Kiews Bürgermeister Klitschko: Sieg in der Stichwahl
Foto: Roman Pilipey/ dpaDie prowestlichen Kräfte haben bei der Kommunalwahl in der Ukraine den Sieg für sich beansprucht. "In der absoluten Mehrzahl der Städte, sowohl im Osten als auch im Westen haben die Vertreter unserer demokratischen Koalition gewonnen", sagte Staatspräsident Petro Poroschenko am Montag. Vorläufigen Ergebnissen zufolge erhielt seine Partei Solidarnist (Solidarität) in mehreren Städten die meisten Stimmen, darunter in Kiew.
In der Hauptstadt gewann Amtsinhaber und Ex-Boxer Vitali Klitschko die Bürgermeisterwahl nach Auszählung aller Stimmen mit 66,49 Prozent. Klitschko versprach personelle Änderungen in der Stadtverwaltung. Die Zeit der Populisten sei vorbei.
Gleichzeitig warnte er vor allzu großen Hoffnungen auf sofortige Veränderungen in der Millionenstadt. "Es existieren sehr große Erwartungen, jeder möchte ein schnelles Ergebnis. Man sagt, dass Klitschko alle Probleme k.o. schlagen muss", sagte er dem Internetsender Hromadske.tv.
Sein Gegenkandidat, der nationalistische Abgeordnete Borislaw Berjosa, erhielt 33,51 Prozent. Enttäuscht zeigten sich die Politiker über die niedrige Wahlbeteiligung. Der Wahlleitung zufolge gaben landesweit etwa 34 Prozent der Berechtigten ihre Stimme ab. Beim ersten Wahlgang vor drei Wochen waren es noch rund 47 Prozent gewesen. Parteienvertreter und auch die Wahlkommission forderten die Abschaffung der erst im Sommer eingeführten Stichwahl.
Gefechte in der Ostukraine
Landesweit zeichneten sich für die Bürgermeisterposten in 29 Städten Überraschungsgewinne für die Regierungspartei Samopomitsch (Selbsthilfe) ab. Vor allem in den südöstlichen Großstädten gingen die Erfolge zulasten der Vertreter des hoch gehandelten Oppositionsblocks, einem Sammelbecken ehemaliger Anhänger des nach Russland geflüchteten Ex-Präsidenten Viktor Janukowitsch.
Experten sehen Samopomitsch vor allem als Partei der städtischen Mittelschicht, die einen patriotischen Kurs vertritt. Innerhalb der Regierungskoalition lehnt die Partei etwa einen Verfassungskompromiss im Rahmen des Minsker Friedensplans ab, der den Separatistengebieten im Osten mehr Eigenständigkeit einräumt.
In Kiew drohte der Sprecher des Präsidialamtes, Andrej Lyssenko, mit einer Rückführung abgezogener Waffen an die Frontlinie, falls sich die Lage im Unruhegebiet verschärfen sollte. In mehreren Bereichen sei es wiederholt zu Gefechten mit prorussischen Aufständischen unter Einsatz von Schusswaffen und 82-Millimeter-Granatwerfern gekommen. Zudem seien drei Regierungssoldaten bei der Ortschaft Solote nahe Luhansk durch einen ferngesteuerten Sprengsatz getötet worden.
Klitschko im Wahlkampf: Ein Held mit Kratzern
SPIEGEL+-Zugang wird gerade auf einem anderen Gerät genutzt
SPIEGEL+ kann nur auf einem Gerät zur selben Zeit genutzt werden.
Klicken Sie auf den Button, spielen wir den Hinweis auf dem anderen Gerät aus und Sie können SPIEGEL+ weiter nutzen.
Ex-Boxer Vitali Klitschko: Er stellt sich erneut als Bürgermeister von Kiew zur Wahl. Sein Ergebnis wird Symbolwirkung über die Stadtgrenzen Kiews hinaus haben, denn seit Kurzem ist Klitschko auch Chef der Partei von Präsident Poroschenko. Klitschkos eigene Partei "Udar" ist im "Block Petro Poroschenko" aufgegangen. Und Poroschenkos Lager ist in diesem Jahr in Bedrängnis geraten.
International bekanntes Aushängeschild der Millionenstadt: 2013 setzte sich "Dr. Eisenfaust" an die Spitze der Maidan-Proteste. Das Bild zeigt ihn im Dezember des Jahres in den blockierten Straßen nahe dem Präsidentenpalast.
Große Ambitionen: Als der Machtwechsel in der Ukraine feststand, wollte der Zwei-Meter-Mann kurzzeitig sogar Präsident werden. Er verzichtete zugunsten des Unternehmers Petro Poroschenko - und sicherte sich damit das Wohlwollen des jetzigen Staatschefs. Poroschenko unterstützt Klitschko im aktuellen Wahlkampf
Parteichef Klitschko im Parlament (Februar 2014): Er trat mit der "Udar" an - doch die gibt es nicht mehr.
Saubermachen auf dem Maidan (August 2014): Klitschko kam vergangenes Jahr bei vorgezogenen Wahlen ins Amt. Und die Verfassung schreibt eine reguläre Abstimmung alle fünf Jahre am letzten Oktobersonntag vor. Deshalb wird jetzt schon wieder gewählt.
Klitschko mit ukrainischen Kämpfern: Der 44-jährige frühere Sportler will Kiew zu einer modernen europäischen Metropole machen.
Wahlkampf im Oktober 2015: Klitschko gilt als Favorit - aber nicht als unbesiegbar. Verfehlt er die absolute Mehrheit, wird am 15. November eine Stichwahl der beiden Bestplatzierten fällig.
Melden Sie sich an und diskutieren Sie mit
Anmelden