Kommunalwahl in Großbritannien Schwere Verluste für Browns Labour-Partei

Der Stimmungstest für Gordon Brown gerät zum Debakel: Bei den Kommunalwahlen in Großbritannien hat die Labour-Partei des Premierministers eine schwere Niederlage erlitten - ersten Ergebnissen zufolge verlor Labour mindestens 144 Sitze. Es droht das schlechteste Ergebnis seit drei Jahrzehnten.


London - Die letzten Wahlkreise sind noch nicht ausgezählt, aber das Debakel der Labour-Partei von Großbritanniens Premierminister Gordon Brown zeichnet sich bereits mehr als deutlich ab: Bei den Kommunalwahlen hat Labour eine schwere Niederlage erlitten.

Erste Ergebnisse aus etwa der Hälfte der 160 Gemeinden in England und Wales ergaben am Freitag, dass Labour 144 Sitze in kommunalen Vertretungen verloren hat, die Konservativen dagegen 138 Sitze hinzugewannen.

Der Labour-Partei droht damit das schlechteste Ergebnis bei Kommunalwahlen seit 30 Jahren. Hochrechnungen der BBC zufolge gaben nur etwa 24 Prozent der Wähler ihre Stimme für die Regierungspartei ab, etwa 44 Prozent dagegen votierten für die Konservativen. Damit läge Labour sogar noch hinter den Liberaldemokraten, die mit 25 Prozent Stimmenanteil zweitstärkste Partei wären.

Vertreter der Labour-Partei versuchen, die Niederlage kleinzureden. Fraktionschef Geoff Hoon wollte das Ergebnis nicht als Gefahr für Zukunft von Parteichef und Premierminister Brown werten. Es gibt "keine Krise", sagte Hoon der BBC. "Dies ist nichts, was die grundsätzliche Stabilität der Regierung beeinträchtigen könnte."

Die Konservativen feierten die ersten Resultate: Der konservative Politiker William Hague sprach von einer "außergewöhnlichen" Nacht für die Tories. "Dies könnte der geringste Stimmenanteil für Labour in der jüngeren Geschichte der Kommunalwahlen sein. Das ist ein großer Schritt vorwärts."

Eine Niederlage für Labour war erwartet worden. Brown hatte kürzlich eingeräumt, dass die Regierung wegen der internationalen Finanzkrise sowie der hohen Lebensmittel- und Benzinpreise harte Zeiten durchmache. Für den Regierungschef, der im Sommer 2007 die Nachfolge von Tony Blair angetreten hatte, war es die erste Wahl in seiner Amtszeit. Schon bei der Kommunalwahl 2004 hatte Labour unter Blair eine vernichtende Niederlage erlitten, die vor allem auf die Unterstützung des Irak-Krieges zurückzuführen war. Damals war die Labour-Partei hinter den Konservativen und den Liberaldemokraten auf Platz drei abgerutscht.

Die Wahl am Donnerstag galt als erster Stimmungstest für Brown. Rund 13.000 Kandidaten bewarben sich um mehr als 4000 Sitze in 159 Gemeinde- und Stadträten und der 25-köpfigen Londoner Stadtversammlung. Mit besonderer Spannung wird der Ausgang der Bürgermeisterwahl in der Hauptstadt London erwartet, wo Ken Livingstone von der regierenden Labour-Partei um eine dritte Amtszeit kämpfte. Das Ergebnis der Bürgermeisterwahl in der Hauptstadt wird am Freitagabend erwartet.

hen/Reuters/AFP/dpa



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