Hardcore-Kurs Jetzt sollen Amerikas Schläfer Trump retten

Donald Trumps Strategie für die letzten zwei Monate steht. Die Wähler der Mitte sind ihm egal. Er bleibt beim Hass - und setzt allein auf die, die eigentlich nie an die Urnen gehen.

Donald Trump
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Ein Kommentar von , Washington


Donald Trump hat eine Rede gehalten. Er macht das häufig in diesen Wochen, aber jene in Phoenix zur Einwanderung war anders. E s war, man muss das so sagen, wohl eine der abscheulichsten Reden, die je ein Präsidentschaftskandidat in den USA gehalten hat.

Amerika, so Trumps Tenor, werde zerstört von Millionen kriminellen und mörderischen Ausländern. Aufspüren, abschieben, Grenze zu - und obendrauf einen Ideologie-Test für Neuankömmlinge: Das ist Trumps Kampfplan zum Heimatschutz. "Ich will es extrem", rief er. Nicht einmal jene Menschen, die in den USA geboren wurden und noch nie ein anderes Land gesehen haben, sollen sicher sein vor ihm, solange sie kein Visum vorzeigen können. In Phoenix hat Trump klargemacht, dass er antritt, um Amerika zu säubern. Und die Menge jubelte ihm 75 Minuten lang zu.

Mit der Rede traf er eine strategische Entscheidung für die letzten zwei Monate seiner Kampagne: Die Wähler der Mitte sind ihm egal, die Stimmen von Einwanderern sowieso. Um die bunte Wählerkoalition von Barack Obama macht der Milliardär einen großen Bogen, in dem offensichtlichen Glauben, dass es Zeitverschwendung sei, zu versuchen, dort einen Fuß in die Tür zu bekommen.

Good night and good luck, ist man geneigt zu sagen. Ein Land, das zweimal hintereinander einen Schwarzen zum Präsidenten gemacht hat, wird schon keinem Hassprediger ins Weiße Haus verhelfen. Die USA haben sich verändert, sind vielfältiger geworden, liberaler auch. Und all die Unentschlossenen, die schon bisher mit Trumps Härte haderten, werden ihn nach dieser Rede doch mit Sicherheit nicht wählen können.

Das Problem ist nur: Das ist eine sehr konventionelle Sichtweise. Erstens geht sie davon aus, dass sich die Wählerschaft im November in etwa so zusammensetzen wird wie 2012, und die demografischen Veränderungen den Anteil nicht-weißer Wähler so weit erhöhen, dass selbst in einem sehr knappen Rennen Hillary Clinton ihre Schäfchen ins Trockene bringt. Zweitens lässt sie außer Acht, dass beim letzten Mal von 235 Millionen Wahlberechtigten mehr als 100 Millionen Amerikaner keine Stimme abgegeben haben.

Wenn Trump von der "schweigenden Mehrheit" spricht, dann meint er damit auch die damals Daheimgebliebenen. Er setzt darauf, mit ausreichend Hass und Unverfrorenheit Teile dieses gewaltigen Reservoirs erschließen und so die Wählerschaft revolutionieren zu können. Seine Rechnung ist simpel: Treibt er mehr frühere Nichtwähler an die Urnen, als er an Stimmen im konservativen Lager verliert, wäre es am Ende womöglich unerheblich, wie viele gemäßigte Republikaner und Einwanderer für Clinton stimmen. Die Schläfer sollen ihn retten.

Ja, es spricht einiges dafür, dass sein Kalkül nicht aufgeht. Wie viele der Schläfer wirklich empfänglich sind für demagogische Botschaften, ist unklar und die Zeit, das herauszufinden, ist knapp. Aber die Unsicherheit in der Frage, wer am 8. November wirklich zur Wahl gehen wird, ist der Grund dafür, dass in den USA viele, die sich wirklich mit Wahlen auskennen, Trump immer noch nicht ganz abschreiben.

insgesamt 138 Beiträge
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bodhi66 02.09.2016
1. Trump wird gewinnen
Auch wenn es komisch klingt und alle Prognosen dagegen sprechen aber Clinton schafft es kaum eine Turnhalle zu fuellen. Trump wird es schaffen.
eunegin 02.09.2016
2. in jedem Land dieser Erde
schient es fruchtbaren Boden für Rassismus und Faschismus zu geben. Beste Voraussetzungen danach die blutige Ernte einzufahren - nicht nur bei einem Wahlerfolg. In den Ländern selbst geht ein Graben zwischen die Gesellschaft. Schlimm, wenn man zusehen kann, wie zunehmens auch westlich-aufgeklärte Länder abdriften.
wakaba 02.09.2016
3.
Mit Trump ist das Ende der Mediendemokratie nah. Das System spühlt Bewerber hoch die kaum mehr vermittelbar sind und 100% Mediensyndikation erfahren. Das gilt für HRC und T. Beide sind unpopulär. Wir werden das kleinere Uebel wählen und hätten lieber einen Dreikampf zwischen Sanders, Libertarians und Grüne erlebt der in sowas wie Norwegen enden würde. Vielleicht 2020.
butzibart13 02.09.2016
4. Politik at its worst
Es sollen also die ihn wählen und die jubeln ihm ja auch scheinbar zu, die ihm völlig egal sind. Armes Amerika
gerhard.heinzmann 02.09.2016
5. Abwarten
Die Strategie von Trump könnte Erfolg haben, das hat der Brexit gezeigt. Wenn man es schafft seine eigene Wählerschaft genügend zu motivieren dann reicht es ggf. für eine Mehrheit. Und Frau Clinton ist nicht Obama; Sie spricht die Minderheiten im Land sehr viel weniger an als er das getan hat. Ich denke daher dass es gerade die vielen Wähler sind die letztes Mal für Obama zur Wahl gegangen sind die auch dieses Mal wiederum die Wahl entscheiden werden. Und wenn die meisten von Ihnen nicht wählen gehen weil ihnen keine(r) der beiden Kandidaten/Kandidatinnen gefällt dann könnte der nächste Präsident der USA wirklich Trump heißen.
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