Kommentar zur Obama-Nachfolge Der bessere Bush

Sie sind wieder da: Trotz missratener Amtszeit von George W. läuft sich Bush-Bruder Jeb für die Präsidentschaftkandidatur warm. Das Comeback des Clans könnte die Rettung für die Republikaner sein.

Republikaner Jeb Bush: "Wunden heilen"
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Republikaner Jeb Bush: "Wunden heilen"

Ein Kommentar von , Washington


Die Bushs testen die Wasser. Gerade tingelt George W. Bush, US-Präsident Nummer 43, mit einem Buch über George H.W. Bush, Präsident Nr. 41, durch die Talkshows. Er nennt es eine Liebeserklärung an seinen Vater. Es ist aber vor allem eine PR-Aktion für den Bush-Clan, die mächtigste Polit-Familie, die Amerika je gesehen hat - und ihren gegenwärtigen Hoffnungsträger Jeb, den jüngeren Bruder von George W.

Nicht aus Zufall kommt der Ex-Präsident in jedem seiner Buch-Interviews auf den 61-jährigen Jeb zu sprechen: Der wäre ein Republikaner-Kandidat, "der Wunden heilen könnte" und "ein ganz wunderbarer Präsident" sowieso.

Tritt Jeb also an? Bei 50:50 stünden die Chancen, sagt George W.

Klar ist: Wer Fifty-Fifty sagt, der lässt einen Testballon steigen. Wie wird die Partei reagieren? Wie die Amerikaner? Die Bushs lauern auf eine dritte Präsidentschaft. Und aus heutiger Sicht muss man sagen: Das ist nicht unbedingt eine schlechte Nachricht.

Erst schien es, als hätte Bush II. mit seiner furchtbar missratenen Zeit im Weißen Haus die Familienmarke derart ramponiert, dass an ein Polit-Comeback nicht mehr zu denken war. Doch Jeb ist klar die vernünftigere, die begabtere Ausgabe der Brüder - der bessere Bush. Außenpolitisches Harakiri jedenfalls wäre von dem Mann nicht zu erwarten.

Der Ex-Gouverneur von Florida hätte das Potenzial, die Republikaner auf den Pfad der Rationalität zurückzuführen und ihnen die Chance aufs Weiße Haus zu eröffnen. Von ihrem Sieg bei den Midterms jedenfalls sollten die sich nicht blenden lassen, denn bei Präsidentschaftswahlen geht ein ganz anderes Amerika wählen: Die Beteiligung ist höher, mehr Schwarze, mehr Latinos. Keiner der anderen möglichen Republikaner-Bewerber könnte Bush - zudem fließend Spanisch sprechend und verheiratet mit einer Mexikanerin - hier das Wasser reichen: Nicht der Jesus-Kandidat Rick Santorum, nicht Tea-Party-Favorit Ted Cruz, nicht der radikal-liberale Rand Paul. Zum Glück!

Der Name Bush steht jetzt - so komisch das auch klingen mag nach einem vom Zaun gebrochenen Krieg und einer Wirtschaftskrise - für Maß und Mitte. Sollte Jeb Bush antreten, dann hätte er gute Chancen gegen eine mögliche Demokraten-Kandidatin Hillary Clinton. Dynastie gegen Dynastie, zum zweiten Mal. Der eigentlich anti-dynastische Urgedanke Amerikas stört da nicht. Es wäre ein gutes, ein würdiges Duell. Und sowieso: Wenn es eines gibt, das die Amerikaner noch mehr lieben als die Republik, dann ist es - die ganz große Show.

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Sebastian Fischer ist Stellvertretender Ressortleiter im Politik-Ressort mit Sitz im Hauptstadt-Büro.

E-Mail: Sebastian.Fischer@spiegel.de

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asedky 11.11.2014
1. irrelevant
wer auch immer der praesident der usa ist, ist zum grossen teil irrelevant. die usa werden von verschiedenen interesse gruppen und institutionen regiert. momentan isr es der finanz und militaerisch industrieller komplex.
glorieux 11.11.2014
2. Feudalherrschaften
In den USA scheint Demokratie ähnlich den früheren europäischen Feudalsystemen. Bei den Republikanern scheint das Recht auf die Präsidentschaft immer bei der Familie Bush vom Vater auf den Sohn überzugehen. Bei den Demokraten wird sicher Frau Clinton kandidieren. Obama war wohl nur eine einmalige Ausnahme.
mariameiernrw 11.11.2014
3. Welche missratene Amtszeit?
Im Gegensatz zu Obama hatte Bush junior eine wirklich schwierige Amtszeit: Bereits zu Beginn wurde er mit den ersten Angriff auf amerikanischen Boden durch eine fremde Macht seit langem konfrontiert. Damit ist er ganz gut umgegangen und hat nebenbei auch noch zwei Länder aus den Armen der Tyranei befreit. Dass diese zarte Plänzchen der Demokratie nicht gewachsen ist, kann man nicht Bush anlasten, sondern muss man der übereilten und planlosen Abzugsstrategie von Obama anlasten.
brotherandrew 11.11.2014
4. Diesem Artikel ...
... kann ich rundweg zustimmen. Jeb Bush ist gerade bei Latinos sehr beliebt und er engagiert sich sehr stark für Bildung unterer Schichten. Gleichzeitig ist er bodenständig und wertkonservativ. Way better than Hillary.
Barath 11.11.2014
5. ...
Um Verwechslungen zu vermeiden, sollte man den nächsten Präsident dann einfach "Bush the 3rd" oder "Clinton the 2nd" nennen...
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