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Syrisch-türkische Grenzregion IS nimmt kurdisches Hauptquartier in Kobane ein

Die Kämpfer des "Islamischen Staats" rücken weiter vor: Offenbar haben sie das kurdische Hauptquartier in der Stadt Kobane eingenommen. Zudem sollen sie laut Aktivisten eine wichtige Verbindungsstraße in die Türkei unter Beschuss genommen haben.

Berlin/Kobane - Der Kampf um die syrisch-türkische Grenzstadt Kobane wird immer dramatischer: Laut Aktivisten hat die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) das Hauptquartier der kurdischen Streitkräfte erobert. Die Dschihadisten hätten die Kommandozentrale eingenommen, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Freitag.

Seit Montag gibt es erbitterte Straßenkämpfe in Kobane, wobei die Dschihadisten trotz internationaler Luftangriffe auf ihre Versorgungslinien immer wieder vorrückten. Bereits am Donnerstag hatten die IS-Milizen trotz heftiger Gegenwehr das Hauptquartier der kurdischen Polizei eingenommen, das ebenso wie die Kommandozentrale der Volksverteidigungseinheiten (YPG) im sogenannten Sicherheitskarree liegt. Dort befindet sich auch der Gemeinderat der Stadt.

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Kobane: Erbitterter Kampf um die Grenzstadt

Foto: ARIS MESSINIS/ AFP

Nach Angaben kurdischer Aktivisten hat die IS am Freitag zudem mit massiven Angriffen auf eine wichtige Verbindungsstraße zur türkischen Grenze begonnen, um die letzte Kurdenbastion in der Region gänzlich von der Außenwelt abzuschneiden. Die Dschihadisten haben die Stadt bereits von drei Seiten umstellt.

Sollte der IS Kobane erobern, hätten die sunnitischen Extremisten einen durchgängigen Grenzstreifen zur Türkei unter ihrer Kontrolle. In Syrien und im Irak haben sie seit Juni in weiten Landstrichen die Macht inne. Im Irak sind es vor allem große Teile der von Sunniten bewohnten Gebiete im Norden und in der westirakischen Provinz Anbar.

Mehr als 30 Tote bei Protesten in der Türkei

In der Türkei kosten die Proteste gegen die türkische Untätigkeit im Kampf um Kobane immer mehr Menschen das Leben. Inzwischen seien bei Zusammenstößen vor allem im kurdisch geprägten Südosten des Landes 31 Menschen getötet worden, sagte Innenminister Efkan Ala in Ankara nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu. Zusätzlich seien am Donnerstag zwei Polizisten in Ostanatolien erschossen worden. 360 Menschen seien verletzt worden, darunter 139 Polizisten.

Die USA und ihre Verbündeten setzten den Luftkrieg gegen den IS in der Nacht zum Freitag fort. Laut den Menschenrechtsbeobachtern wurden dabei zwei Stellungen der Dschihadisten im Osten Kobanes und einer im Süden der Stadt getroffen. Am Donnerstag seien neun Ziele im Norden und Süden beschossen worden, teilte das Zentralkommando des US-Militärs in Tampa (Florida) mit. Dabei seien mehrere von dem IS genutzte Gebäude sowie Panzer der Terrormiliz zerstört worden. Die US-Regierung kündigte an, ihre Zusammenarbeit mit der Türkei im Kampf gegen den IS verstärken zu wollen.

flo/dpa/Reuters/AFP