Kobane Lévy zweifelt Nato-Mitgliedschaft der Türkei an

Bernard-Henri Lévy greift die Türkei mit scharfen Worten an: Das Land tue nicht genug, um die syrische Kurdenstadt Kobane zu retten. "Das ist die Stunde der Wahrheit für ihre Präsenz in der Nato", sagte der französische Philosoph.
Bernard-Henri Lévy im März 2014: "Juristische Haarspaltereien"

Bernard-Henri Lévy im März 2014: "Juristische Haarspaltereien"

Foto: KENZO TRIBOUILLARD/ AFP

Kobane/Paris - Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) kontrollierte am Sonntag noch etwa 40 Prozent der syrischen Grenzstadt Kobane. Das erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Um die Stadt einzunehmen, habe der IS Kämpfer aus den Provinzen Rakka und Aleppo abgezogen. Zu den Kämpfen in Kobane hat sich nun der Philosoph Bernard-Henri Lévy zu Wort gemeldet. Der Franzose greift die Türkei scharf an.

"Die Position der Türkei würde problematisch, wenn sie Kobane fallen ließe", sagte Lévy. Dies müsse den türkischen Behörden "in den kommenden Stunden" übermittelt werden. Zudem stellte er die Mitgliedschaft des Landes in der Nato in Frage.

Die Türkei bewege sich nicht, kritisierte Lévy. Ankara verstecke sich hinter "juristischen Haarspaltereien" und warte auf den Fall Kobanes. "Wenn Kobane fällt, wird die türkische Regierung dafür direkt verantwortlich gemacht werden müssen", fügte er hinzu. Die Türkei sei der "östliche Pfeiler" der Nato. "Das ist die Stunde der Wahrheit für ihre Präsenz in der Nato", sagte Lévy weiter.

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) kämpfte sich "Stunde um Stunde, Straße um Straße" vor, warnte Lévy, dessen Gastbeitrag "Letzter Aufruf für Kobane" am Montag in der Zeitung "Libération" und sieben weiteren europäischen und amerikanischen Zeitungen erscheint. "Die letzte Lösung ist entweder die Intervention der türkischen Armee im Rahmen ihrer Mitgliedschaft in der Nato und/oder das Durchlassen tausender kurdischer Kämpfer, die an der Grenze feststecken, obwohl sie freiwillig die Stadt verteidigen wollen."

Die auf Arabisch Ain al-Arab genannte Stadt wird seit fast einem Monat von den IS-Extremisten belagert. Seit einer Woche liefern sich Dschihadisten und kurdische Einheiten erbitterte Straßenkämpfe. Unterstützt werden die Kurden durch eine von den USA angeführte Militärallianz, die auch am Wochenende neue Luftangriffe auf IS-Stellungen flog.

kha/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.