Kolumbien Farc-Kommandeure bitten Opfer um Vergebung

Jahrzehntelang entführte die Guerillaorganisation Farc Zivilisten - und finanzierte mit den Lösegeldern ihren Kampf gegen den kolumbianischen Staat. Nun haben frühere Kommandeure bei der Bevölkerung um Vergebung gebeten.

Früherer Farc-Chef Rodrigo Londoño: Bedauernswerte Vorfälle
Camila Díaz/colprensa/DPA

Früherer Farc-Chef Rodrigo Londoño: Bedauernswerte Vorfälle


Ehemalige Kommandeure der linken Guerillaorganisation Farc haben wegen der Entführung Tausender Menschen während des internen Konflikts in Kolumbien um Verzeihung gebeten. "Es gab bedauernswerte Vorfälle, wie die Entführung von Zivilisten. Wir bitten jene, die Opfer dieses Vorgehens wurden, um Vergebung", sagte der ehemalige Oberkommandierende und heutige Parteichef der Farc, Rodrigo Londoño, bei einer Anhörung vor der Sonderjustiz für den Frieden.

"Im Namen der Männer und Frauen, die unsere Organisation bildeten, nehmen wir die kollektive ethische und politische Verantwortung für das Leid auf uns", sagte Londono laut der Nachrichtenagentur AP.

Während des internen Konflikts hatten die Rebellen zahlreiche Menschen verschleppt. Prominenteste Geisel war die Präsidentschaftskandidatin Íngrid Betancourt, die sich mehr als sechs Jahre lang in der Gewalt der Farc befand. Nach Angaben der kolumbianischen Generalstaatsanwaltschaft kamen mehr als 500 Menschen in der Geiselhaft der Rebellen ums Leben.

Der jahrzehntelange Konflikt kostete über 220.000 Menschen das Leben, die meisten davon Zivilisten. Die Farc finanzierte sich dabei lange unter anderem über den Handel mit Rauschgift und Lösegeldzahlungen.

Ende 2016 hatten die Farc und die kolumbianische Regierung den Bürgerkrieg beendet. Mit der Sonderjustiz sollen nun die während des Bürgerkriegs verübten Verbrechen aufgearbeitet werden. Die Farc will künftig als politische Partei für ihre Ziele wie eine gerechtere Landverteilung eintreten.

Allerdings stehen nicht alle Teile der früheren Guerillatruppe hinter der Neuausrichtung. In manchen Regionen Kolumbiens formieren sich offenbar erneut Rebellengruppen für den bewaffneten Kampf. (Lesen Sie hier mehr zum wiederaufflammenden Gewalt in Kolumbien.)

fek/dpa/AP



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