Konflikt Annäherung zwischen Serbien und Kosovo droht zu scheitern

Die Aussöhnung zwischen dem Kosovo und Serbien steckt in der Krise. Pristina will keine serbischen Politiker ins Land lassen. Belgrad antwortet mit der Drohung, den Dialog ganz abzubrechen. Für beide Länder hängt von der Normalisierung ihrer Beziehung auch die Annäherung an die EU ab.

Serbiens Regierungschef Dacic: "Ein Schlag gegen den Friedensprozess"
AFP

Serbiens Regierungschef Dacic: "Ein Schlag gegen den Friedensprozess"


Belgrad - Serbien hat mit dem Ende des Aussöhnungsprozesses mit dem Kosovo gedroht. Damit reagiert die Regierung in Belgrad auf eine Verfügung aus Pristina, die allen führenden Politikern Serbiens während des Kommunalwahlkampfes die Einreise ins Nachbarland verbietet. Die Entscheidung der von Albanern geführten Kosovo-Regierung sei "skandalös und ein Schlag gegen den Friedensprozess", sagte der serbische Regierungschef Ivica Dacic der Belgrader Zeitung "Politika".

Damit droht nun das Scheitern der Normalisierung zwischen den beiden traditionell verfeindeten Ländern. Um einen Ausweg zu finden, hat die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton Dacic und seinen Kosovo-Amtskollegen Hashim Thaci für Montag zu Verhandlungen eingeladen. Ashton-Sprecherin Maja Kocijancic kündigte am Donnerstag in Brüssel das Sondertreffen an, ohne auf den aktuellen Streit zwischen Serbien und dem Kosovo einzugehen.

Kosovo-Serben wollen Wahl boykottieren

Auch der stellvertretende serbische Regierungschef, der politisch starke Mann des Landes Aleksandar Vucic, kritisierte das Einreiseverbot als "unverständlich, irrational und sinnlos". Regierungschef Dacic hatte für Freitag eine Reise in das Nordkosovo geplant, um die serbische Minderheit dort bei der Vorbereitung der Abstimmung am 3. November zu unterstützen.

Die Kommunalwahl ist das Herzstück der EU-Vorschläge zur Lösung des Kosovo-Konflikts. Damit soll die serbische Minderheit in den fast nur noch von Albanern bewohnten Kosovo-Staat integriert werden und im Gegenzug weitgehende Selbstverwaltung erhalten.

Die Kosovo-Serben wollen mehrheitlich die Wahl boykottieren, weil sie nicht zu Kosovo, sondern weiter zu Serbien gehören wollen. Dacic hatte seine Landsleute umstimmen wollen. Denn von deren Wahlbeteiligung hängt ab, ob die EU im kommenden Januar Beitrittsverhandlungen mit Serbien aufnimmt.

ler/dpa

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insgesamt 3 Beiträge
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sfk15021958 04.10.2013
1. Will man diese Kampfhähne...
...auch noch in der EU haben? Haben wir nicht schon genügend Probleme mit Osteuropa, brauchen wir weitere Regionen, wo Filz, Familienclans und Blutrache zum täglichen Leben gehören? Zuerst grundlegende (!) Reformen...und dann kann man weitersehen!
rwk 04.10.2013
2. Liegt auf der Hand
Solche Dinge waren vorprogrammiert worden, als der Kosovo "selbsständig" wurde. Die EU Politiker sehen nicht, dass die zwei völlig unterschiedlichen Kulturen - die Moslems und die Nichtmoslems - unmöglich miteinender in Ruhe leben können. Das wird auch nicht funktionieren. Sobald Moslems im Spiel sind versuchen die die Oberhand zu erringen und die Andersdenkenden in die Islamrichtung zu zwingen. Lediglich die Militärdikdatur von Tito hat das unterbinden können.
ct91 04.10.2013
3.
Das stimmt so nicht ganz. Im Kosovo leben sehr wohl alle Religionen friedlich zusammen sowohl Christen als auch Moslems. Das Problem liegt an der Politik die dort unten herrst. Ich bin schon mehrmals dort unten gewesen und von Blutrache habe ich auch noch nie was gehört. Da sollte man eher ins Nachbarland Albanien reisen wo der Kanun noch das sagen hat. Um auf den punkt zu kommen das Problem liegt einfach in der Vergangenheit die der Kosovo mit den Serben hat. Der Nordkosovo will sich deshalb nicht von Serbien losreißen weil in der Region der Profit Serbiens liegt. Früher haben alle friedlich mit einander gelebt. Die Aufarbeitung und die Annäherung beider Länder wird noch sehr lange dauern. Deshalb befürworte ich auch nicht den EU Beitritts Serbiens.
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