Kolumbien Farc-Rebellen lassen erste Kindersoldaten frei

Kolumbiens Revolutionäre senden ein wichtiges Signal im fragilen Friedensprozess mit der Regierung: Die Farc-Rebellen lassen die ersten Minderjährigen in ihren Reihen frei.

Jugendlich unter den Kämpfern der Rebellenorganisation Farc
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Jugendlich unter den Kämpfern der Rebellenorganisation Farc


Nach einem halben Jahrhundert haben Farc-Rebellen und Kolumbiens Regierung kürzlich Frieden geschlossen - nun zeigen sich erste Erfolge daraus. Im Zuge des historischen Friedensabkommens lassen die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Farc) erste Kindersoldaten aus ihren Lagern frei. Eine Gruppe von 13 Minderjährigen wurde am Samstag einer Mission des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) übergeben, teilte die Organisation mit.

Damit startet die Rebellenorganisation die versprochene Freigabe der Kinder und Jugendlichen in ihren Reihen. Alle unter 15-Jährigen sollen aus den Truppen der etwa 7000 Farc-Kämpfer entlassen werden.

Bei den freigelassenen Minderjährigen handelt sich um die erste Gruppe, die im Rahmen des Friedensabkommens die Farc verlässt. Nach Angaben der Farc gibt es insgesamt 21 Minderjährige in ihrer Organisation. Die Regierung schätzt dagegen, dass bis zu 170 Kinder und Jugendliche der Guerilla angehören. Anfang Februar hatte die Farc angekündigt, keine Jugendlichen unter 18 Jahren mehr in ihren Reihen zu behalten. Die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens hatten ursprünglich stets bestritten, Kindersoldaten zu rekrutieren.

Bevölkerung stimmt noch über Friedensvertrag ab

Der nach fast vierjährigen Verhandlungen am 24. August geschlossene Friedensvertrag zwischen der Regierung in Bogotá unter Präsident Juan Manuel Santos und der Farc soll am 26. September unterzeichnet werden. Am 2. Oktober stimmt die kolumbianische Bevölkerung darüber ab. Kurz nach dem Friedensschluss im August war ein Waffenstillstand in Kraft getreten.

Der Vertrag soll den über 50 Jahre andauernden Konflikt beenden. Im blutigen Konflikt mit der 1964 gegründeten Guerillaorganisation, die gegen den kolumbianischen Staat und Großgrundbesitzer kämpft, wurden rund 220.000 Menschen getötet und 6,6 Millionen weitere vertrieben, viele gelten als vermisst.

Die von der Farc übergebenen Kinder und Jugendlichen werden an das Uno-Kinderhilfswerk UNICEF übergeben und sollen nach einer Übergangsphase, soweit möglich, wieder Anschluss zu ihren Familien finden.

Farc-Mitglieder unter 14 Jahren bleiben laut der Einigung vollkommen straffrei. Guerilleros zwischen 14 und 18 Jahren sollen beispielsweise vom Vorwurf der Rebellion freigesprochen werden.

kig/AFP/AP



insgesamt 7 Beiträge
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Saloo 11.09.2016
1. Kolumbianer werden Friedensvertrag nicht zustimmen
So wie ich die Kolumbianer einschätze, werden sie das Friedensabkommen ablehnen, zu Recht. Es kann nicht sein, dass eine demokratische Gesellschaft Abkommen mit Kriminellen schließt und ihnen so große juristische und vor allem politische Zugeständnisse macht. Die angeblichen politischen Ziele der Guerilla sind seit langem nur ein Vorwand, um ihre organisierte brutale Kriminalität zu kaschieren, um durch Entführungen, Erpressungen und Drogenhandel Gewinne zu erzielen. Es handelt sich nicht um Rebellen, sondern um eine Mafiaorganisation. Im Ausland wird dies teilweise komplett falsch eingeschätzt. Nur in den Anfangsjahren vor Jahrzehnten handelte es sich um eine politische Bewegung a la Che Guevara und Fidel Castro.
pelayo1 11.09.2016
2.
Nach jüngsten Umfragen werden mehr als 60& der Kolumbianer dem Fiedensvertragbzustimmen, und das ist auch gut so. Die Armee hat es in mehr als 50 Jahren nicht geschafft, die Guerilla zu besiegen, und sie werden es auch in Zukunft nicht schaffen in einem Land, das von extremer Ungleichheit geprägt ist. Präsident Santos hat sich große Verdienste um das Land erworben, auch wenn die Rechte und ihre paramilitärschen Gruppen das nicht sehen woillen.
meroswar 11.09.2016
3. @1., saloo
Es ist ja nicht so, als ob die Regierung und vor allem die Konterguerillas der Großfarmer nicht weniger kriminell wären. Da nehmen sich beide Seiten um nichts. Von daher werden die Menschen froh sein, wenn zumindest der Krieg (wenn auch nicht der Drogenkrieg) aufhört.
langenscheidt 11.09.2016
4. Kindersoldaten
Die Kinder gingen freiwillig zu den PARC, um den Lebensunterhalt ihrer Familien zu gewährleisten. Oder sind schlicht von ihren Famiien geflohen, um was zu erleben. Dass die PARC sie aufnahm ist an sich noch kein Vergehen, erst wenn diese Minderjährigen unter Waffen standen. In der Roten Armee im 2. Weltkrieg waren mindestens 60000 Kinder freiwillig im Kriegsdienst, Die Dunkelziffer betrug ca. 300000 Kinder. Übrigens diese sowjetischen Kindersoldaten galten und gelten in der Sowjetunion und jetzt in Russland nicht als Kriegsveteranen des Großen Vaterländischen Krieges. Den Makel von Kindersoldaten wollte sich die Rote Armee und die Sowjetunion nicht zukommen lassen. Quelle: Museum »Junge Verteidiger der Heimat«, Kursk Für den deutschen Volkssturm meldeten sich ca. 70 Prozent der Kinder freiwillig.
lachina 11.09.2016
5. Diese Jugendlichen....
sind keine abenteuerlustige Gören oder auf schnelles Geld aus, sondern haben oft ihre Familien durch die Aktivitäten der Paras / Militär verloren und wurden von den FARC aufgenommen. Da ist niemand mehr, wo sie Anschluss finden können. Der Staat müsste sich um sie kümmern und sie zu "Waisenm der Republik" erklären. Schulbildung und eine Zukunftsperspektive, das brauchen sie, und jemanden, der sie gerne hat.
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