Konflikt im Sudan Baschirs Armee marschiert in Ölregion Abyei ein

Die Lage im sudanesischen Abyei eskaliert. Norden wie Süden erheben Ansprüche auf das ölreiche Grenzgebiet - nun sind Panzer aus dem Norden angerückt, es soll bereits etliche Tote gegeben haben. Die Uno hat für Ihre Mitarbeiter Alarmstufe Rot ausgerufen.

Nairobi/Khartum - Wenige Wochen vor der Unabhängigkeit des Südsudan ist der Konflikt um die ölreiche Grenzregion Abyei offenbar eskaliert. Die nordsudanesische Armee SAF hat nach eigenen Angaben die Kontrolle über die gleichnamige Stadt Abyei in der umstrittenen Grenzregion zum Südsudan übernommen. Ein Sprecher im staatlichen sudanesischen Fernsehen sprach von "schweren Verlusten des Feindes" bei der Einnahme der Stadt, berichtete die "Sudan Tribune" am Sonntag in ihrer Onlineausgabe. Augenzeugen sprachen von zahlreichen Panzern in der Stadt, auch vor Uno-Einrichtungen.

Uno-Mitarbeiter in Abyei bestätigten, dass die Truppen des Nordens nach Angriffen mit schwerer Artillerie die Kontrolle über Abyei hätten. Zuvor hatte der sudanesische Präsident Umar al-Baschir, der wegen Völkermords vom Internationalen Strafgerichtshof per Haftbefehl gesucht wird, eine Auflösung des Verwaltungsrates von Abyei angeordnet. Die Verwaltung wird von Vertretern des Nordens und Südens gemeinsam gestellt. Der südsudanesische Informationsminister sprach von einer Verletzung des Friedensabkommens von 2005.

Uno-Delegation sagt Besuch in Abyei ab

Die Uno-Mission im Sudan (Unmis) äußerte sich "tief besorgt". Sie forderte ein sofortiges Ende der Feindseligkeiten und den Rückzug aller nicht autorisierten Truppen. Für die in Abyei eingesetzten Uno-Mitarbeiter wurde Alarmstufe Rot angeordnet. Sie dürfen die Uno-Anlagen derzeit nicht verlassen.

Ein für Montag geplanter Besuch einer Delegation des Uno-Sicherheitsrates in Abyei wurde angesichts der Entwicklung abgesagt. Nach einem Bericht der staatlichen sudanesischen Nachrichtenagentur Suna wollte die Delegation eigentlich am Sonntag mit sudanesischen Regierungsvertretern über die Lage in Abyei sprechen.

Juak Agok von der Bezirksverwaltung Abyei hatte zuvor über Luftangriffe der SAF auf Ziele in Abyei berichtet. Auch Philip Aguer Panynag, Sprecher der Armee des Südsudan (SPLA) sprach von Luftangriffen auf mindestens neun Dörfer der Region. Zahlreiche Zivilisten seien bei Bombardierungen oder im Kreuzfeuer der Kämpfenden ums Leben gekommen.

Tausende Menschen sind nun auf der Flucht. Nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen haben sich die Bewohner von Abyei vor den Kämpfen in Sicherheit gebracht. "Die gesamte Bevölkerung von Abyei ist geflohen", hieß es am Sonntag in einer Erklärung der Organisation. In einer von ihr geleiteten Klinik im 40 Kilometer entfernten Agok seien am Samstagabend 42 Verletzte aufgenommen worden. Dort würden die Teams nun verstärkt, die Klinik in Abyei könne vorerst nicht weiter betrieben werden.

USA und Frankreich fordern Rückzug der Nord-Truppen

Die USA verurteilten den Vorstoß der sudanesischen Armee. Die Regierungstruppen müssten sich sofort zurückziehen, forderte das Weiße Haus. Die Regierung in Paris sprach von "einer schwerwiegenden Verletzung" des Friedensabkommens zwischen dem Norden und dem Süden.

Die Auseinandersetzungen hatten am Donnerstag begonnen, nachdem die nordsudanesische Armee erklärt hatte, 22 ihrer Soldaten seien in einem Hinterhalt von Truppen des Südens getötet worden. Etwa sieben Kilometer von der Stadt Abyei entfernt gerieten die in Uno-Fahrzeugen transportierten Soldaten unter schweren Beschuss.

Sowohl der Norden als auch der Süden erheben Anspruch auf die ölreiche Region Abyei. Ein für Januar geplantes Referendum über die Zukunft der Region musste wegen organisatorischer Probleme und anhaltender Spannungen verschoben werden. Ebenfalls im Januar entschied sich die Bevölkerung des Südsudan in einer Volksabstimmung für einen eigenen Staat. Sechs Jahre nach Beendigung des Bürgerkrieges wird der Südsudan am 9. Juli zum unabhängigen Staat.

Mit der Unabhängigkeit des Südens verliert der Sudan, bisher der größte Staat Afrikas, einen großen Teil seines bisherigen Staatsgebietes und zwei Drittel der Ölquellen.

ffr/dpa/AFP