Kolumbien Frankreich bricht Hilfsaktion für Betancourt ab

Die Rettungsaktion für die von der Farc festgehaltene Ingrid Betancourt ist gescheitert. Die französische Hilfsmannschaft verlässt Kolumbien. Die Rebellen haben es abgelehnt, Ärzte zu der schwerkranken, vor über sechs Jahren gekidnappten Ex-Präsidentschaftskandidatin zu lassen.


Bogota - Es hatte kaum Hoffnung auf Erfolg gegeben. Nun hat Frankreich die Hilfsmission abgebrochen. Das mit medizinischen Geräten ausgestattete Flugzeug, das seit mehreren Tagen in Bogotá vergebens auf ein positives Zeichen der Farc wartete, werde in Kürze abfliegen, teilte das französische Außenministerium mit. Zuvor hatten die linksgerichteten Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Farc) eine Erklärung verbreitet. Sie trägt das Datum 4. April. An diesem Tag war das Lazarettflugzeug aus Paris mit zwei Ärzten und zwei Diplomaten an Bord in der kolumbianischen Hauptstadt Bogota gelandet. Seitdem hatten die Helfer vergebens auf dem Flugplatz auf ein positives Zeichen der Farc gewartet.

Ende des Einsatzes: Seit Donnerstag wartete die französische Lazarett-Maschine in Bogota
REUTERS

Ende des Einsatzes: Seit Donnerstag wartete die französische Lazarett-Maschine in Bogota

Frankreich habe die Aktion vorher nicht mit der Farc abgesprochen, hieß es in der Mitteilung. "Wir reagieren nicht auf Erpressung oder Medienkampagnen", erklärte die Rebellenführung. Schon vergangenen Freitag hatten der sogenannte Außenminister der Rebellen, Rodrigo Granda, und ein Farc-Kommandant namens Jesús Santrich eine einseitige Freilassung Betancourts abgelehnt: "Die in unseren Lagern festgehaltenen Personen werden nur im Rahmen eines Austausches von Gefangenen freigelassen", schrieben sie.

Frankreich, Spanien und die Schweiz, die die Rettungsaktion gemeinsam gestartet hatten, bedauerten die Entscheidung der Farc. "Diese Ablehnung ist ein schwerer politischer Fehler und eine menschliche Tragödie", hieß es.

Die vor sechs Jahren von den Rebellen entführte ehemalige Präsidentschaftskandidatin Betancourt ist nach Angaben von Angehörigen und freigelassener Geiseln lebensbedrohlich erkrankt. Die 46-Jährige, die auch die französische Staatsbürgerschaft besitzt, soll an Hepatitis B und einer Tropenkrankheit leiden.

ler/AP/dpa



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