Kofi Annan Kein Uno-Protektorat für Afghanistan

Der Uno-Generalsekretär hat es als innerafghanische Angelegenheit bezeichnet, eine friedensschaffende Regierung zu bilden, die von außen nur "technisch" unterstützt werden sollte. Zugleich warf Kofi Annan Osama Bin Laden vor, die Dritte Welt zu beleidigen.

Paris - Uno-Generalsekretär Kofi Annan hat bisherige Vorschläge über ein Protektorat der Vereinten Nationen für Afghanistan entschieden zurückgewiesen. Dies käme nicht in Frage, sagte Annan auf eine Frage der französischen Tageszeitung "Le Figaro". "Die Vereinten Nationen können die Bildung einer Regierung in Afghanistan technisch unterstützen, sie können jedoch nicht eine afghanische Regierung ersetzen", sagte er.

Ob gemäßigte Taliban an dieser Regierung beteiligt würden, sei einzig und allein Sache der Afghanen. Für die Zeit nach Beendigung der Militäraktionen überprüfe die Uno zurzeit drei Möglichkeiten. Die Uno könnte Blauhelme in das Land entsenden, denkbar sei aber auch eine internationale Friedenstruppe aus islamischen Ländern. "Die beste Garantie für eine stabile Regierung könnte jedoch eine nationale Friedenstruppe sein, die die gegenwärtige Koalition in Kabul aus den verschiedenen Milizen im Land bilden würde", sagte Annan.

Deutliche Mahnungen an Bin Laden und die USA

Zugleich warf der Uno-Generalsekretär in dem Interview dem Extremistenführer Osama Bin Laden vor, die Menschen der Dritten Welt zu beleidigen. "Wenn Bin Laden behauptet, dass Demokratie und Menschenrechte nur Produkte des Westens sind, beleidigt das die Menschen in der Dritten Welt, die er vorgibt zu verteidigen".

Zugleich mahnte Annan erneut die US-Streitkräfte in Afghanistan, ihren Einsatz nicht zu überziehen: "Jedes Mal, wenn Zivilisten getötet oder verwundet werden, wächst der Zorn der Menschen an". Unschuldige dürften nicht für Schuldige sterben, betonte Annan. Eine Explosion des Zorns in den muslimischen Ländern müsse vermieden werden. Zusätzlich den Irak anzugreifen, "wäre ein Fehler", warnte der Friedensnobelpreisträger dieses Jahres.

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