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Beobachter 800 Menschen sollen bei Kämpfen in Kobane getötet worden sein

Seit Wochen kämpfen in der nordsyrischen Stadt Kobane Kurden gegen die Extremisten des "Islamischen Staats". Die schockierende Bilanz: Mehr als 800 Menschen sollen laut Beobachtern getötet worden sein, die meisten Opfer sind wohl IS-Kämpfer.

Kobane/Washington - Seit September belagern die Kämpfer der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) Kobane. Fast genauso lange ist die Stadt an der türkisch-syrischen Grenze Ziel von Luftschlägen. In den Kriegswirren sind allein während der vergangenen 40 Tage mehr als 800 Menschen getötet worden. Das berichtet die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Bestätigungen für diese Zahlen gibt es bislang nicht.

Unter den Toten sollen sich demnach 481 Angreifer des IS befinden. Von den Verteidigern der kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) seien 302 Kämpfer ums Leben gekommen. Außerdem seien elf YPG-Unterstützer und 21 Zivilisten getötet worden.

Am Sonntag flogen das US-Militär und seine Verbündeten erneut Angriffe. Die amerikanische Luftwaffe habe fünf Ziele bei Kobane angegriffen, teilte das U.S. Central Command in Washington mit. Dabei seien sieben Fahrzeuge und ein Gebäude des IS zerstört worden. Gemeinsam mit den Alliierten habe man außerdem zwölf Ziele im Irak bombardiert.

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Kobane: Hunderte Tote in wenigen Wochen

Foto: Sedat Suna/ dpa

Die kurdischen Kämpfer verzeichneten vorher einen kleinen Erfolg. Am Samstag hatten sie die Stadt Sumar im Nordirak zurückerobert. Unterstützt durch Angriffe der US-Luftwaffe sei es gelungen, die IS-Extremisten aus dem Zentrum von Sumar und aus elf umliegenden Dörfern zu vertreiben, sagte Peschmerga-General Karim Atuti. Auch aus der Mitte des Landes meldeten Regierungsstellen Erfolge im Kampf gegen den IS. Am Samstag hätten irakische Sicherheitskräfte den IS aus der Stadt Dschurf al-Sakhar nahe Bagdad zurückgedrängt.

Auch am Freitag und Samstag flogen die USA und mehrere verbündete Staaten Luftangriffe. Insgesamt gab es nach US-Angaben 22 Schläge gegen Stellungen der Dschihadisten im Irak.

Peschmerga-Soldaten werden in Kobane erwartet

In Kobane wurden am Sonntag 150 schwerbewaffnete kurdische Peschmerga-Soldaten erwartet. Das erste Kontingent werde vom Bruder des irakischen Kurdenpräsidenten Massud Barsani befehligt, bis zu tausend Peschmergas könnten folgen, berichtete die kurdische Nachrichtenagentur Rudaw.

Die syrisch-kurdischen Einheiten in Kobane hoffen, durch die Verstärkung ihrer irakischen Unterstützer die zahlenmäßig und von der Ausrüstung überlegenen IS-Dschihadisten weiter aus der Stadt zurückdrängen zu können.

Die Peschmerga sollen über die türkische Grenze nach Kobane gelangen. Doch das will der IS verhindern: In der Nacht zu Samstag feuerte er mit schwerer Artillerie auf die einzige noch offene Verbindungsroute. Die türkischen Streitkräfte ließen daraufhin die Hügel an der Grenze räumen, von denen aus Journalisten die Kämpfe beobachten, wie Reporter vor Ort berichteten.

gam/dpa/AFP