Milliarden-Hilfen aus Moskau Klitschko wirft Ukraines Präsidenten Bereicherung vor

Oppositionsführer Vitali Klitschko erhebt schwere Vorwürfe gegen den ukrainischen Staatschef: Wiktor Janukowitsch verrate sein Land für billigeres Gas und Kredite - und das, um sich selbst zu bereichern. Der Boxweltmeister nennt den Präsidenten gar einen Diktator.

Vitali Klitschko auf dem Maidan in Kiew: "Er verrät sein Land, um sich selbst zu bereichern"
AFP

Vitali Klitschko auf dem Maidan in Kiew: "Er verrät sein Land, um sich selbst zu bereichern"


Kiew - Der Ton in der Ukraine wird rauer, Oppositionspolitiker Vitali Klitschko verschärft seine Wortwahl. Er wirft Präsident Wiktor Janukowitsch persönliche Bereicherung vor. Dieser verrate sein Land für billigeres Gas und billigere Kredite, schreibt Klitschko in einem Beitrag für die "Bild"-Zeitung.

Klitschko bezeichnet Janukowitsch darin sogar als Diktator. "Er verrät sein Land, das seit Wochen für Europa demonstriert und kein Abkommen mit Russland will. Er verrät sein Land, um sich selbst zu bereichern und als Diktator an der Macht zu bleiben."

Janukowitsch hatte am Dienstag in Moskau von Präsident Wladimir Putin die Zusage für Milliarden-Hilfen und Rabatte auf Gaslieferungen erhalten. Russland investiert unter anderem 15 Milliarden Dollar in ukrainische Staatsanleihen. Außerdem kündigte Putin einen Abschlag von etwa einem Drittel auf den Preis für Gaslieferungen in die Ukraine an. Kiew zahlt demnach an den Staatskonzern Gazprom ab Januar 2014 nur noch 268,50 Dollar pro 1000 Kubikmeter Gas - und damit erheblich weniger als der Westen. Bisher lag der Preis bei 430 Dollar.

Größte Protestbewegung seit der Orangen Revolution

Die finanziell angeschlagene Ukraine hatte im November unerwartet angekündigt, ein seit Jahren vorbereitetes Assoziierungsabkommen und einen Freihandelsvertrag mit der EU doch nicht zu unterzeichnen. Diese Abkehr verkündete Präsident Janukowitsch, nachdem die Regierung in Moskau offenbar massiven Druck ausgeübt hatte.

Der Staatschef löste damit innenpolitische Proteste aus - und eine Diskussion der EU über ihr Verhältnis zu Russland. Es ist die größte Protestbewegung seit der Orangen Revolution vor neun Jahren.

In Kiew demonstrieren seit bald vier Wochen täglich Tausende gegen eine engere Partnerschaft mit Russland und für eine Annäherung an die EU, allein am Sonntag versammelten sich wieder Hunderttausende. Die Vertreter der politischen Opposition fordern die Freilassung aller politischen Häftlinge, darunter der Ex-Premierministerin Julija Timoschenko. Sie hatte vor einigen Tagen in einem schriftlich geführten Interview vor weiteren Annäherungen an Russland gewarnt. Das sei der "Anfang vom Ende unserer Unabhängigkeit".

"Präsidenten endlich zum Rücktritt zwingen"

Klitschko rief am Mittwoch erneut zu Demonstrationen auf: "Wir Ukrainer müssen jetzt erst recht die Massen mobilisieren, um den Präsidenten endlich zum Rücktritt zu zwingen."

Hoffnung setzt Klitschko auf den neuen deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Er wird am Donnerstag zu Gesprächen in Polen erwartet. Am selben Tag will auch Russlands Außenminister Sergej Lawrow in Warschau mit der polnischen Regierung sprechen. "Ich hoffe sehr, dass der neue deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier morgen bei seinem Besuch in Polen Wege findet, uns in einer der schwersten Krisen der Ukraine mit seiner Vermittlung weiterzuhelfen", schreibt Klitschko in seinem Artikel.

Steinmeier hatte zu seinem Amtsantritt am Dienstag an die Adresse Moskaus gesagt, es sei "völlig empörend", wie Russland die Notlage der Ukraine ausgenutzt habe, um den EU-Assoziierungsvertrag zu verhindern.

heb/Reuters/dpa

insgesamt 52 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
GilbertWolzow 18.12.2013
1.
Zitat von sysopREUTERSOppositionsführer Vitali Klitschko erhebt schwere Vorwürfe gegen den ukrainischen Staatschef: Wiktor Janukowitsch verrate sein Land für billigeres Gas und Kredite - und das, um sich selbst zu bereichern. Der Boxweltmeister nennt den Präsidenten gar einen Diktator. http://www.spiegel.de/politik/ausland/klitschko-wirft-ukraines-praesidenten-bereicherung-vor-a-939729.html
Wer hat denn dem Boxer solche Sätze, solche Phrasen beigebracht? Wer steckt hinter diesem Mann? Persönliche Bereicherung? Ja, wo denn bzw. bei welchem Politiker in Osteuropa ist das denn nicht der Fall? Und wie sieht es bei uns aus in D? Ich kann über solche hohlen Phrasen nur lächeln... Der ganzen Protestbewegung gebe ich noch max. zwei Wochen, dann verläuft sich das ganz schnell. Es sei denn, die EU gießt - ähnlich wie die USA und Saudi-Arabien in Syrien - Öl ins Feuer... zutrauen würden ich denn das ohne Weiteres.
uspae2007 18.12.2013
2. vorbei
Ein geifernder Klitschko, welcher seinen Einfluss schwinden sieht. Wenn er überhaupt schon da war. Er muss doch nun mal begreifen , dass sein Putschversuch gescheitert ist. Er hat sein Gesicht verloren und macht sich lächerlich.
alek 18.12.2013
3. Herr Klitschko,
Janukowitsch kann was vorweisen, was bieten sie denn Ukrainischen Volk? Was hat denn die EU ihnen versprochen? Wollen sie einen Teil von Herrn Janukowitsch abhaben? Was bringt der Ukraine den die Annäherung an die EU? Viele fragen, wenig antworten.
seneca55 18.12.2013
4. Gut gebrüllt, Boxweltmeister !
Diese Tonlage mit markigen Worten gegenüber dem UKR-Präsidenten Janukowitsch, wird Klitschko bei den US-Exponenten wie McCain und Mrs.Rice sehr beliebt machen und die Gazprinzessin Julyia langsam aus der Erinnerung sgteichen. Klitschko und sein Schlag (Partei) wird eindeutig der Hoffnungsträger des Westens in der UKRAINE sein. Jetzt muss er nur noch die Mehrheit der verarmten Ukrainer hinter sich bringen, die natürlich gern preiswerteres russ. Gaz verbrauchen würden als teureres.
PK2011 18.12.2013
5.
Zitat von sysopREUTERSOppositionsführer Vitali Klitschko erhebt schwere Vorwürfe gegen den ukrainischen Staatschef: Wiktor Janukowitsch verrate sein Land für billigeres Gas und Kredite - und das, um sich selbst zu bereichern. Der Boxweltmeister nennt den Präsidenten gar einen Diktator. http://www.spiegel.de/politik/ausland/klitschko-wirft-ukraines-praesidenten-bereicherung-vor-a-939729.html
Herr Janukowitsch hat einen respektablen Nachlass für benötigte Energielieferungen ausgehandelt und die Liquiditätsklemme des ukrainischen Staatswesens beseitigt. Im Gegenzug gibt es keine Markteintrittserleichterungen für Multinationals aus dem Westen. Die lange gewachsenen Beziehungen zwischen den Industrien der Ukrainie und Russlands erfahren dafür Handelserleichterungen. So ein bischen private Bereicherung der Protagonisten wird auch dabei sein. Wer das Geschäft im Osten kennt, weiss, wie das läuft. Im Westen ist es im Grundsatz ähnlich, da gehte nur subtiler zu und passiert über pensionsberechtigte "Stellen".
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.