Roland Nelles

Deutscher "Tornado"-Einsatz Es geht leider nur so

Bomben alleine werden den "Islamischen Staat" kaum besiegen. Dennoch ist es richtig, dass Deutschland sich im Kampf gegen den IS auch militärisch an die Seite Frankreichs stellt.
"Tornado" der Luftwaffe im Einsatz: Wo soll das alles enden?

"Tornado" der Luftwaffe im Einsatz: Wo soll das alles enden?

Foto: A1809 epa ansa Daniel Dal Zennaro/ dpa

Die Lage in Syrien ist komplett verkorkst. Syrer schießen auf Syrer. Türken auf Russen. Amerikaner auf den IS. Und Terroristen hacken Köpfe ab. Das ist in etwa die Lage und nun wird Deutschland auch noch militärisch in dieses Chaos verstrickt. Man denkt unweigerlich: Wo soll das alles enden?

Sowohl Angela Merkel als auch die SPD wollten ein militärisches Engagement vermeiden. Sie wissen um die große Skepsis vieler Deutscher gegenüber solchen Einsätzen, sie kennen die Risiken für die Soldaten - und fürchten den Zorn der Wähler. Doch letztlich bleibt ihnen kaum eine andere Wahl. Mehr militärisches Engagement von Deutschland im Syrienkonflikt ist aus einer Reihe von Gründen unvermeidbar geworden. Und es ist richtig.

  • Erstens braucht es nach den Anschlägen in Frankreich ein starkes Symbol der Solidarität. Gerade in Zeiten, in denen Deutschland von anderen Hilfe in der Flüchtlingskrise einfordert, sind solche Freundschaftsbeweise in ihrer Bedeutung unerlässlich. Blumen in Paris niederzulegen ist wichtig, aber nicht ausreichend. Frankreich hat diese Solidarität in den vergangenen Tagen drängend eingefordert. Und wird so in der Umkehr auch eher bereit sein, Deutschland bei den Flüchtlingen zu helfen. Ein weiteres Zuwarten hätte dem Verhältnis Berlin-Paris schweren Schaden zugefügt. Die Große Koalition setzt auf eine Minimallösung: Aufklärungstornados, die Fotos machen und keine Bomben werfen, erfüllen so gerade eben die französischen Ansprüche. Und sie sind wohl maximal das, was Merkel und die SPD den Deutschen derzeit zumuten wollen.

  • Zweitens: Deutschland ist unmittelbar vom Wahnsinn des IS-Regimes betroffen. Sie drohen uns mit Bomben. Und die Flüchtlinge, die zu uns kommen, kehren nur dann zurück, wenn Syrien befriedet wird. Der IS will aber keinen Frieden. Diese Fanatiker müssen deshalb militärisch bekämpft werden. Wenn sich dazu ein breites Bündnis bildet, kann ein wichtiges Land wie Deutschland nicht abseits stehen. Militärische Enthaltsamkeit würde den mäßigenden Einfluss Deutschlands und Europas auf der internationalen Bühne beschädigen, bei der Suche nach Friedenslösungen für die Region würden wir Mitspracherechte verlieren. Wollen wir die Gestaltung der internationalen Ordnung wirklich weiter allein Amerikanern und Russen überlassen? Wohin das führt, sehen wir an dem jetzigen Chaos im Nahen Osten.

Natürlich sind Kampfjets und Kriegsschiffe allein keine Lösung. Aber sie sind ein Teil der Lösung. Dauerhafte Sicherheit auch in Europa wird es nur geben, wenn sich Europa gegen Feinde wehrt. Und wenn es gelingt, die friedlichen, demokratischen Kräfte im Nahen Osten zu stärken und den Einfluss der Hassprediger und Hitzköpfe zurückzudrängen. Mit klugen diplomatischen, wirtschaftlichen - und eben leider auch mit militärischen Mitteln. Abwarten und Wegschauen geht nicht mehr.

Im Video: Von der Leyen bestätigt Militäreinsatz in Syrien

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