Kobane Kurden werfen IS-Terroristen Einsatz von Giftgas vor

Atemnot, Ohnmacht, tränende Augen - zahlreiche Menschen in Kobane sollen diese Symptome zeigen. Augenzeugen werfen dem "Islamischen Staat" vor, Chemiewaffen eingesetzt zu haben. Ärzte können dies noch nicht bestätigen.
Explosion in Kobane: Kurden fürchten Einsatz von C-Waffen

Explosion in Kobane: Kurden fürchten Einsatz von C-Waffen

Foto: BULENT KILIC/ AFP

UPDATE: Zu dieser Meldung gibt es einen neuen Informationsstand, demnach dementieren Beobachter einen Giftgasangriff in Kobane.


Kobane - Augenzeugen in der umkämpften syrischen Stadt Kobane berichten von dramatischen Ereignissen: In der Nacht zum Mittwoch sollen zahlreiche Bewohner Ohnmachtsanfälle und Atemnot erlitten haben. Andere erlitten Verbrennungen, auch von tränenden Augen und geschwollenen Lippen ist die Rede.

Die Kurden, die den Großteil von Kobane kontrollieren, werfen den Milizen des "Islamischen Staats" (IS) den Einsatz von Chemiewaffen vor. Darauf sollen die Symptome bei den Patienten hindeuten. Die Dschihadisten versuchen seit Wochen, den Ort an der syrisch-türkischen Grenze zu erobern. Zuletzt wurden sie von den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG), die am Boden kämpfen, sowie der US-geführten Koalition, die aus der Luft angreift, zurückgedrängt.

Den Ärzten im Krankenhaus von Kobane fehlen die Mittel, um zu überprüfen, ob die IS-Terroristen tatsächlich Giftgas oder eine andere Substanz eingesetzt haben. "Es ist zu früh, das zu bestätigen", sagte ein Mediziner aus der Stadt der Journalistin Jenan Moussa  via Telefon. "Es gab schon früher Fehlalarm hinsichtlich des Einsatzes von Chemiewaffen."

IS-Kämpfer kontrollieren ehemalige Chemiewaffenanlage

Eine Vertreterin der kurdischen Selbstverwaltung in Kobane kündigte an, dass die Opfer des mutmaßlichen Giftgasangriffs in ein Krankenhaus in der türkischen Stadt Suruc gebracht werden sollten. Dort sollten die Mediziner prüfen, welche Substanz die geschilderten Symptome ausgelöst hat.

Ein Arzt in Kobane forderte die USA auf, aus der Luft medizinische Ausrüstung abzuwerfen, mit der die Patienten behandelt werden können. Der Mediziner sagte der BBC, bei der eingesetzten Substanz könne es sich um eine Chemiewaffe, Chlorgas oder Phosphor gehandelt haben.

Seit Monaten haben sich Gerüchte gehäuft, dass der IS Chemiewaffen besitzen könnte. Im Juni eroberten die Dschihadisten die Anlage Muthanna im Irak, in der Saddam Hussein in den Achtzigerjahren Massenvernichtungswaffen entwickeln ließ. Sollten die Terroristen dort oder an anderen Orten unbeschädigte Senfgasgeschosse gefunden haben, könnten sie diese nach Einschätzung von Experten auch verwenden. Allerdings gilt es zumindest bei der Anlage in Muthanna als äußerst unwahrscheinlich, dass es dort noch brauchbare Chemie-Munition gab.

In den vergangenen Wochen haben IS-Kämpfer offenbar bereits mehrfach Chlorgas gegen die irakische Armee eingesetzt.

syd
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