Kolumbien Früherer Farc-Anführer spricht von neuen bewaffneten Kämpfen

Es wäre ein Rückschlag für den Friedensprozess in Kolumbien: Ein einst ranghohes Mitglied der Farc-Rebellen will eine "neue Etappe" des Kampfes einläuten. Sie fühlen sich angeblich von der Regierung unterdrückt.

Kündigt in Video Widerstand gegen die Regierung an: Luciano Marín Arango alias "Iván Márquez"
Fernando Vergara/ AP/ DPA

Kündigt in Video Widerstand gegen die Regierung an: Luciano Marín Arango alias "Iván Márquez"


Die ehemalige Nummer zwei der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Farc) hat in einer Videobotschaft die Wiederaufnahme von Kämpfen gegen die Regierung angekündigt. Luciano Marín Arango alias "Iván Márquez" trat in den Aufnahmen gemeinsam mit etwa 20 bewaffneten Soldaten auf. Es beginne "eine neue Etappe des Kampfes", las Márquez aus einem Manifest vor.

Márquez war seit über einem Jahr untergetaucht. An seiner Seite stand der ehemalige Guerilla-Kommandeur Seuxis Hernández Solarte alias "Jesús Santrich", der wegen Drogenhandels international zur Fahndung ausgeschrieben ist.

Die kolumbianische Regierung habe den Friedensvertrag mit der Farc verraten, hieß es in der Botschaft weiter. Die Gruppe um Márquez werde "zu den Waffen greifen", um sich gegen die Unterdrückung seitens der Regierung zu wehren.

Kritik an Regierung

Beide gehörten zu den Farc-Unterhändlern des Friedensabkommens von 2016 mit Kolumbiens Regierung. Das Abkommen hatte den jahrzehntelangen Bürgerkrieg mit rund 220.000 Toten und Millionen Vertriebenen per Friedensvertrag beendet.

Die Rebellen legten die Waffen nieder und sollten anschließend ins Zivilleben zurückkehren. Im Sommer 2017 hieß es von den Vereinten Nationen, die 6800 Kämpfer hätten alle zuvor registrierten 7132 Waffen übergeben.

Allerdings werfen die Ex-Guerilleros der Regierung immer wieder vor, ihre Verpflichtungen nicht zu erfüllen, die Ex-Rebellen nicht ausreichend zu untestützen und zu schützen.

Der frühere Farc-Chef Rodrigo Londoño lehnte die Wiederaufnahme des Kampfes hingegen ab. "Die große Mehrheit hält sich an die Abmachungen. Trotz aller Schwierigkeiten stehen wir auf der Seite des Friedens", schrieb er auf Twitter.

mho/dpa/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.