Kolumbien Rebellen töten mindestens 60 Zivilisten

Marxistische Rebellen sollen in Kolumbien eine mit Sprengstoff gefüllten Gasflasche in die Luft gejagt haben. Dabei kamen nach Angaben eines Radiosenders mindestens 60 Zivilisten ums Leben, weitere 70 Menschen seien verletzt worden, 145 würden vermisst.


Bogotá - Die linken Guerilleros der "Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens" (FARC) hätten sich vor der Detonation in dem Ort Bojayá Kämpfe mit den extrem rechten "Einheiten zur Selbstverteidigung Kolumbiens" (AUC) geliefert, meldete der Radiosender Caracol. Später seien sie in den Ort in der Urwaldprovinz Chocó zurückgekehrt, um sich zu rächen, zitierte Caracol den Bürgermeister.

Der Rebellenanschlag erfolgte, als sich eine große Menschenmenge vor der Kirche auf dem Marktplatz des Ortes versammelt hatte. Die FARC setzen seit Jahren mit Sprengstoff gefüllten Gasflaschen gegen Dörfer und Städte ein. Die Geschosse werden von primitiven Gestellen aus abgeschossen und habe eine sehr geringe Treffergenauigkeit. Die Explosionswucht ist jedoch enorm und kann mehrstöckige Häuser dem Erdboden gleich machen.

Die FARC sind mit 17.000 Männern und Frauen unter Waffen die größte Rebellengruppe des Landes und bekämpfen den Staat seit fast vier Jahrzehnten. Im Februar hatte Präsident Andrés Pastrana dreijährige Friedensbemühungen für gescheitert erklärt und einen Frontalangriff gegen die Rebellen angeordnet. Seither eskaliert die Gewalt in dem südamerikanischen Land, in dem die Menschen am Sonntag in drei Wochen einen neuen Präsidenten wählen sollen.



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