Junge Umweltschützer "Wir sammeln Müll am Strand"

Sie befreien Flüsse, Strände und Felder von Plastik, trennen Müll oder verzichten auf Strohhalme: Hier erzählen junge Umweltschützer von ihren Aktionen - und auf welche Hindernisse sie im Alltag stoßen.
In Bogotá protestieren junge Kolumbianer für Klimaschutz und eine umweltverträgliche Lebensweise - und fordern etwa zum Veganismus auf

In Bogotá protestieren junge Kolumbianer für Klimaschutz und eine umweltverträgliche Lebensweise - und fordern etwa zum Veganismus auf

Foto: DANIEL MUNOZ/ AFP

Politiker und Experten aus der ganzen Welt verhandeln in diesen Tagen in Madrid bei der 25. Uno-Klimakonferenz COP25 über nationale Ziele, aber auch globale Regeln für einen besseren Klimaschutz.

Dabei geht es zumeist um Maßnahmen, um die Folgen der durch den Menschen verursachten Erderwärmung abzumildern und diese möglichst zu begrenzen.

Fragt man Jugendliche und junge Erwachsene nach ihrem Blick auf den Klimawandel, ihrem Engagement und ihren Sorgen, fällt auf: Viele junge Menschen beschäftigen sich vor allem mit Umweltschutz. Sie befreien die Natur von Abfall und probieren, möglichst wenig Müll zu produzieren - um so die Welt im Kleinen zu verändern.

Hier berichten junge Umweltschützer aus Taiwan, Frankreich und Kolumbien von ihren Aktivitäten.

Pei-Lin, 18, Studentin aus Taiwan: "Wir sammeln Müll am Strand"

"In Taiwan gibt es viele Klima- und Umweltschutzaktivitäten - am meisten haben mich bisher Strandreinigungsaktionen beeindruckt. Wenn wir zum Strand gehen, um Müll zu sammeln, finden wir oft Plastiktüten. Das wirkt auf den ersten Blick harmlos, aber Meerestiere fressen diese Tüten. Ein Strohhalm hat zum Beispiel einmal die Nase einer Schildkröte blockiert. Jedes Mal, wenn ich so etwas in den Nachrichten sehe, fühlt es sich für mich schrecklich an.

In meiner Familie ist der Klimawandel ein Thema, weil wir die Wetterveränderung spüren können. In Taiwan ist der Sommer die Jahreszeit mit den meisten Taifunen. Obwohl sie manchmal Überschwemmungen, Schlamm- und Steinlawinen verursachen, sorgen sie auch für einen Großteil unserer Wasserreserven. In den vergangenen Jahren ist das Auftreten von Taifunen jedoch immer unregelmäßiger geworden, was dazu führt, dass die Regierung manchmal den Wasserverbrauch beschränken muss.

Wenn wir jetzt nicht damit anfangen, die Erde zu schützen, kommen immer mehr Klimaveränderungen auf uns zu und irgendwann werden nicht nur Tiere, sondern auch Menschen langsam aussterben. Ich will mein Leben nicht drinnen verbringen und ohne Kontakt mit der Natur - deswegen versuche ich jetzt alles zu tun, um etwas zu verändern.

Zu Hause verwenden wir nur wiederverwendbares Geschirr. Ich versuche, gar keine Plastiktüten und Plastik-Strohhalme mehr zu benutzen, stattdessen habe ich einen Strohhalm aus Edelstahl. Ich gebe mein Bestes, Müll ordentlich zu trennen und sage auch meinen Freunden, dass sie das tun sollen."

Aufgezeichnet von Markus Heidingsfelder

Adèle, 13, Schülerin aus Frankreich: "Es gibt immer noch Politiker, die nichts begreifen und nichts ändern wollen"

Adèle

Adèle

Foto: privat

"'Fridays for Future' sagt mir gar nichts. Es gab Demonstrationen fürs Klima in Frankreich, aber nicht speziell unter diesem Slogan. Ich habe daran nicht teilgenommen, das hätten meine Eltern nicht erlaubt. Sie finden, dass ich dafür noch ein wenig zu jung bin. Außerdem gibt es bei Demonstrationen in Frankreich öfters Ausschreitungen. Sie wollen nicht, dass ich dazwischengerate.

Der Klimawandel macht mir Angst. Wir sind dabei, unseren Planeten zu zerstören. Wenn wir so weitermachen, dann werden wir alle sterben. Es gibt immer noch Politiker, die das nicht begreifen und nichts ändern wollen. Darum finde ich es super, dass Greta Thunberg so provokante Reden hält. Das ist notwendig, denn sonst würde uns niemand zuhören. Wenn man freundlich sagt 'Passt auf die Umwelt auf', passiert gar nichts.

In Frankreich geht es schon in die richtige Richtung: Ich glaube, dass die Demonstrationen und die Aufrufe in den sozialen Netzwerken unseren Präsidenten aufrütteln und zum Handeln bringen. Wir müssen die Fehler der Vergangenheit korrigieren. Das geht nicht ohne Anstrengung und neue Technologien. Demonstrieren allein reicht nicht.

Ich versuche, im Alltag nicht unnötig Energie zu verschwenden. Ich lasse zum Beispiel beim Zähneputzen das Wasser nicht zu lange laufen. Nächste Woche machen wir an unserer Schule einen 'Grünen Tag'. Wir ziehen alle etwas Grünes an und spenden Geld für die Wiederaufforstung des Regenwaldes in Madagaskar. Und bald wollen wir noch mehr machen.

Schlimm finde ich vor allem den Plastikmüll. Ich habe kürzlich meine Großmutter in Moissac, einem kleinen Dorf in Südwestfrankreich, besucht. Ich habe ihr gesagt: 'Gib mir einen Eimer und Handschuhe.' Dann bin ich die Straße entlanggelaufen und habe den Müll eingesammelt, den die Leute einfach so aus ihren Autos schmeißen. So als wäre die Landschaft ein Mülleimer. Dabei ist das noch gar nichts gegenüber den Autobahnen rund um Paris. Dort sieht man vor lauter Plastik keine Wiese mehr und niemand kümmert sich darum."

Aufgezeichnet von Petra Truckendanner

John Edinson, 17, Kunststudent aus Kolumbien: "Früher habe ich auch Plastik herumliegen lassen"

John Edinson

John Edinson

Foto: privat

"Ein erster, großer Schritt zum Umweltschutz für Kolumbien wäre Recycling und Mülltrennung. So viele Nahrungsmittel sind hier in Plastik verpackt, und die Menschen schmeißen die Verpackungen einfach auf die Straße. Das schadet unseren Flüssen und Meeren.

In Kolumbien gibt es wunderschöne Orte, die voller Müllberge sind - und die Regierung tut viel zu wenig dagegen. Ich habe früher auch Plastik herumliegenlassen. Ich habe nicht über die Folgen nachgedacht. Heute nehme ich Metallbesteck mit und engagiere mich in einer kleinen Gruppe: Wir pflanzen gemeinsam Bäume und fischen Müll aus den Flüssen.

Aber das ist nicht die Regel: An der Uni sprechen wir nicht wirklich über Klimaschutz, und in meinem Ort gibt es auch keine Demonstrationen dazu - ich habe zwar gehört, dass es internationale Proteste von Jugendlichen gibt, aber das war es auch schon. Trotzdem: Ich versuche mit meiner Familie und Freunden viel darüber zu sprechen und habe das Gefühl, dass sich die Sichtweisen langsam ändern."

Aufgezeichnet von Antonia Schaefer

Klima-Aktionär, Müll-Sammlerin oder Eltern-Aufklärerin - lesen Sie hier alle Protokolle:

Dieser Beitrag gehört zum Projekt Globale Gesellschaft

Unter dem Titel »Globale Gesellschaft« berichten Reporterinnen und Reporter aus Asien, Afrika, Lateinamerika und Europa – über Ungerechtigkeiten in einer globalisierten Welt, gesellschaftspolitische Herausforderungen und nachhaltige Entwicklung. Die Reportagen, Analysen, Fotostrecken, Videos und Podcasts erscheinen in einer eigenen Sektion im Auslandsressort des SPIEGEL. Das Projekt ist langfristig angelegt und wird von der Bill & Melinda Gates Foundation (BMGF) unterstützt.

Ein ausführliches FAQ mit Fragen und Antworten zum Projekt finden Sie hier.

lgr/sop