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Körpersprache von Politikern: Die Gesten-Analysen des Pentagon

Foto: Susan Walsh/ AP/dpa

Körpersprache-Analysen der US-Regierung Männer, die auf Putin starren

Das US-Verteidigungsministerium gibt mehrere hunderttausend Dollar im Jahr aus, um Gestik und Mimik von Russlands Präsident Putin und anderen Spitzenpolitikern zu untersuchen. Ziel: besser verstehen, wie und warum sie ihre Entscheidungen treffen.

Washington - Dass die US-Regierung großen Aufwand betreibt, um Details über ausländische Spitzenpolitiker zu erfahren, ist bereits bekannt. Neu ist hingegen, dass dafür nicht nur Telefone belauscht werden. So versucht das US-Verteidigungsministerium seit Jahren, anhand der Körpersprache von Staats- und Regierungschefs zu erkennen, was diese im Schilde führen könnten.

Nach Angaben von Ministeriumssprecher John Kirby gibt das Pentagon seit 2009 jedes Jahr 300.000 Dollar für Verhaltensanalysen ausländischer Spitzenpolitiker aus. "Es ist ein Forschungsprogramm, das die Bewegungen und die Körpersprache verschiedener Akteure der Weltpolitik untersucht, um besser zu verstehen, wie sie ihre Entscheidungen treffen", sagte er.

Verantwortlich für das Programm soll das Office of Net Assessments sein, eine Art pentagoninterne Ideenschmiede. Kirby betonte, dass das "Profiling" keineswegs dazu diene, konkrete politische oder militärische Entscheidungen vorzubereiten.

Putin und Medwedew unter den Zielpersonen

Verteidigungsminister Chuck Hagel habe selbst erst durch einen Zeitungsbericht von dem Programm erfahren, sagte Kirby. Demnach dient das Programm vorwiegend zu Forschungszwecken. Zu den Zielpersonen gehören dem Sprecher zufolge Russlands Präsident Wladimir Putin sowie Ministerpräsident Dmitrij Medwedew.

Die Nachrichtenagentur AFP, die sich auf Sicherheitskreise bezieht, nennt die Zahl von insgesamt 15 Spitzenpolitikern, von denen es psychologische Profile gebe - auch vom inzwischen hingerichteten irakischen Diktator Saddam Hussein oder dem getöteten Qaida-Führer Osama bin Laden wurden demnach solche Studien erstellt.

Kirby zufolge wurde Putins Verhaltensanalyse zuletzt 2012 aktualisiert. Der Sprecher betonte, entgegen anderer Behauptungen gebe es keine laufende Untersuchung im Zusammenhang mit dem Konflikt in der Ukraine. Darüberhinaus habe das Pentagon die Analyse von Putins Körpersprache nicht selbst in Auftrag gegeben. Der jeweilige Forscher bestimme vielmehr selbst, wessen Bewegungsmuster er untersuchen wolle.

Leitende Wissenschaftlerin des Programms soll Brenda Conners vom Naval War College in Rhode Island sein. Ihre Berichte seien zwar nicht öffentlich, Behördenvertretern zufolge habe sie jedoch einige Artikel über Putin publiziert, die das Pentagon zuvor freigegeben habe. So beschrieb sie den Russen 2004 als "Mann, der sich scheut, voranzugehen". Seine Körpersprache sei ein Hinweis darauf, dass Putin "risikoscheu" sei und "extrem empfindlich auf Kritik" reagiere.

rls/AFP/Reuters