Auftritt in Köln Türkischer Minister appelliert an deutsche Medien

Bei einem Auftritt in Köln appellierte der türkische Sportminister Akif Cagatay Kilic an die deutschen Medien: Sie sollten sich um mehr Verständnis für die Reaktionen Erdogans auf den gescheiterten Putsch bemühen.

Türkischer Sportminister Akif Cagatay Kilic in Köln
DPA

Türkischer Sportminister Akif Cagatay Kilic in Köln


Der türkische Sportminister Akif Cagatay Kilic hat in Köln an die deutschen Medien appelliert, sich um ein besseres Verständnis der Putschnacht in der Türkei zu bemühen. Das türkische Volk habe damals durch sein mutiges Eingreifen verhindert, dass die Putschisten Demokratie und Rechtsstaat abgeschafft hätten, sagte Kilic vor etwa 400 Zuhörern in einem Saal im Zentrum von Köln.

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Heft 11/2017
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Der in Nordrhein-Westfalen aufgewachsene Politiker bedankte sich bei den deutschen Medien in fließendem Deutsch für ihr Kommen. "Ich glaube, es ist sehr wichtig, dass wir heute Abend hier in Deutschland zusammenkommen können", sagte er und dankte dafür auch der Stadt Köln. "Ich glaube, dass unsere deutschen Freunde von hier etwas mitnehmen werden." Er betonte: "Ich werde heute keine politischen Themen ansprechen."

Die Veranstaltung, bei der Kilic sprach, hatte den Titel "Helden unter uns. 15 Juli". Der 15. Juli ist das Datum des gescheiterten Putschversuches im vergangenen Jahr. Vor und nach der Ministerrede wurden Filme gezeigt, die die Niederringung der Putschisten priesen und Präsident Recep Tayyip Erdogan feierten. Der Vermieter des Saals hatte vorher betont, ihm sei eine Kulturveranstaltung zugesichert worden.

Der Veranstalter des Abends war ein Zusammenschluss verschiedener Organisationen, der sich "Demokratieplattform gegen den Putsch" nennt. Eine Sprecherin sagte, es gehe darum, in der deutsch-türkischen Gesellschaft die Vorgänge der Putschnacht aufzuarbeiten.

Seit dem gescheiterten Putsch geht die türkische Führung hart gegen mutmaßliche Putschisten, Kritiker und Kurden vor. Tausende sind in Haft oder suspendiert. Es gilt noch immer der Ausnahmezustand.

Türkische Minister hatten zuletzt in Deutschland mehrfach für Erdogans Verfassungsreform werben wollen, die ihm mehr Macht verleihen würde und über die im April auch in Deutschland lebende Türken abstimmen können. Deutsche Kommunen hatten den Ministern aber Auftrittsorte abgesagt. Ankara sprach daraufhin von Nazi-Methodik. Die Beziehungen beider Länder sind erheblich belastet, auch wegen der Inhaftierung des Korrespondenten der "Welt" Deniz Yücel.

aev/dpa

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