Bhumibols Geburtstag Thailands Rebellion macht für den König Pause

Thailand ist gespalten: Demonstranten wollen die Regierung aus dem Amt jagen. Doch am Tag des Geburtstags von König Bhumibol verneigen sich die Menschen gemeinsam vor dem kranken Monarchen. Sein ungeklärtes Erbe könnte das Land weiter ins Chaos stürzen.

REUTERS

Bangkok - "Die Schlacht", wie Suthep Thaugsuban die Anti-Regierungsproteste in Thailand nennt, macht Pause am Donnerstag. Der 5. Dezember ist für Thailand ein besonderes Datum: König Bhumibol Adulyadej feiert Geburtstag, er wird 86. Traditionell hält der dienstälteste König der Welt an seinem Ehrentag eine Rede.

Alle seien für Stabilität und Sicherheit des Landes verantwortlich, mahnt der Monarch. "Jeder Thai sollte sich dessen bewusst sein und seinen Beitrag zum Wohle des Landes leisten". Auf die tagelangen Unruhen, bei denen fünf Menschen bereits starben, geht der hoch angesehene König aber nicht direkt ein. Während der Zeremonie anwesend ist auch die umstrittene Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra, die Protestführer Suthep und seine Demonstranten aus dem Amt jagen wollen.

Aber das hat Zeit bis Freitag, dann werden Sutheps Anhänger unter seiner Führung wieder die Proteste aufnehmen. Nach ihrem Willen soll an Stelle der Regierung eine "wahre konstitutionelle Monarchie" mit einem "Volksrat" an der Spitze die Geschicke des südostasiatischen Landes lenken.

Ergreift die Armee die Macht?

Verkehrte Welt in Thailand: Ein prominentes Mitglied der Demokratischen Partei möchte die Demokratie abschaffen und nur noch die Vertreter der Elite entscheiden lassen. Wie der Konflikt ausgehen wird, ist ungewiss.

Fachleute in Bangkok halten es nicht für ausgeschlossen, dass die Armee die Macht ergreift - so wie sie es in den vergangenen Jahrzehnten schon viele Male und zuletzt 2006 tat. Damals musste Ministerpräsident Thaksin Shinawatra wegen korrupter Machenschaften sein Amt abgeben.

Doch inzwischen führt seine Schwester das Kabinett. Ihre Gegner vermuten wohl zurecht, sie sei lediglich eine Marionette ihres Bruders, der aus dem Exil die Fäden in der Hand halte. Immerhin: Sie erzielte bei halbwegs demokratischen Wahlen 2011 die Mehrheit.

Bevor sie Ministerpräsidentin wurde, hatten sich 2010 "Gelbhemden" (Thaksin-Gegner) und "Rothemden" (Thaksin-Anhänger) auf den Straßen Bangkoks heftig bekämpft, bis die Armee eingriff: Geschäftshäuser im Zentrum gingen in Flammen auf, 90 Menschen starben.

Rivalisierende Lager

Die jüngsten Auseinandersetzungen in Bangkok sind nach Ansicht vieler Beobachter das vorläufig letzte Kapitel eines "schwelenden Bürgerkriegs". Hinter "Gelbhemden" und "Rothemden" verbergen sich zwei rivalisierende Bevölkerungsgruppen: die städtische Mittelklasse, wie Offiziere, Beamte, Geschäftsleute und Royalisten auf der einen und Millionen Bauern aus dem traditionell armen Nordosten auf der anderen Seite. Die fühlen sich als Bürger zweiter Klasse behandelt - als billige Arbeitskräfte, die für den Wohlstand der Städter sorgen, ohne genug Mitsprache zu haben.

Viele von ihnen sehen in Thaksin und seiner Schwester Heilsbringer, die ihnen mit Zuschüssen für den Arztbesuch und subventionierten Ernteerlösen zu einem besseren Leben verhalfen. Das städtische Establishment hingegen interpretiert diese Politik als populistisches Ablenkungsmanöver der Thaksins, die sich versuchen an der Macht zu halten.

An diesem Donnerstag treten die Rivalitäten - zumindest für ein paar Stunden - in den Hintergrund. Tausende Thailänder strömen in den Badeort Hua Hin, wohin sich der König nach einem mehrjährigen Krankenhausaufenthalt zurückgezogen hat. Er ist inzwischen nur noch selten in der Öffentlichkeit zu sehen. Viele der Menschen halten Bilder des Monarchen in den Händen, andere tragen Plakate mit sich, auf denen sie Bhumibol Gesundheit und ein noch langes Leben wünschen.

Kampf um Bhumipols Erbe

König Bhumipol genießt unter vielen Bürgern hohen Respekt, gilt als weise und - trotz seines Milliardenvermögens - als bescheiden. Seine Kritiker werfen ihm allerdings vor, eine rückwärtsgewandte Monarchie zu repräsentieren, die ihre Macht auf die Armee und reiche Geschäftsleute stützt. Allerdings können sie diese Vorwürfe aus Furcht vor einer Anklage wegen Majestätsbeleidigung nicht öffentlich äußern.

Sein Tod könnte das Land womöglich noch tiefer ins Chaos gleiten lassen. "Bhumibols größter grundlegender Fehler ist die Achillesferse jeder Monarchie: Er hat es nicht geschafft, für eine ordentliche Nachfolgeregelung zu sorgen - an einen weisen, selbstlosen und freigiebigen König wie er selbst", schreibt Paul M. Handley, Autor der Bhumibol-kritischen Biographie: "The King Never Smiles" ( "Der König lächelt nie").

Viele Thailänder fürchten einen Kampf um sein Erbe: zwischen dem unpopulären Kronprinz Vajiralongkorn, 61, und seiner beliebteren Schwester Sirindhorn, 58. Innerhalb der Armee werden, so das Schreckensszenario, Pro-Prinz- und Pro-Prinzessin-Fraktionen gewaltsam um die Vorherrschaft streiten.

Mit Material von dpa und AFP

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Seite 1
eaglereno 05.12.2013
1. Komisches Land!
Suthep wird per Haftbefehl gesucht, macht aber augen- scheinlich was er will.
fxe1200 05.12.2013
2. So isses
Zitat von eaglerenoSuthep wird per Haftbefehl gesucht, macht aber augen- scheinlich was er will.
Thaksin wird auch per Haftbefehl gesucht, macht auch was er will, aber ist schon weg. T.I.T This is Thailand
grubersam 05.12.2013
3. Wahl zwischen Pest und Cholera
Der Artikel beschreibt zutreffend das Dilemma in Thailand. Dass ausgerechnet die demokratische Partei die Abschaffung der Demokratie fordert, klingt paradox und geschieht doch nicht ohne Grund. Solange in Thailand jede Wahl von dem entschieden wird, der mehr Waehler bestechen kann, solange kann nicht von einer gewaehlten Demokratie ausgegangen werden. Suthep Taugsuban als Anfuehrer dieses neuerlichen Protestes ist das natuerlich bewusst. Der geschasste und landesfluechtige Taksin Shinawatra zieht seit seiner Flucht weiter die Faeden in Thailand. Seine Schwester ist mit seinem Geld an die Macht gekommen und fuehrt seine Politik fort. Diese hat dazu gefuehrt, dass in der Tat die Bauern in Nordostthailand eine fast religioese Verehrung fuer Taksin empfinden und das buergerliche Lager in Bangkok und in Suedthailand mit den Geldern der Monarchisten genau das bekaempft. Wir haben in Thailand nun eine brandgefaehrliche Situation. Zwei voellig unvereinbare Lager, einen kraenkelnden Monarchen und keine geloeste Nachfolgefrage. Den meisten Thais wird das erst bewusst werden, wenn der Tag X eintritt und dann keine regulative Kraft einen Buergerkrieg verhindern kann.
laubfrosch69 05.12.2013
4. Das Erbe des Königs ist nicht ungeregelt!
Abgesehen davon gilt es in Thailand als Sakrileg über einen Nachfolger zu spekulieren, wenn der amtierende König noch lebt - wahrscheinlich gibt es dann ein paar Strafreinkarnationen :) - Nichtsdestotrotz ist alles geregelt. Es gibt einen Kronprinzen, der wiederum sogar EINEN legitimen Sohn hat - der ist noch ein bißchen jung. Eine Frau ist an der Spitze nicht vorgesehen -das geht aus religiösen Gründen nicht, da der König gleichzeitig das religiöse Oberhaupt der thailändischen Buddhisten ist - sowas wie der Dalei Lama. - Also weite Teile des Artikels sind somit reine "Spökenkiekerei".
Sam M. 05.12.2013
5. Stimmt alles nicht so ganz...
So ist z.B. die Nachfolge des Herrschers klar geregelt. Mit Google laesst sich leicht die derzeit geltende Verfassung Thailands finden, in der zu dem Thema klare Aussagen stehen, ebenso ein Gesetz genau zu dem Thema aus dem Jahre 1924, das mit leichten Abwandlungen immer noch gilt. Und die Nachfolge ist eben kein Schoenheitswettbewerb, den die beliebtere Person entscheidet. Der Koenig benennt einen maennlichen Thronfolger, heisst es da. Das ist doch eindeutig genug, oder? Und was die politischen Auseinandersetzungen angeht, so hat die Armee 2010 auf Befehl der Regierung eingegriffen, das war keine eigenstaendige Aktion, a.k.a. Coup... Ansonsten langweilt es, wieder und wieder auf den Widerspruch zwischen Demokratie und Stimmenkauf hinzuweisen. Letzteres passt aber besser zur Kleptokratie, in Thailand auch bekannt als "System Taksin". Und last not least, die Democrat Party muesste eigentlich korrekt die Royalistische Partei heissen, aber um das zu verstehen, muesste man - auch als Journalist - in der Geschichte Thailands bis 1932 zurueckgehen...
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