Konflikt in Ostasien Japan gibt Abschussbefehl für Rakete aus Nordkorea

Japan rüstet sich bereits für den von Nordkorea geplanten Raketenstart: Die Regierung in Tokio gab den Streitkräften den Befehl zum Abschuss, sollte die Waffe oder Teile von ihr auf das Land stürzen.


Tokio - Der von Nordkorea angekündigte Raketenstart sorgt für Unruhe in Japan: Verteidigungsminister Yasukazu Hamada erteilte den sogenannten Selbstverteidigungsstreitkräften am Freitag einen Abschussbefehl, sollte die Rakete oder Teile der Waffe in Richtung japanisches Territorium fallen. Der bislang beispiellose Abschussbefehl der japanischen Regierung erfolgte nach einem Treffen des obersten Sicherheitsrats unter Vorsitz von Ministerpräsident Taro Aso.

Japanische Kriegsschiffe: Vorbereitung auf Nordkoreas Raketentest
AP/ Kyodo News

Japanische Kriegsschiffe: Vorbereitung auf Nordkoreas Raketentest

Zerstörer mit dem Aegis-Radarsystem sollen im Japanischen Meer (Ostmeer) in Position gebracht werden, um die nordkoreanische Rakete notfalls abzuschießen. Zudem wurden Abwehrgeschütze vom Typ Patriot in den Norden des Landes verlegt, über den die Rakete aus Nordkorea fliegen dürfte.

Ein Regierungssprecher betonte jedoch, dass die Wahrscheinlichkeit gering sei, dass die Rakete auf Japan falle. Er rief die Bürger auf, ruhig zu bleiben und ihren normalen Alltagsgeschäften nachzugehen. Die Regierung plane, die Bevölkerung zu informieren, sobald die Rakete gestartet sei. "Bitte achten Sie auf Informationen im Fernsehen und Radio", sagte der japanische Regierungssprecher Takeo Kawamura vor Journalisten.

Nach Angaben des US-Fernsehsenders CNN werden sich routinemäßig auch US-Marineschiffe in der Region befinden, die mit Aegis ausgerüstet sind. Sie seien ohnehin zum Einsatz vorgesehen gewesen und vorbereitet, gegebenenfalls den Verlauf eines Raketenstarts zu verfolgen oder auch mehr zu unternehmen, zitierte CNN einen Marinevertreter.

Nordkorea hatte am Donnerstag bekräftigt, Anfang April mit der Rakete einen Fernmeldesatelliten ins All schießen zu wollen. Bereits 1998 hatte die kommunistische Regierung in Pjöngjang eine Rakete des Typs Taepodong-1 über japanisches Gebiet fliegen lassen und später von einem Satellitenstart gesprochen. Die Rakete könnte theoretisch auch den US-Bundesstaat Alaska erreichen.

Nord- und Südkorea
Nordkorea und Kim Jong Il
REUTERS
Am 9. September 1948 rief der kommunistische Politiker Kim Il Sung im Norden die Demokratische Volksrepublik Korea aus. Sie entwickelte sich, zunächst in enger Anlehnung an die Sowjetunion, zu einer kommunistischen Volksrepublik. 1998 wurde dessen Sohn Kim Jong Il Regierungschef. Der ehemalige US-Präsident George W. Bush bezeichnete Nordkorea zusammen mit Iran und dem Irak als "Achse des Bösen" , die aufrüstet, um den Frieden der Welt zu bedrohen.
Die Teilung Koreas
Seit 1910 war Korea eine japanische Kolonie. Nach der Niederlage Japans 1945 rückten sowjetische Truppen im Norden und US-amerikanische Truppen im Süden des Landes vor und trafen sich am 38. Breitengrad. Die Vereinbarungen der Alliierten über die Bildung einer provisorischen Regierung und die Abhaltung freier Wahlen in ganz Korea konnten nicht verwirklicht werden, da sich die UdSSR widersetzte. Im September 1948 wurde in Nordkorea die Volksdemokratische Republik Korea ausgerufen; Südkorea (Republik Korea) gab sich im Juli 1948 eine Verfassung.
Korea-Krieg
AP
Am 25. Juni 1950 begann die militärische Auseinandersetzung zwischen der Demokratischen Volksrepublik Korea (Nordkorea) mit Unterstützung der Volksrepublik China und der Republik Korea (Südkorea), die von Uno-Truppen unter Führung der USA unterstützt wurde. Der Krieg endete mit der Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens von Panmunjom am 27. Juli 1953, das die Teilung am 38. Breitengrad zementierte.
Südkorea
Am 15. August 1948 wurde die Republik Korea gegründet. Staatspräsident ist Lee Myung Bak , der im Dezember 2007 die Präsidentschaftswahlen gewann und seit Februar 2008 im Amt ist. In den vergangenen Jahrzehnten erlebte Südkorea dank seiner exportorientierten Wirtschaftspolitik und der großzügigen Unterstützung Japans und der USA einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung.
Militärische Stärke

Militär in Nord- und Südkorea

Nordkorea Südkorea
Truppenstärke insgesamt 1.106.000 687.000
darunter Heer 950.000 560.000
Marine 46.000 68.000
Luftwaffe 110.000 64.000
Reservisten 4.700.000 4.500.000
Kampfpanzer 3.500 2.750
Artilleriegeschütze 17.900 10.774
Boden-Boden-Raketen 64 12
einsatzbereite Kampfflugzeuge 620 490
darunter Jagdflugzeuge 388 467
Bomber 80 -
Kriegsschiffe 8 47
darunter Zerstörer - 10
Fregatten 3 9
Korvetten 5 28
taktische U-Boote 63 13
kleinere Küstenwachboote 329 76

(Quelle: International Institute for Strategic Studies (IISS, London)

Russland hat Nordkorea zum Verzicht auf den geplanten Satellitenstart aufgefordert. "Die Lage ist gespannt und es wäre besser, auf den Start zu verzichten", sagte der russische Vize-Außenminister Alexej Borodawkin laut der Nachrichtenagentur Interfax am Freitag. Es sei unnütz, die Spannungen weiter zu verschärfen.

hut/AFP/AP/Reuters



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