Kofi Annan Scharfer Abschiedsgruß an George W. Bush

In einer Abschiedsrede hat Uno-Generalsekretär Kofi Annan ungewöhnlich offen Kritik am Führungsstil der US-Regierung geübt. Den Namen von US-Präsident Bush erwähnte er mit keinem Wort.

Independence - Annan forderte die USA auf, diplomatische Alleingänge zu unterlassen und die Menschenrechte auch im Kampf gegen den Terrorismus zu wahren. "Mehr als je zuvor braucht Amerika, wie der Rest der Menschheit, ein funktionierendes globales System, in dem die Weltbevölkerung Herausforderungen gemeinsam meistern kann", sagte Annan am Montag in Independence im US-Bundesstaat Missouri. Die USA dürften im Kampf gegen den Terror nicht ihre demokratischen Ideale opfern. Am 1. Januar übernimmt der Südkoreaner Ban Ki Moon das Amt von Kofi Annan.

Annan erwähnte in seiner letzten großen Rede als Uno-Generalsekretär nicht einmal den Namen des amerikanischen Präsidenten Bush, lobte aber mehrfach dessen Vorgänger Truman, der nach dem Zweiten Weltkrieg eine wichtige Rolle bei der Gründung der Vereinten Nationen spielte. "Wie Präsident Truman sagte: Die Verantwortung der großen Staaten ist es zu dienen, und nicht die Völker der Welt zu beherrschen", sagte Annan.

Truman sei überzeugt gewesen, dass Sicherheit kollektiv und unteilbar sein müsse. Daher habe er sich angesichts der nordkoreanischen Aggression gegenüber Südkorea 1950 an die Vereinten Nationen gewandt. Gegen solche Bedrohungen könne keine Nation allein für Sicherheit sorgen, indem sie die Vormacht über alle anderen anstrebe, erklärte Annan weiter. Er hielt seine Rede im Truman Presidential Museum and Library in Independence.

Annan plädierte erneut für eine Reform des Uno-Sicherheitsrats, dessen Zusammensetzung noch immer die Welt von 1945 widerspiegele.

Die Veto-Mächte müssten die besondere Verantwortung akzeptieren, die mit ihrem Privileg verbunden sei. "Der Sicherheitsrat ist nicht einfach eine weitere Bühne, auf der nationale Interessen ausgelebt werden", setzte der Generalsekretär eine weitere Spitze in Richtung der US-Regierung, mit deren UN-Botschafter John Bolton er angespannte Beziehungen unterhielt.

Bolton hat nach dem Wahlsieg der Demokraten bei der Kongresswahl inzwischen erklärt, dass er keine neue Amtszeit mehr anstrebt.

reh/AP/Reuters

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