Beobachter 800 Menschen sollen bei Kämpfen in Kobane getötet worden sein

Seit Wochen kämpfen in der nordsyrischen Stadt Kobane Kurden gegen die Extremisten des "Islamischen Staats". Die schockierende Bilanz: Mehr als 800 Menschen sollen laut Beobachtern getötet worden sein, die meisten Opfer sind wohl IS-Kämpfer.


Kobane/Washington - Seit September belagern die Kämpfer der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) Kobane. Fast genauso lange ist die Stadt an der türkisch-syrischen Grenze Ziel von Luftschlägen. In den Kriegswirren sind allein während der vergangenen 40 Tage mehr als 800 Menschen getötet worden. Das berichtet die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Bestätigungen für diese Zahlen gibt es bislang nicht.

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Heft 44/2014
Der IS-Vormarsch und der einsame Kampf der Kurden

Unter den Toten sollen sich demnach 481 Angreifer des IS befinden. Von den Verteidigern der kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) seien 302 Kämpfer ums Leben gekommen. Außerdem seien elf YPG-Unterstützer und 21 Zivilisten getötet worden.

Am Sonntag flogen das US-Militär und seine Verbündeten erneut Angriffe. Die amerikanische Luftwaffe habe fünf Ziele bei Kobane angegriffen, teilte das U.S. Central Command in Washington mit. Dabei seien sieben Fahrzeuge und ein Gebäude des IS zerstört worden. Gemeinsam mit den Alliierten habe man außerdem zwölf Ziele im Irak bombardiert.

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Kobane: Hunderte Tote in wenigen Wochen
Die kurdischen Kämpfer verzeichneten vorher einen kleinen Erfolg. Am Samstag hatten sie die Stadt Sumar im Nordirak zurückerobert. Unterstützt durch Angriffe der US-Luftwaffe sei es gelungen, die IS-Extremisten aus dem Zentrum von Sumar und aus elf umliegenden Dörfern zu vertreiben, sagte Peschmerga-General Karim Atuti. Auch aus der Mitte des Landes meldeten Regierungsstellen Erfolge im Kampf gegen den IS. Am Samstag hätten irakische Sicherheitskräfte den IS aus der Stadt Dschurf al-Sakhar nahe Bagdad zurückgedrängt.

Auch am Freitag und Samstag flogen die USA und mehrere verbündete Staaten Luftangriffe. Insgesamt gab es nach US-Angaben 22 Schläge gegen Stellungen der Dschihadisten im Irak.

Peschmerga-Soldaten werden in Kobane erwartet

In Kobane wurden am Sonntag 150 schwerbewaffnete kurdische Peschmerga-Soldaten erwartet. Das erste Kontingent werde vom Bruder des irakischen Kurdenpräsidenten Massud Barsani befehligt, bis zu tausend Peschmergas könnten folgen, berichtete die kurdische Nachrichtenagentur Rudaw.

Die syrisch-kurdischen Einheiten in Kobane hoffen, durch die Verstärkung ihrer irakischen Unterstützer die zahlenmäßig und von der Ausrüstung überlegenen IS-Dschihadisten weiter aus der Stadt zurückdrängen zu können.

Die Peschmerga sollen über die türkische Grenze nach Kobane gelangen. Doch das will der IS verhindern: In der Nacht zu Samstag feuerte er mit schwerer Artillerie auf die einzige noch offene Verbindungsroute. Die türkischen Streitkräfte ließen daraufhin die Hügel an der Grenze räumen, von denen aus Journalisten die Kämpfe beobachten, wie Reporter vor Ort berichteten.

Bürgerkrieg gegen den IS

gam/dpa/AFP

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bazingabazinga 26.10.2014
1. Da sieht man wie westliche Medien das Thema aufgebauscht haben
Die Zivilisten aus Kobane sind längst in Sicherheit in der Türkei! Die Türkei versorgt die Flüchtlinge. In der Stadt sind nur noch PKK-nahe syrische Kämpfer. ------ Die USA und EU-Staaten sind im Gegensatz zur Türkei gegen Bodentruppen und eine Schutzzone. Die türkischen Vorschläge würden den IS schlagen und langfristig fern halten. Stattdessen gibt es Luftangriffe, die langfristig nichts bringen. Die westlichen Journalisten feuern diese falsche Politik aus der sicheren Türkei an. Im Rest des Landes Syrien und vor allem im Irak sterben Zivilisten, weil US-Streitkräfte sich mit dem längst menschenleeren Kobane aufhalten. Und Deutschland kann nichts besser als die Türkei zu kritisieren. Selbst bei der Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland gibt es Riesenprobleme.
recepcik 26.10.2014
2. @bazingabazinga
Das hättet ihr wohl gerne. Bodentruppen um den kurdischen Teil von Syrien zu besetzen. Da Erdogan die IS mitgegründet hat kennt er vielleicht ihre Schwächen. Aber wenn er gegen 49 Geiseln 180 Dschihadisten freilässt oder Lösegeld zahlt wird das nichts. Woher hat die IS die Munition für die Granatwerfer? Wieviel Lkw Munition hat die IS von der Türkei bekommen? Was hat die Türkei bis jetzt gegen die IS unternommen damit man ihr glaubt? Hat sie die löchrigen Grenzen für die IS geschlossen? Was hat sie gegen Rekrutierungen in Istanbul und Ankara unternommen? Hat sie die Rekrutierungsbüeos der IS geschlossen? Es gibt keinen einzigen Grund der Aufrichtigkeit der Türkei zu glauben.
thinking_about 26.10.2014
3. Meldung aus dem Irak
Die irakische Armee hat zwei Ortschaften auf der Straße zwischen Tikrit (140 Kilometer nordwestlich von Bagdad) und Baidschi in der Provinz Salach ed-Din von Kämpfern der terroristischen Organisation Islamischer Staat (IS) befreit und mehr als 300 IS-Kämpfer getötet, wie der Pressedienst des irakischen Verteidigungsministeriums mitteilt. In der Mitteilung wird betont, dass auch einige IS-Feldkommandeure getötet wurden. Eine groß angelegte Operation zur Befreiung der nördlichen Randgebiete von Tikrit, die von IS-Kämpfern im Juni besetzt worden waren, begann vor einer Woche.
rkinfo 26.10.2014
4. Wohnrecht für die Bewohner
Zitat von bazingabazingaDie Zivilisten aus Kobane sind längst in Sicherheit in der Türkei! Die Türkei versorgt die Flüchtlinge. In der Stadt sind nur noch PKK-nahe syrische Kämpfer. ------ Die USA und EU-Staaten sind im Gegensatz zur Türkei gegen Bodentruppen und eine Schutzzone. Die türkischen Vorschläge würden den IS schlagen und langfristig fern halten. Stattdessen gibt es Luftangriffe, die langfristig nichts bringen. Die westlichen Journalisten feuern diese falsche Politik aus der sicheren Türkei an. Im Rest des Landes Syrien und vor allem im Irak sterben Zivilisten, weil US-Streitkräfte sich mit dem längst menschenleeren Kobane aufhalten. Und Deutschland kann nichts besser als die Türkei zu kritisieren. Selbst bei der Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland gibt es Riesenprobleme.
'Flüchtlinge' aufzunehmen löst den Konflikt nicht und gerade auch für Europa/Deutschland eine schlechte Lösung. Häuserkampf ist immer sehr blutig und brutal sodass die Verteidigung der Stadt mehr Sinn ergibt als sie später wieder blutig einnehmen zu müssen. Die Türkei ist nur begrenzt sicher für Kurden da dort Islamismus und teils Toleranz-Verständnis für die IS herrscht. Insgesamt sind die Verwicklungen IS zu Arabien und IS-Fanclubs nichts für eine dauerhafte Lösung ohne Kurdenstaat oder zumindest Autonomiegebiete. Zukunftsorientierte Kurdenpolitik ist (aktuell) mit den Türken nicht zu machen. 'Menschenleer' ist Kobane nun wirklich nicht - sonst könnte die IS-Satanisten ja einfach einmarschieren. Es klappt in Kobane also waren die US-Aktionen auch bisher erfolgreich.
alyeska 26.10.2014
5. Kobane darf nicht fallen!
Denn das hätte verheerende Folgen für die ganze Region. Man sollte auch die psychische Wirkung einer Niederlage von Kobane nicht unterschätzen. Jeder noch so kleine Sieg über die IS, ist ein großer Sieg für die Menschlichkeit.
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