Kniefall in Bagdad Ab Samstag will Saddam seine Raketen zerstören

Saddam Hussein will ab Samstag wie von der Uno gefordert seine umstrittenen Raketen zerstören. Doch Washington zeigt sich von dem Brief aus Bagdad unbeeindruckt. Das Schreiben sei nur Taktik.

New York - Regierungskreise in Bagdad bestätigten, dass mit der Zerstörung der umstrittenen Samoud-2-Raketen am Samstag begonnen werde. Zwei Tage vor Ablauf des Ultimatums von Uno-Chefinspekteur Hans Blix hatte der Irak am Donnerstag de entscheidenden Forderung des Sicherheitsrates Folge geleistet. Wie gegen Mitternacht europäischer Zeit bekannt wurde, stimmte das Regime in Bagdad "im Prinzip" grundsätzlich der Zerstörung der Raketen zu.

Die Uno-Waffeninspekteure in Bagdad stehen mit den irakischen Behörden in Verhandlungen über Einzelheiten der Vernichtung aller Raketen mit einer höheren Reichweite als 150 Kilometer, wie die Irak-Inspektionskommission Unmovic in New York bestätigte. Der irakische Präsidentenberater Amir al-Saedi habe in einem Schreiben an die Uno zugleich die Bereitschaft zur Zerstörung von weiteren "Gegenständen" erklärt, die von der Unmovic als verboten eingestuft worden waren. Ein Stellvertreter von Uno-Chefinspekteur Hans Blix sei in Bagdad, um die Einzelheiten mit den irakischen Behörden zu besprechen, hieß es. Blix hatte die Zerstörung der Raketen gefordert, weil sie die maximal erlaubte Reichweite von 150 Kilometern überschreiten. Der Irak muss bis Samstag mit der Zerstörung der Raketen beginnen. Wie der Diplomat der Nachrichtenagentur AP sagte, erklärt der Irak seine "prinzipielle Bereitschaft" in einem Schreiben an Blix. Dessen Büro bestätigte den Eingang des Briefs und auch den genannten Inhalt. Es werde noch geprüft, ob es sich dabei um die von Blix geforderte bedingungslose Bereitschaft zur Zerstörung der Raketen handele, hieß es. Sie gilt im zerstrittenen Sicherheitsrat als Test, ob der Irak tatsächlich zur friedlichen Abrüstung bereit ist.

Rumsfeld: "Alles nur Taktik"

Fraglich ist, ob die Zusicherung der Iraker den Amerikanern reicht. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte am Donnerstagabend, die Entscheidung Bagdads sei nur Teil der irakischen Taktik. Bagdad weigere sich bei jedem neuen Fall erst zu kooperieren, zögere dann eine Entscheidung hinaus und handle schließlich unter Druck. Auch Außenminister Colin Powell sagte, dies ändere nichts an der amerikanischen Einschätzung der Situation.

Zuvor hatte Präsident George W. Bush bereits zu Gerüchten Stellung genommen, Bagdad würde seine umstrittenen Raketen zerstören. "Die Diskussion um diese Raketen ist Teil seiner Kampagne der Täuschung", sagte Bush. Erst heiße es, die Raketen würden nicht zerstört, dann habe der irakische Diktator Saddam Hussein plötzlich am Wochenende einen Sinneswandel durchgemacht, um erklären zu können, der Irak habe abgerüstet. Ein solches Ablenkungsmanöver würde er nicht gelten lassen, sagte Bush und forderte, dass der Irak vollständig entwaffnet werde.

Auch Großbritanniens Premierminister Tony Blair wies das irakische Angebot zurück. "Dies ist nicht die Zeit für Spielchen. Er (Iraks Präsident Saddam Hussein) weiß genau, was er tun muss", sagte Blair am Freitag nach einem Treffen mit dem spanischen Ministerpräsidenten Jose Maria Aznar in Madrid.

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