Kolumbien Neuer Friedensvertrag unterzeichnet

Der erste Entwurf scheiterte im Referendum, jetzt folgt der zweite Versuch: Kolumbiens Präsident Santos und der Kommandeur der Farc-Rebellen haben einen neuen Friedensvertrag unterschrieben.

Kolumbiens Präsident Santos (.) mit "Timochenko"
AFP

Kolumbiens Präsident Santos (.) mit "Timochenko"


Unterschrieben wurde mit einem aus einer Patronenhülse gefertigten Kugelschreiber. "Unsere Vergangenheit wurde mit Kugeln geschrieben, die Bildung wird unsere Zukunft schreiben", war auf dem Schreibgerät zu lesen: Kolumbiens Präsident und Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos und der Kommandeur der linken Guerillaorganisation Farc, Rodrigo "Timochenko" Londoño, haben einen neuen Friedensvertrag geschlossen.

Beide unterzeichneten das überarbeitete Abkommen im Theater Colón in der Hauptstadt Bogotá. "In der Zukunft soll das Wort die einzige Waffe der Kolumbianer sein", sagte "Timochenko".

Nachdem die Kolumbianer das ursprüngliche Abkommen Anfang Oktober in einem Referendum abgelehnt hatten, wurde der Text in einigen Punkten geändert. So sollen die Strafen für die Guerillakämpfer härter ausfallen. Zudem wird das Vermögen der Farc für die Entschädigung der Opfer herangezogen.

In der kommenden Woche soll der Vertrag im Kongress gebilligt werden. Der Vertrag dürfte mit der Unterstützung der Mitte-Rechts-Regierungskoalition und der linken Opposition genehmigt werden. Nur die ultrarechte Partei Centro Democrático des ehemaligen Präsidenten Álvaro Uribe lehnt das Abkommen weiterhin ab.

Für seine Initiative zur Beilegung des seit Jahrzehnten andauernden Konflikts war Santos in diesem Jahr der Friedensnobelpreis zuerkannt worden. Bei den Auseinandersetzungen zwischen staatlichen Sicherheitskräften, linken Guerillagruppen und rechten Paramilitärs kamen über 220.000 Menschen ums Leben.

als/dpa

insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
astroloop 24.11.2016
1. Lasst euch nicht täuschen!
Hier kauft sich das größte Drogenkartell der Welt gerade einen Staat und erpresst mit 5000 Kämpfern ein 40 Mio Volk. Setzt einfach eine Verfassungsänderung durch. Die FARC bekommt alles. Eigene Gebiete, eigene Polizei, eigene Gerichtsbarkeit. Während die FARC straffrei weggeht -und das als Milliardäre - kommen die Militärs und die demokratische Opposition, welche sich für den Rechtsstaat stark gemacht haben, ins Gefängnis. Wie blind ist Europa? Wo bleibt Trump? Helft Kolumbien die Katastrophe noch abzuwenden.
darkmattenergy 24.11.2016
2. Wird es zur Neufassung des Friedensvertrages wiederum ein Referendum geben...
...oder wird dem gemeinen Volk diesmal verweigert, seine politische Elite zu korrigieren?
blurps11 24.11.2016
3.
Zitat von darkmattenergy...oder wird dem gemeinen Volk diesmal verweigert, seine politische Elite zu korrigieren?
Als Ergebnis des Referendums hätten die Großstädter, die die FARC nur aus dem Fernsehen kennen, dem gemeinen Volk in den tatsächlich betroffenen Gebieten verordnet, dass sich gefälligst nicht so haben sollen und der Krieg jetzt doch bitte endlich weitergeht. Manchmal sind die Dinge eben doch etwas komplizierter als "die da oben" gegen das "gemeine Volk". Es ist übrigens schon etwas auffällig, dass der komplett faktenbefreite und hetzerische Beitrag #1 gleichlautend auch in den Foren anderer großer News-Seiten auftaucht. Ist das nur Trollerei oder gezielte Desinformation ?
Aberlour A ' Bunadh 24.11.2016
4. seine politische Elite zu korrigieren?
Zitat von darkmattenergy...oder wird dem gemeinen Volk diesmal verweigert, seine politische Elite zu korrigieren?
Das "gemeine Volk" zu fragen ist immer ein Akt der politischen Unklugheit. Entscheidungen, die mit zu viel Emotionalität getroffen werden, führen selten zu etwas Gutem. Das haben die Väter und Mütter des Grundgesetzes sehr weise erkannt. Das Volk ist einfach zu dumm (und von Rattenfängern zu leicht beeinflussbar) für manche Fragestellungen. Daher gehören solche Abstimmungen in das Parlament, wo REPRÄSENTANTEN des Volkes wie ein natürlicher Puffer die Emotionalität aus der Sache nehmen können und zumindest ansatzweise rationale Entscheidungen treffen können. Was freilich auch nicht immer gelingt. Das sei konzediert. Vor 20 Jahren war ich selbst noch ein Anhänger direktester Demokratie. Aber im Zeitalter der digitalen Echokammern, in denen wirre Geister wirre Stimmen hören, habe ich meine Ansichten diesbezüglich total geändert. Mit dem Alter wird man halt weise und weniger radikal. .
Michael_Erbstadt 25.11.2016
5. Bravo Santos
Das was Santos erreicht hat ist wirklich nobelpreiswürdig. Nein, die Gerechtigkeit , die viele Kolumbianer ersehnten, wird es nicht sein. Aber der Frieden und die Hoffnung auf Zukunft. Wie beim Brexit ging es beim kolumbianischen Plesbizit nicht alleine um die Frage "si" oder "no" zum Friedensvertrag, sondern auch um Zustimmung oder Ablehnung von Santos. Uribe ist mittlerweile zum ultrarechten Populisten mutiert und rächt, dass Santos nicht nach seiner Pfeife tanzte, so wie er es gerne gehabt hätte. Kolumbien ist ein reiches, ein wunderbares Land mit einer Bevölkerung die sehr freundlich und temperamentvoll ist. Und nun hat es Gelegenheit sich der Welt zu zeigen. ¡Viva Colombia! Herzlich, Michael
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.