet, um die Ausbreitung der Seuche zu verhindern. Auch die Bauernhöfe im südenglischen Buckinghamshire und auf der Isle of Wight, die den Schlachthof mit den infizierten Tieren beliefert hatten, wurden gesperrt. Ein weiterer Verdachtsfall werde auf einer Farm in Gloucestershire in Südengland untersucht, teilte das Landwirtschaftsministerium mit. Zudem stünden Bauernhöfe in Nordirland im Verdacht, infizierte Tiere geliefert zu haben, berichtete der britische Rundfunksender BBC.

300 Tiere müssen getötet werden

Der Chefveterinär der britischen Regierung, Jim Scudmore, sagte, rund 300 Tiere müssten wegen des Ausbruchs der Seuche getötet werden. Der britische Schweinezüchterverband sprach von einem weiteren schweren Schlag für die Branche nach dem Ausbruch der Schweinepest. Die EU ist der wichtigste Markt für Großbritannien. Im vergangenen Jahr gingen 160.414 Tonnen britisches Schweinefleisch in die Union. Insgesamt exportierte Großbritannien 192.594 Tonnen Schweinefleisch.

Bereits vor dem EU-Exportverbot hatte Irland die Einfuhr britischer Tiere und Tierprodukte untersagt. Die Niederlande verboten den Import von Schweinen, Schafen und Ziegen. Das Bundeslandwirtschaftsministerium teilte mit, der Seuchenherd gelte als isoliert. Es gebe keine Anzeichen, dass sich die Seuche über die Quarantänegebiete hinaus ausgebreitet habe. In Deutschland sei die Seuche zuletzt 1988 ausgebrochen



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