Hilfe für Kurden Syrische Rebellen wollen 1300 Kämpfer nach Kobane schicken

Die Freie Syrische Armee will den kurdischen Verteidigern von Kobane zu Hilfe eilen. Dafür soll die US-Armee den Anti-Assad-Kämpfern den Weg freischießen. Das Pentagon ist optimistisch, dass der IS zurückgedrängt werden kann.

FSA-Kämpfer in Syrien: Unterstützung für die Kurden in Kobane
REUTERS

FSA-Kämpfer in Syrien: Unterstützung für die Kurden in Kobane


Kobane - Die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) in Kobane warten seit Wochen auf Verstärkung - nun könnten bald zusätzliche Kräfte eintreffen. Rebellen der Freien Syrischen Armee (FSA) haben angekündigt, 1300 Kämpfer in die eingeschlossene Stadt zu schicken.

Die YPG hätten der Entsendung der Kämpfer bereits zugestimmt, sagte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. Die Kurden in Kobane widersprachen dieser Darstellung in Teilen: "Wir stehen in Kontakt mit der FSA aber wir haben noch keine Einigung erzielt", sagte ihr Sprecher Salih Muslim.

Die Regierung in Ankara unterhält seit langem enge Beziehungen zur FSA und unterstützt sie im Kampf gegen den syrischen Machthaber Baschar al-Assad. Dagegen betrachtet die Türkei die YPG als terroristische Organisation.

Mehrere Einheiten der Aufständischen aus der Provinz Aleppo, die seit etwa drei Jahren gegen das Regime von Baschar al-Assad kämpfen, hätten sich zu diesem Schritt entschlossen, teilte die FSA-Führung mit. Unklar ist derzeit noch, wie die Kämpfer nach Kobane gelangen sollen. Zwei Möglichkeiten gibt es: Entweder werden sie über die Türkei in die Stadt gebracht, oder sie müssen sich den Weg durch Gebiete freikämpfen, die unter der Kontrolle des "Islamischen Staats" (IS) stehen.

Offenbar wollen die FSA-Einheiten genau diesen Weg nehmen: Denn die Rebellen forderten die US-geführte Anti-IS-Koalition auf, den Aufständischen Hilfe zu leisten.

"Die Front hat sich stabilisiert"

Die angekündigte Verlegung von kurdischen Peschmerga-Kämpfern aus dem Nordirak nach Kobane verzögert sich derweil weiter. Vertreter der kurdischen Autonomieregierung in Arbil sagten, etwa 200 ausgebildete Kämpfer sollten in der kommenden Woche mit schweren Waffen in der Stadt eintreffen. Auch Artilleriegeschütze und panzerbrechende Munition sollen die Einheiten nach Kobane bringen.

Die USA sehen die Gefahr gebannt, dass der Grenzort rasch an den IS fallen könnte. "Mit den anhaltenden Luftangriffen zur Unterstützung der kurdischen Kämpfer, die die Stadt kennen, hat sich die Front stabilisiert", hieß es am Donnerstag aus Kreisen der US-Regierung und der Militärführung in Florida.

Es scheine, als könnten die Kurden trotz der Verstärkung der IS-Kämpfer vor Ort einen Teil des Geländes halten, solange sich die Dynamik der Gefechte nicht verändere. Völlig gebannt sei die Gefahr eines Falls von Kobane aber nicht. "Kobane könnte fallen, aber die Kurden kämpfen momentan sehr gut", sagte ein Militär. "Die Gefahr hat abgenommen."

syd/dpa/Reuters

insgesamt 84 Beiträge
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Stefan_C 24.10.2014
1. Wendepunkt?
Kobane kann ein Wendepunkt sein: die vermeintliche Unbesiegbarkeit des IS erhält erhebliche Kratzer. Wenn dann noch al-Bagdadi diesen Imageverlust nicht erleiden möchte, könnte er gewillt sein, mehr schweres militärisches Gerät und mehr Kämpfer nach Kobane zu befördern. Das Gerät wäre dann willkommende Zielscheibe der Flugzeuge und der Blutzoll auf seiten des IS würde auch zunehmen, denn schon bisher haben sie ein sehr schlechtes Opfer-Verhältnis von 1:3 bis 1:4. Hoffentlich lässt er sich dazu hinreissen.
tinosaurus 24.10.2014
2. Endlich
mal eine gute Meldung. Nur sind Zweifel angebracht, inwieweit die Türkei es ernst meint mit der Unterstützung der Peschmerga-Kämpfer. Noch ungünstiger für Erdogan dürfte die angekündigte Unterstützung der FSA sein. Offenbar vertrauen die auch nicht mehr auf eine Hilfe der Türken und bevorzugen lieber den gefährlicheren Weg. Jetzt darf man wirklich gespannt sein, wie Erdogan das alles aufnimmt und kommentiert. Seine Behinderungen und Täuschungen kann er jetzt nicht mehr so ausspielen. Ein bemerkenswerter Beitrag der FSA-Rebellen. Die kämpfen ja klar gegen Assad, also dürfte und sollte es im Sinne Erdogans sein. Die Zwickmühle für ihn ist nun perfekt.
vokö¶ 24.10.2014
3. Danke!
Die Kurden verdienen unsere größte Dankbarkeit und unseren Respekt, wenn es ihnen gelingt, die IS-Terrorosten zu stoppen und damit zu zeigen, dass IS nicht unbesiegbar ist. Sie verteidigen damit auch unsere Freiheit. Sie zeigen, dass man Erfolg hat, wenn man mit ganzem Herzen für seine Feiheit kämpft... Wir hätten mehr tun müssen, um sie unterstützen. Wenn Kobane fällt und es wieder ein Massaker gibt, wäre das eine Schande auch für uns.
PentagoonRaider 24.10.2014
4. Vorsicht bei diesen Jungs,
deren Chef hat vor wenigen Wochen noch erklaert, wie gut er mit AL Nusra (Qaeda) und IS zusammenarbeitet, und dass er die Scharia fuer Syrien will - diese Leute sind eindeutig Islamisten. Hier ist wohl die Angst, dass ISIS alles vereinnahmt, der Ausloeser, gepaart mit extrem schlechten Karten in Aleppo und etwas US-Prodding. Aber die USA sehen ja in dieser Klemme momentan schon Al Nusra (den Spross von Al Qaeda) als foerdeungswuerdig-moderat. In Kobane hingegen gibt es was zu gewinnen - klar. PR-Aktionen von muslimischen "Mudjaheddin" und "Freiheitskaempfern" aller Art sollten wir heutzutage mit gesundem Misstrauen entgegenblicken. Wir sind ja nicht voellig lernresistent...
cknumbaone 24.10.2014
5. Taktik
Schön dass der IS die geplanten Aktivitäten aus der Presse entnehmen kann. So können die sich wunderbar darauf vorbereiten.
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